
LONDON. Sie haben die sensationellste politische Freundschaft der britischen Geschichte: Beim Tennis ist Vizepremier Nick Clegg nur auf Augenhöhe, beim Zusammenbauen von Ikea-Regalen aber besser als der Premier David Cameron. „Ich konnte ihm ein paar gute Tipps geben“, berichtete der Chef der Liberaldemokraten, als sein Besuch im Kinderzimmer bei Camerons mit dem gemeinsamen Aufbau eines Möbelstücks endete.
Als „Brokeback Coalition“ – in Anlehnung an den Film über schwule Cowboys – bezeichnen zynische Tory-Rechte das Duo. Und das wird für den Vizepremier zum Problem. „Clegg hat die Partei an die Tories verkauft“, schallen ihm die Proteste der Parteibasis entgegen. Die Kritik an ihm wächst. Diese Woche muss er sich beim Parteitag seiner Liberaldemokraten in Liverpool verteidigen.
Marathon statt Kurzstrecke
Und was macht der 43-Jährige? Er lächelt und mahnt zum langen Atem: „Dies ist ein Marathon“. Eine Koalition beruhe auf Kompromissen und funktioniere, indem „wir Raum für die Sorgen und Werte des anderen schaffen“, versucht er die Partei auf die Disziplin des Regierens einzuschwören. Als Sammelbecken für unzufriedene Linke links der Labourpartei hätten die Liberaldemokraten nie eine Zukunft gehabt.
Die Rolle des Vizepremiers meistert er. Aber Karikaturisten zeichnen ihn nun als Schuhputzer oder Messdiener Camerons. Und die Liberaldemokraten fürchten, dass nur die Tories profitieren, wenn die Koalition Erfolg hat. Wenn sie aber scheitert, würden die Liberaldemokraten abgestraft.
Immer mehr glauben, dass Clegg noch vor der nächsten Wahl der Tory-Party beitritt. Ob allein oder mit seiner Partei in Form einer von Strategen bereits angedachten „Fusion“ bleibt offen. Einige prophezeien eine andere Form des Untergangs: Die Koalition werde im nächsten Mai scheitern, wenn die drakonischen Sparmaßnahmen zu spüren sind und die Liberaldemokraten bei Kommunalwahlen für ihre Unterstützung der Tory-Politik abgestraft werden.