Neustart der Zypern-Gespräche
Kommt jetzt der Frieden?

Neuer Anlauf und neue Hoffnung für die Wiedervereinigung Zyperns: Die Volksgruppenführer der griechischen und türkischen Zyprer wollen sich intensiv darum bemühen. Der neue türkische Präsident pflegt eine neue Politik.
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NikosiaDie seit Monaten auf Eis gelegten Gespräche zur Überwindung der Teilung Zyperns haben am Freitag wieder begonnen. Die Volksgruppenführer der türkischen und griechischen Zyprer, Mustafa Akinci und Nikos Anastasiades, trafen sich zusammen mit dem UN-Gesandten, dem Norweger Espen Barth Eide, in Nikosia.

Sie wollen „unermüdlich für eine umfassende Lösung der Zypernfrage arbeiten“, erklärte Eide im zyprischen Staatsfernsehen (RIK) nach dem Treffen, das knapp vier Stunden dauerte. Dieses Ziel wollen die beiden Volksgruppenführer „so bald wie möglich“ erreichen, sagte der UN-Gesandte weiter. 

Anastasiades und Akinci werden sich nach UN-Angaben mindestens zwei Mal im Monat treffen. Das nächste offizielle Treffen sei am 28. Mai geplant. Am 23. Mai wollen sich die beiden Volksgruppenführer privat treffen, teilte der norwegische UN-Gesandte mit. Sie hätten eine „gemeinsame Vision“ für ein wiedervereinigtes föderatives Zypern, hieß es. 

Als erstes Zeichen des guten Willens werde die Visumpflicht für den türkischen Nordteil der Insel aufgehoben, teilte Eide mit. Bisher müssen alle griechischen Zyprer für Besuche im Nordteil ein Visum an den Übergangsstellen beantragen, was indirekt als Anerkennung der Türkischen Republik Nordzypern gilt und deswegen umstritten ist.

Die griechisch-zyprische Seite habe ihrerseits Einzelheiten und Koordinaten für 28 alte Minenfelder im Norden übergeben, damit die Minen geräumt werden können. Der liberale türkisch-zyprische Politiker Akinci war am 29. April zum Präsidenten der nur von der Türkei anerkannten Türkischen Republik Nordzypern gewählt worden.

Er pflegt seit Jahrzehnten gute Kontakte mit den Kreisen der griechisch-zyprischen Seite, die eine Lösung der Zypernfrage anstreben. „Ich hoffe, dass dieser Tag der Beginn einer glänzenden Zukunft für alle Zyprer wird“, erklärte Anastasiades im Kurznachrichtendienst Twitter am Freitag. „Das ist nur der Anfang“, sagte seinerseits Akinci im türkischen-zyprischen Fernsehen (BRT).    

Die Gespräche waren im September 2014 wegen eines Streits um Gasvorkommen unter dem Meeresboden südlich der Mittelmeerinsel unterbrochen worden. Zypern ist seit 1974 nach einem griechischen Putsch und einer türkischen Militärintervention geteilt.

Die Republik Zypern ist seit 2004 EU-Mitglied. Das EU-Recht gilt aber nur im griechisch-zyprischen Süden und nicht im türkisch kontrollierten Norden. Als mögliche Lösung wird eine Föderation zweier Bundesländer mit politisch gleichberechtigten Volksgruppen angestrebt.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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