Neuwahl in Griechenland

Sparkursgegner haben die Nase vorn

Die Neuwahl in Griechenland könnte den Sparkursgegnern Syriza zur Macht verhelfen. Laut aktuellen Umfragen könnte das Links-Bündnis bei den Wahlen in vier Wochen sein Ergebnis fast verdoppeln - von 16,8 auf 30 Prozent.
Update: 25.05.2012 - 10:57 Uhr 22 Kommentare
Der Syzira-Vorsitzende Alexis Tsipras in Mitten einer Menschenmenge. Seine Partei legt in der Wählergunst massiv zu. Quelle: AFP

Der Syzira-Vorsitzende Alexis Tsipras in Mitten einer Menschenmenge. Seine Partei legt in der Wählergunst massiv zu.

(Foto: AFP)

AthenGut drei Wochen vor der vorgezogenen Parlamentswahl hat die griechische Radikale Linke (Syriza) eine hervorragende Ausgansposition. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Public Issue könnte das Parteienbündnis mit 30 Prozent stärkste Partei werden. Die Syriza lehnt den bisherigen Sparkurs ab.

Gleichzeitig glauben aber 54 Prozent der Griechen, dass die konservative Nea Dimokratia (ND) stärkste Kraft wird. Das Ergebnis der Umfrage veröffentlichte am Freitag der Athener Nachrichtensender Skai. Meinungsforschern zufolge zeigt die Umfrage eine ambivalente Haltung der Bürger. Viele Wähler seien noch unentschlossen.

Bei der Wahl am 6. Mai hatte keine Partei die absolute Mehrheit erreicht. Sondierungsgespräche zur Bildung einer Koalition waren ohne Ergebnis geblieben. Nun müssen Neuwahlen am 17. Juni stattfinden. Das Land wird von einer Interimsregierung geführt.

Der Umfrage nach kann die Syriza auf die Verdoppelung ihres Anteils von 16,8 Prozent auf 30 Prozent hoffen. Die Partei spricht sich vehement für ein sofortiges Einfrieren großer Teile des griechischen Sparprogramms aus.

Die konservative Nea Dimokratia (ND), die der Politik der deutschen Bundesregierung eher entgegenkäme, würde ebenfalls gestärkt aus der Wahl hervorgehen. Sie könnte ihren Anteil im Vergleich zum 6. Mai von 18,85 auf 26 Prozent steigern. Ihr potenzieller Bündnispartner, die Panhellenische Sozialistische Bewegung (Pasok), würde sich leicht von 13,18 auf 15,5 Prozent verbessern.

Auf die Frage, wer am besten als Ministerpräsident geeignet wäre, nannten 24 Prozent den jungen Syriza-Chef Alexis Tsipras. An zweiter Stelle folgte mit 19 Prozent der Präsident der Nea Dimokratia, Antonis Samaras, vor Pasok-Chef Evangelos Venizelos mit 17 Prozent.

Die Unabhängigen Griechen (AE) verlieren laut der Umfrage von 10,6 auf 8 Prozent. Die Demokratische Linke (Dimar) stagniert bei 6,5 (6,11) Prozent. Mit starken Verlusten müssen die Parteien an den Rändern des politischen Spektrums rechnen: Die Kommunisten (KKE) bekämen 5 (8,48) Prozent und die faschistische Goldene Morgenröte (Chryssi Avgi) 4 (7) Prozent.

Auch mit diesem Ergebnis müsste eine Koalitionsregierung das Land führen. Keine Partei hätte die absolute Mehrheit im Parlament. 54 Prozent der Griechen sprechen sich für eine Koalition aus.

Die Griechen wollen den Euro behalten. 85 Prozent der Befragten sind für den Verbleib des Landes im gemeinsamen Währungsraum. Sie wollen dabei aber eine Lockerung der harten Sparauflagen: 62 Prozent sprachen sich gegen das Sparprogramm aus.

  • rtr
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22 Kommentare zu "Neuwahl in Griechenland: Sieg für die Sparkursgegner wird wahrscheinlicher"

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  • @ Wutbuerger
    Sicher wird ihnen nicht mal der Peso angeboten !
    Sie werden nicht anders können , sie MÜSSEN eine eigene Währung einführen - egal wie man sie nennt !

    Griechenland hat zu keinem Zeitpunkt die Aufnahmekriterien erfüllt , nur durch Vorlage falscher zahlen kamen sie in den Genuss der Euro-vorteile .

    Wenn wir nun darüber diskutieren die Türkei in diesen Finanzclub aufzunehmen , können wir ebenso darüber nachdenken ob nicht auch Namibia oder Israel zum Europäischen Wirtschafts und Finanzraum aufgenommen werden sollte ,
    diese Länder erfüllen im Gegensatz zur Türkei schon heute alle Aufnahmekriterien !!!

  • die sind doch längst pleite. die eu hat die sache nur für sich optimiert, indem sie die zeit für sich spielen ließ...

  • Wenn sie damit die dazugehörigen BILD-Statistiken meinen, die wohlwollend von der FAZ, Zeit, Süddeutschen etc kopiert wurden, so gebe ich Ihnen recht, appeliere allerdings zugleich an Ihre Intelligenz, weitere Medien zu Rate zu ziehen. Siehe werden ganz schnell feststellen, dass der Grieche nicht besser gelebt hat, als der Deutsche. Aber da es denen ja so gut, bringen die sich seit der Krise auch massenhaft um. Sicher!

  • Na mal sehen, nach seinen Ankündigungen jedenfalls will Tsipras die PASOK unter Papandreou sen. kopieren - ein damals höchst erfolgreiches Modell der Ausbeutung der Geberländer (bei gleichzeitiger Betonung des "griechischen Stolzes") zu Gunsten der eigenen Klientel- und Korruptionswirtschaft. Empörenderweise verdichten sich die Ankündigungen, dass wir diesen Wahnsinn selbst nach einem Euro-Austritt im Rahmen der EU noch weiter subventionieren sollen. Wann endlich streiken die deutschen Steuerzahler angesichts solcher Verschwendung?

  • Quatsch, wir bezahlen, was die Griechen die letzten 10 Jahre ausgegeben haben!! Die haben davon gut gelebt, jetzt müssen Sie aber auch mal zahlen!

  • Fortunio, ich denke _Sie_ haben keine Ahnung von Argentinien. Da läuft eigentlich nichts rund, die letzte Verstaatlichung eines Betriebes ist gerade eine Woche her!!! Sooo gut deht's Argentinien :(

  • Ich denke dennoch nicht, dass er das schafft. Schon alleine der immense, korrupte Staatsapparat, von dem Deutschland durch und durch profitierte (seltsam, und jetzt beschweren wir uns über diese ausartende Korruption)bedarf einer kompletten Umstrukturierung welche einer Revolution, also einer völligen Abschaffung/Umwälzung gleichkäme. Dazu ist die SYRIZA leider nicht in der Lage...

  • @ Fortunio
    Ihre Darstellung passt aber gar nicht ins Bild! Gerade wird doch die Keule herausgeholt um endlich die faulen Griechen zu bestrafen, die unser ganzes Geld verprasst haben (Ironie Ende)

    Recht haben sie!

  • Der deutsche Steuerzahler bezahlt nicht die Griechen, sondern die Banken!! Und das wird bleiben. Vermutlich wird Spanien das nächste Opfer. Dann Portugal, Italien, Frankreich etc. Und immer werden die Banken zocken und der Steuerzahler freundlicherweise die Risiken tragen.

    Die bisher an Griechenland tatsächlich geflossenen Gelder dürften nicht relevant sein. Ein einstelliger Milliardenbetrag. Alles andere Bürgschaften für die Zockerbanken.

    Interessanter sind schon die Gewinne der deutschen Unternehmen durch die gesunkenen Refinanzierungskosten (gestern 0% Zins!!!)

  • @ Amenhotep

    Genau! Nagel auf den Kopf getroffen.

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