Neuwahlen geplant
Rückschlag für Putins Tschetschenien-Politik

Mit dem Bombenanschlag in Grosny kam am wichtigsten Feiertag Russlands der schwelende Krieg in Tschetschenien wieder auf Putins Tagesordnung. Als die Bombe explodierte nahm der Kreml-Chef gerade auf dem Roten Platz in Moskau die Militärparade zum „Tag des Sieges“ der Sowjetarmee im Zweiten Weltkrieg ab.

HB MOSKAU. Der tschetschenische Präsident Achmat Kadyrow starb bei dem Anschlag - ausgerechnet der Mann, auf den Putin seit vier Jahren setzt, um die Kriegsregion im Nordkaukasus zu befrieden. Wie bei vielen Terroranschlägen zuvor blieb Putin nur das wütende Versprechen, Vergeltung zu üben. Die politische Strategie des Kremls in Tschetschenien muss wieder neu durchdacht werden, denn einen Nachfolger für Kadyrow gibt es nicht.

Kadyrow war der Versuch des Kremls, den Tschetschenen einen allgemein anerkannten Führer zu geben. Seine Geschichte sollte ihn glaubwürdig machen: Der Weg des islamischen Geistlichen führte ihn im ersten Tschetschenien-Krieg in den Kampf gegen Russland, im zweiten Krieg an die Seite Russlands. Kadyrow sollte den 1995 getöteten ersten tschetschenischen Präsidenten Dschochar Dudajew und dessen Nachfolger Aslan Maschadow vergessen machen.

Doch die archaische tschetschenische Gesellschaft, gespalten in Familienclans, lässt sich nur schwer einigen. Kadyrows Herrschaft in Tschetschenien beschränkte sich auf die Orte, an denen sein Clan Benoi stark war. Der radikale Flügel der Rebellen trachtete dem Kollaborateur nach dem Leben. Der ehemalige Geistliche nutzte sein Amt, um die Kassen seiner Familie zu füllen, und war deshalb weithin unbeliebt.

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