Nicolas Sarkozy
Rendezvous eines scheuen Traumpaars

Angela Merkel empfängt Nicolas Sarkozy, will aber dabei nicht so gerne gesehen werden. Die Gründe sind vielfältig. Einer ist sicher, dass die Kanzlerin eine Abneigung gegen große Inszenierungen hat. Nicolas Sarkozy inszeniert nicht nur den breiten Wahlkampf, sondern breitet auch sein Privatleben in der Öffentlichkeit aus.

HB PARIS/BERLIN. Gerade mal sieben Monate ist es her, da gönnte Nicolas Sarkozy Angela Merkel den großen Bahnhof. Frankreichs Superminister empfing im Juli 2005 die Kanzlerkandidatin in der Zentrale seiner UMP-Partei, ließ die Fahnen aufstellen und alle Reporter einladen, deren er trotz der Sommerferien habhaft werden konnte. „Die gesamte UMP wünscht dir viel Glück bei den kommenden Wahlen!“ gab Sarkozy seinem Gast freundschaftlich mit auf den Heimweg.

Gestern kam Sarkozy in Berlin vorbei, und Angela Merkel hätte sich revanchieren können. Aber sie verzichtete darauf. Pressekonferenz ? Fehlanzeige. Und ein Fototermin wurde erst morgens angesetzt – vor allem auf Sarkozys Wunsch hin. Bei seiner letzten Visite in Berlin hatte Sarkozy die französischen Medien noch höchstselbst über seine Aktivitäten informiert – etwa eine telegene Joggingrunde im Tiergarten.

Vergangenen Sommer noch galten Merkel und Sarkozy als Hoffnungsträger Europas. Das Szenario: Eine Kanzlerin Merkel mit breiter Mehrheit im Bundestag und ein reformfreudiger Sarkozy als neuer französischer Staatspräsident führen 2007 Europa aus der Verfassungskrise. Doch zu schnell haben sich die beiden Chefs der führenden bürgerlichen Volksparteien in ihren Ländern auseinander gelebt. „Das Paar zeigt bereits deutliche Risse“, sagt Jean-Dominique Giuliani, Präsident der Robert-Schuman-Stiftung in Paris.

Gründe dafür gibt es viele, und sie sind auf beiden Seiten zu finden. Angela Merkel ist zwar Bundeskanzlerin, aber durch die große Koalition eingeengt. Sarkozy, der 2005 noch als haushoher Favorit auf die Nachfolge von Staatschef Jacques Chirac galt, ist mit Premierminister Dominique de Villepin ein echter Rivale im eigenen Lager erwachsen.

Hinzu kommt: Merkel ist Kanzlerin, Sarkozy hingegen inszeniert den permanenten Wahlkampf. Der Innenminister poliert fleißig sein präsidiales Image. Für ihn ist der Besuch bei der Bundeskanzlerin nur ein weiteres Puzzlestückchen, um vor den Wahlen im Mai 2007 außenpolitisch Kompetenz zu beweisen. Trips nach Afrika und nach Kalifornien hat Sarkozy bereits geplant. Ein Foto mit dem muskulösen „Gouvernator“ Arnold Schwarzenegger fehlt dem eher schmächtigen Minister noch in seinem Fotoalbum. Beispiel Neujahrsansprache: In dunkles Tuch gehüllt und von der französischen und EU-Fahnen eingerahmt, packt der UMP-Parteichef nicht nur Reformvorschläge für Frankreich, sondern gleich auch für Europa auf den Tisch – und die gefielen Angela Merkel gar nicht.

Die EU-Verfassung, die beim Referendum in Frankreich durchfiel, will Sarkozy kurzerhand ausschlachten: „Wir müssen einen neuen, kürzeren Text entwerfen, der auf Teil eins der Verfassung beruht und als einziges Ziel hat, die Funktionsweise der EU zu organisieren.“ So sollen die institutionellen Reformen der EU wie die Einführung der EU-Präsidentschaft umgesetzt werden – ohne neuerliche Volksabstimmung, versteht sich.

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