Nicolas Sarkozy
Das kleine Comeback des Egomanen

Sarko will's nochmal wissen: Die französischen Konservativen sollen den Ex-Präsidenten heute erneut zum Chef wählen – ein Schritt für ihn zurück in die Weltpolitik. Doch Sarkozys Tricks könnten nach hinten losgehen.
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ParisEs sollte ein Triumphzug werden, eine wie selbstverständlich zurückgelegte Zwischenetappe auf dem Weg zurück an die Macht. Nicolas Sarkozy hatte die Wahl zum Vorsitzenden der konservativen Partei UMP, bei der am gestrigen Freitag und am heutigen Samstag nur die Mitglieder abstimmen dürfen, die ihre Beiträge bezahlt haben, nie richtig ernst genommen.

Die Wahl soll ein Plebiszit werden, mit einem Ergebnis wie bei einem Parteitag der kubanischen Kommunisten, und seinen selbstverständlichen Anspruch auf die Kandidatur 2017 begründen. Der Mann, der sich einfach nicht aus der Politik zurückziehen kann, hält sich für so begnadet, dass kein gesunder Realismus, geschweige denn Selbstzweifel aufkommen. Vielleicht gerade deshalb sind ihm während der vergangenen Wochen viele teils grobe Fehler unterlaufen. Sein Ergebnis könnte deshalb weniger triumphal ausfallen, als er es erwartet hatte.

Sarko hat nur zwei Gegenkandidaten, den nur wenig bekannten Abgeordneten Hervé Mariton, der es wohl nur auf einige Prozent bringen wird. Er hat sich vor allem als radikaler Gegner der von Franҫois Hollande eingeführten Ehe für Homosexuelle profiliert.

Doch dann ist da noch Bruno Le Maire, ebenfalls Abgeordneter, doch einer, der bereits Minister war. Der 45-Jährige ist blitzgescheit und hat sich in den vergangenen Monaten von einem etwas blass und technokratisch wirkenden Mann im grauen Anzug zu einem politischen Frontschwein gewandelt.

Mit bewundernswerter Energie ist Le Maire, der einer der Politiker mit den besten Drähten nach Deutschland ist, durch die gesamte französische Provinz getingelt. Während Sarkozy gerade eine Handvoll Meetings abhielt, ist Le Maire in 95 Groß- und Kleinstädten aufgetreten und hat immer wieder seine Botschaft wiederholt: Nicht nur die Linke macht Fehler, auch die Rechte hat es in den vergangenen Jahren nicht geschafft, in Frankreich die nötigen Reformen zu vollziehen. Deshalb müsse sich nicht nur das Land, sondern vor allem auch die Partei erneuern.

Ja, der ehemalige Europa- und Landwirtschaftsminister hat es gewagt, den früheren Staatspräsidenten zu kritisieren, unter dem er Minister war. Für den Egomanen Sarko ist das eine persönliche Beleidigung. „Eierkopf“ ist noch die netteste Bezeichnung, die Sarkos „Büchsenspanner“ für Le Maire übrig haben, lieber nennen sie und angeblich auch Sarko selber ihn nur „Verräter“ oder „Arschloch“.

Doch der hochgewachsene, schlanke Politiker könnte dem sichtbar gealterten Sarkozy wichtige Stimmen wegnehmen. Bis zu 30 Prozent werden ihm vorausgesagt. Damit käme Sarko nur auf 65 Prozent, das wären zwanzig Prozentpunkte weniger als 20004, als er mit 85 Prozent zum UMP-Vorsitzenden gewählt wurde und von da aus seine Präsidentschaftskandidatur vorbereitete.

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