Niall Ferguson

„Der Euro überlebt, die EU nicht“

Der Historiker Niall Ferguson warnt vor einem Zerfall der Europäischen Union: Den Euro werde es auch in Zukunft geben, aber seine Krise spalte die Gemeinschaft, argumentiert Ferguson im Gespräch mit dem Handelsblatt.
25 Kommentare

Handelsblatt: Herr Ferguson, was würde passieren, wenn die Griechen aus der Währungsunion ausscheiden sollten?

Niall Ferguson: Jeder würde sich fragen: Wer ist der Nächste? Wenn man alle schwachen Euro-Länder rauswerfen würde, hätte man eine Hartwährungsunion mit Deutschland im Zentrum. Aber die Deutschen hätten dann die gleichen Probleme wie heute schon die Schweizer und Japaner. Also stark steigende Wechselkurse, die die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Unternehmen beeinträchtigen würden.

Die Währungsunion wird also halten?

Ich glaube, ein Auseinanderfallen der Währungsunion wäre zu kompliziert. Niemand hätte etwas davon. Weder würden die Griechen etwas gewinnen, wenn sie die Drachme wiederbekommen würden. Noch hätte Deutschland einen Vorteil, wenn man Griechenland rauswerfen würde.

Wie lässt sich die Krise dann lösen?

Die 17 Mitgliedsländer werden sich unausgesprochen auf eine Transferunion einigen. Unausgesprochen, weil man eine Transferunion gerade in Deutschland politisch nicht verkaufen kann.

Haben wir nicht längst eine Transferunion?

Ja, wir nennen sie „bail-outs“. Aber wir können nicht unser Leben lang andere Länder retten, die mehr als 100 Prozent ihres Einkommens ausgeben.

Gibt es historische Beispiele für eine Transferunion?

Man hat ein ähnliches Experiment mit der früheren DDR unternommen. Erst gibt man den Leuten eine harte Währung, mit der sie auf große Einkaufstour gehen. Dann macht man sie arbeitslos und schließlich muss man sie finanziell unterstützen. Und genau das passiert jetzt auch in den Randstaaten der Euro-Zone.

Beseitigt eine Transferunion den Konstruktionsfehler der Währungsunion?

Nein, das Grundproblem der Euro-Zone sind nicht die Staatsschulden, sondern die unterschiedliche wirtschaftliche Entwicklung ihrer Mitglieder. Der Euro war niemals ein optimaler Währungsraum.

„Jeder darf sich Populismus leisten, nur nicht die Deutschen“
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25 Kommentare zu "Niall Ferguson: „Der Euro überlebt, die EU nicht“"

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  • Und, das sind die Deutsche von heute, die von gestern kamen auch aus Asien, irgendwann.

  • Das Gute geht, das schlechte bleibt!

  • Who da fuck is Niall Ferguson?

  • Anonymer Benutzer: ueberleben, ich darf ihnen zu ihrer scharfsinnigen Analyse gratulieren.
    Ich möchte sie Fragen, wo leben Sie, und wo verdienen Sie ihr Geld???
    Oder andersausgedrückt, wo möchten Sie leben?
    Können Sie mir diese Fragen ehrlich beantworten?
    Danke

  • Da haben sich zwei Labertaschen gefunden...

  • Niall Fergusons Beitrag beinhaltet bemerkenswerte Aussagen:

    1. Wenn Griechenland aus dem Euro aussteigt, wird jeder fragen, wer als nächstes gehen muss. Ein Auseinanderfallen der Währungsunion wäre zu kompliziert. => Griechenland kann nicht aussteigen. Der Euro bleibt.

    2. Der Euro ist kein idealer Währungsraum. => Wir bekommen eine dauerhafte Transferunion, die jedoch in den Nordeuro-Staaten nicht akzeptiert wird.

    3. Demokratie ist dem chinesischen autoritären Staatskapitalimus nicht überlegen. => Das öffnet eine Tür zur Abschaffung der Demokratie.

    Zur Person: Niall Ferguson ist ein hochintelligenter britischer Historiker und Wirtschaftswissenschaftler, der eine Unmenge interessanter Bücher mit manchmal streitbaren Thesen geschrieben hat.

    Niall Ferguson hat keine Aversionen gegen Deutschland.

    Niall Ferguson ist Mitglied der Bilderberger und möglicherweise so etwas wie ein Sprachrohr dieser Elite.

  • Beides falsch, der Euro kann auch mit Deutschland überleben, es müssen nur die Regeln so geändert werden.
    Der Exportüberschuss jedes Euroland geht an die EZB. Wird beim Abbau des Überschusses an das Land erstattet. Schon sind alle Probleme gelöst.
    Kein Überschuss mehr = kein Defizit mehr.
    Deutschland und der Euro überleben, den Deutschen geht es besser weil sie gezwungen werden mehr zu importieren und konsumieren. So einfach ist das. Nur die deutsche Großkonzerne stehen schlecht da, keine Kriegskasse mehr um die Welt aufzukaufen.

  • Großbritannien wird die EU nicht verlassen, auch wenn es populär in London ist, gegen den EURO und die EU zu stänkern.

    Es ist im ureigensten wirtschaftlichen Interesse für die Engländer, wenn sie nicht aus die EU hinausgehen. Die Engländer leiden emotional immer noch am Verlust ihres Commonwealth. Ohne Europa und dessen Absatzmarkt sowie ohne Mitsprache, wie die Regeln in Europa sind, wird es Grossbritannien wirtschaftlich sehr schwer haben. England braucht Europa; umgekehrt ist dies weniger der Fall: Europa kann auch ohne England. Dies wissen auch letztlich die Politiker in London und werden weiterhin daran interessiert sein, in Brüssel mitreden zu können. So werden sie weiterhin in London dem Volk mit Pöbeleien gegen Europa und EU bespielen, aber doch immer daran interessiert bleiben, in der EU mitzubestimmen.

    Die Engländer müssen wohl oder übel lernen, dass sie Europa wirtschaftlich brauchen.

  • Sie sollen Ihre Meinung nicht verallgemeinern. Wenn Sie dieser Artikel nicht interssiert ist das ok, aber das "man" das als Datenmüll ignorieren sollte, ist Ihre Meinung und unzulassige Rethorik, die sich in vielen Ihrer Kommentare wiederfindet. Schade, so etwas macht solche Forum kaputt, denn konstruktiv finde ich solch ein Verhalten nicht.

  • Bei der Börsenumsatzsteuer in UK handelt es sich um eine stark eingeschränkte Steuer. Der Finanzplatz London und die britischen Politiker laufen derzeit Sturm gegen die Einführung einer umfassenderen Transaktionssteuer (wie auch im HB zu lesen war). UK scheint mir kein geeignetes Vorbild zu sein, wenn es um Forderung nach einer Finanztransaktionssteuer geht.

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