Nicolas Sarkozy
Sieg des Marathon-Manns

Der Wahlsieger rollt zuweilen im Schritttempo in seinem schwarzen Renault Velsatis durch die Straßen von Paris. Ein Pulk von Motorrädern mit Kameraleuten auf dem Sozius umschwirrt den Fahrzeug-Konvoi. Auch der Joker von Jacques Chirac konnte gegen Sarkozy nichts ausrichten.

PARIS. Aus dem offenen Fenster winkt Frankreichs neuer Staatspräsident Nicolas Sarkozy etwas müde den Menschen zu. Ein Bild, das an seinen Vorgänger Jacques Chirac erinnert nach dessen Wahlsieg im Jahr 1995.

Unter einem leicht bedeckten Abendhimmel haben sich Tausende Sarkozy-Anhänger in Volksfest-Stimmung am Place de la Concorde versammelt, dem Ort, wo Frankreichs politische Rechte ihre Siege zu feiern pflegt. Schon Stunden vor dem Bekanntwerden des Ergebnisses waren die Sarko-Fans aus den Metro-Ausgängen zum Place de la Concorde geströmt, viele haben ihre Kinder dabei. Schon am Nachmittag ist dort eine Großbühne mit einer riesigen Trikolore als Hintergrund aufgebaut. „Das Ganze erinnert ein wenig an die Feiern zum Nationalfeiertag am 14. Juli“, meint ein Fernsehreporter. Für den späten Abend hat sich noch Frankreichs Alt-Rocker Johnny Hallyday angekündigt, einer der bekanntesten Sarko-Fans aus dem Showgeschäft, der aus steuerlichen Gründen aber mittlerweile in der Schweiz lebt.

Solche Details störten aber gestern niemanden mehr: Schon gar nicht vor dem Salle Gaveau, dem Pressezentrum des UMP-Kandidaten im achten Arrondissement. Als dort um Punkt 20 Uhr Sarkozys Gesicht auf den Schirmen flimmert, kennt die Freude keine Grenzen mehr: „On a gagné“ (Wir haben gewonnen) rufen die Anhänger immer wieder im Sprechchor und stimmen die Nationalhymne „Marseillaise“ an.

In der Rue Solferino, vor dem Sitz der Parti Socialiste, tummeln sich zwar ebenfalls Hunderte von Anhängern, die Ségo-T-Shirts am Körper und Fotos ihrer Spitzenkandidatin vor sich hertragen. Doch die Stimmung ist eher von Resignation geprägt. Seit 19 Uhr hat Royals Lebensgefährte, Parteichef François Hollande, den PS-Vorstand um sich versammelt, um die Lage zu beraten. So ungewöhnlich Royals schneller Aufstieg in der PS war, so ungewöhnlich ihre Reaktion auf die deutliche Niederlage: Bereits kurz nach 20 Uhr tritt sie vor ihre Anhänger und kündigt mit einem breiten Lächeln an, dass sie weiter für die Sozialisten Politik machen will.

Mit Nicolas Sarkozy hat der Marathonläufer gegen die Sprinterin Royal obsiegt. Die Sozialistin hat erst sehr spät ihre Ambitionen auf Frankreichs höchstes Staatsamt offenbart. In einem Magazin-Interview im Herbst 2005 ließ sie das erste Mal durchblicken, dass sie sich eine Kandidatur vorstellen könne.

Frankreichs neuer starker Mann an der Staatsspitze dagegen hat beharrlich und unaufhaltsam auf diesen Sieg am 6. Mai hingearbeitet. Unvergessen sein Auftritt im Jahr Herbst 2002 in einer TV-Debatte, als er als recht frisch gebackener Innenminister gefragt wird, ob er manchmal beim Rasieren daran denke, eines Tages Staatspräsident zu werden. „Nicht nur, wenn ich mich rasiere“, antwortete damals Sarkozy wie aus der Pistole geschossen.

Nach und nach hatte er alle seine innerparteilichen Gegner aus dem Weg geräumt. Frankreichs künftiger Ex-Präsident Jacques Chirac hatte sich mit dem EU-Referendum selbst sein politisches Grab geschaufelt. Nach dem Debakel mit dem EU-Referendum schickte er als Joker den ihm getreuen Dominique de Villepin als Premierminister ins Rennen, um Sarkozy als Kandidaten zu verhindern. Doch Villepin stolperte über seinen eigenen Ehrgeiz und trieb mit einer eilig durchgepeitschten Arbeitsmarktreform Millionen vor allem junger Franzosen auf die Straße. Heute hat Villepin eine Outplacement-Agentur damit beauftragt, für seine engsten Mitarbeiter neue Jobs zu suchen.

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