Neuwahl-Debatte
Brown stürzt in die nächste Krise

Die Labour-Partei schlitterte am Sonntag in Erwartung desaströser Ergebnisse bei der Europawahl tiefer in die Krise. Solidaritätsaufrufe für Premier Gordon Brown wechselten sich mit Forderungen nach seinem Rücktritt ab. Neue Debatten um Browns Charakter und Amtsführung unterminieren die Autorität des Premiers zusätzlich.

LONDON. Nach katastrophalen Ergebnissen bei den Gemeindewahlen rüstete sich Labour für noch schlimmere Ergebnisse bei den Europawahlen. Umfragen zufolge sollte die Partei auf den dritten, vielleicht sogar vierten Rang zurückfallen hinter Konservativen, der antieuropäischen UK Independence Party und den Liberaldemokraten.

Labour hatte bei den Grafschaftswahlen mit 23 Prozent das schlechteste Ergebnis der Geschichte erzielt. Alle noch verbliebenen Bezirke in England fielen an die Konservativen. In Staffordshire, seit 28 Jahren Labour-Hochburg, verloren 29 von 32 Labour-Räten ihren Sitz. Labour, schrieb der "Guardian", sei eine "Splitterpartei" geworden.

"Wir stehen vor einer totalen Katastrophe. Da reicht es nicht, einfach zu sagen, wir brauchen mehr vom selben", warnte der ehemalige Minister für Lokales, Nick Raynsford. Er gehört zu einer langsam, aber stetig wachsenden Zahl von Labour-Politikern, die offen den Rücktritt ihres Parteichefs Gordon Brown fordern. Brown sei unfähig, die Partei noch zusammenzuhalten, sagte der frühere Justizminister Lord Falconer. "Wir können uns nur unter einem neuen Parteichef einigen." Stephen Byers, Verkehrsminister unter Blair, forderte die Partei auf zu entscheiden, ob Brown "ein Gewinner oder ein Verlierer ist".

Der Labour-Linke Jon Cruddas forderte statt eines Personalwechsel einen klaren Linksruck der Partei. "So zu tun, als seien die Probleme gelöst, wenn wir Gordon Brown über Bord werfen, wäre Wahnsinn." Er verband seine halbherzige Solidaritätserklärung mit einer klaren Warnung vor der von Brown befürworteten Teilprivatisierung der Royal Mail - dem nächsten Krisenherd zwischen Partei und Regierung.

Lord Peter Mandelson, inzwischen Browns Chefstratege, forderte die Brown-Gegner auf, sich hinter den Premier zu stellen oder Flagge zu zeigen. "Jemand müsste sagen: ?Ich würde den Job besser machen' - aber so jemanden haben wir nicht." Mit der richtigen Politik, echter Teamarbeit und Einigkeit könne Labour seine Glaubwürdigkeit wieder herstellen.

Am Montagabend müssen die Rebellen auf einer Fraktionssitzung mit Brown Farbe bekennen. Entscheidend für Browns politisches Überleben wird sein, wie stark die Forderungen nach seinem Rücktritt dann sind. Kurz vorher werden sich die Umstürzler auf einer Versammlung der Labour-Gruppe "Progress" treffen.

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