Nicolas Sarkozy ein Jahr im Amt
„Präsident bling-bling“ sucht seine zweite Chance

Nicholas Sarkozy ist der unbeliebteste Präsident des modernen Frankreichs. Stach er von Anfang an doch eher mit Skandalen um sein Privatleben hervor als mit als politischen Leistungen. Kurz vor Ablauf seines ersten Amtsjahres verrät Sarkoy den Franzosen nun, wie er sich selbst sieht.

HB PARIS. In einem 90-minütigen TV-Auftritt gab sich Frankreichs Präsident staatsmännisch. Er verteidigte die Entsendung von 700 zusätzlichen Soldaten nach Afghanistan und warnte vor einer Demütigung Chinas im Streit um Tibet. Das Interview wurde am Freitag von allen großen Zeitungen auf vier Seiten behandelt. Dabei herrschte einhellig der Tenor, Sarkozy vertrete dieselben Inhalte, trete aber seriöser auf.

„Ich habe 55 Reformen angefangen“, sagte Sarkozy. Sie hingen alle zusammen und müssten alle umgesetzt werden. Für die Probleme machte er eine „vierfache Krise“ - hoher Ölpreis, Verteuerung der Rohstoffe, hoher Euro-Kurs und die Weltfinanzkrise - verantwortlich. Fehler räumte er in der Vermittlung der Politik ein. Mit dem Einbruch bei den Umfragen habe er gerechnet. Er wolle aber am Ergebnis zum Ende seiner Amtszeit gemessen werden. Zu seinem anfangs öffentlich bunt ausgebreiteten Liebesleben erklärte Sarkozy knapp: „Alles ist wieder geordnet.“

Der Präsident appellierte an China, in der Tibetfrage „so viel Pragmatismus zu zeigen wie gegenüber Hongkong“ und mehr Autonomie zuzulassen. Er versuche, einen Dialog Pekings mit dem Dalai Lama in Gang zu bringen. Man müsse Verletzungen vermeiden. Sarkozy bescheinigte der Uno-Vetomacht China, der Welt in der Darfurkrise und im Atomstreit mit dem Iran zu helfen. Zur Frage der Teilnahme an den Olympia-Feiern wolle er einen EU-Konsens.

Zu Afghanistan sagte Sarkozy: „Wenn wir Afghanistan fallen lassen, fällt Pakistan wie ein Kartenhaus.“ Mit den Taliban sei kein Dialog möglich. Die Soldaten sollten den Afghanen helfen. „Das ist kein Krieg.“

Gemeinsam mit anderen EU-Staaten will Sarkozy demnächst eine Initiative für mehr Transparenz am Kapitalmarkt starten. „Ich glaube an den Kapitalismus“, sagte Sarkozy. „Doch ich glaube, dass der Kapitalismus auf dem Kopf steht und moralisiert werden muss.“ Man gebe Spekulanten den Vorzug vor Produzenten. „Die Ratingagenturen, die Subprime-Anleihen am Freitag mit AAA bewerten und am Montag mit BBB, müssen bestraft werden.“

Innenpolitisch bekräftigte Sarkozy seine Ziele: Legalisierung illegaler Einwanderer nur im Einzelfall, finanzielle Förderung der Arbeitsaufnahme, mehr Druck auf Arbeitslose zur Aufnahme eines Jobs, Liberalisierung des Handelsrechts, Renten- und Schulreform. Den Gewerkschaften bescheinigte er soziale Verantwortung, die Opposition erwähnte er praktisch nicht.

Carla Bruni , die Rolex und Ray-Ban

Der politische Rundumschlag Sarkozys war überfällig. Denn seine Popularität hat er in den vergangenen Monaten fast völlig verspielt. Sarkozy war am 6. Mai 2007 mit hohen Erwartungen der Bürger gewählt worden. Doch der Mann, der sich den Franzosen als zupackender Macher empfohlen hatte, erlebte einen beinahe grotesken Absturz.

Ein besonderes Dorn im Auge war den Franzosen dabei das Tamtam, das Sarkozy um sein Privatleben machte. Kritiker werfen Sarkozy vor, seit seiner Hochzeit mit der Sängerin Carla Bruni ein Promi-Leben zu führen, das seinem Amt nicht angemessen sei. Sarkozy verprellte seine Anhänger zudem durch protziges Gebaren mit Rolex oder Ray-Ban. Infolge erhielt er einen vielsagenden Spitznamen: "Präsident bling-bling"…

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