Niederlande
„Die Bürger zappen durch die Stimmungsdemokratie“

Die Niederlande brauchen einen Monarchen als Symbol der Beständigkeit, denn dem Land ist die Identität abhanden gekommen. Das zeigt sich auch in der Parteienlandschaft. Ein Trend, der sich auch in Deutschland abzeichnet.
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DüsseldorfDer Schriftsteller und Journalist Heinrich Heine soll einmal gesagt habe: „Wenn die Welt untergeht, dann gehe ich in die Niederlande, dort geschieht alles 50 Jahre später.“ Auch wenn Heine das Zitat vielleicht nur in den Mund gelegt worden ist: Es zeigt, was die Welt über das kleine Land im Westen Europas dachte: Die Niederlande sind beständig; gleichzeitig weltoffen und tolerant. Dort ist die Welt noch in Ordnung.
„Die Niederländer sagten von sich selber: Schaut nach uns, hier seht ihr, wie man es richtig macht“, sagt Friso Wielenga, Direktor des Zentrums für Niederlande-Studien der Uni Münster. Doch das gilt so nicht mehr. Das Land ist vom Kurs abgekommen.

Instabil und unruhig sei das Land mit den rund 16,8 Millionen Einwohner geworden, sagt der Expert. Der Grund: Die Suche nach der eigenen Identität. Denn auch die Niederländer glaubten von sich selbst, sie seien tolerant und multikulturell.

Doch dann habe sich gezeigt: Die Toleranz sei allerhöchstens Ignoranz, nach dem Motto: Wenn du mich in Ruhe lässt, lasse ich dich in Ruhe, sagt Wielenga. Dadurch seien in Holland Parallelgesellschaften entstanden. Und eine selbstverständliche Identität verloren gegangen – die vom toleranten, weltoffenen Volk.

Vielleicht hat das auch etwas mit der Bedeutung der Niederlande zu tun. „In der EG“, so Wielenga, „waren die Niederlande eins von sechs Ländern. Und nicht das unwichtigste.“ Doch nun sei es eben nur noch ein Land von 27 und der Einfluss sei nur gering.

Die politische Folge der Europa- und fehlgeschlagenen Migrantenpolitik: Der niederländische Blick richte sich mehr nach innen, fort von Europa und einer offenen Politik. Das würden auch die Entwicklungen der extremen Parteien zeigen. Und das Auseinanderfallen des mittleren Spektrums in der Parteienlandschaft. „Die Bürger zappen durch die Stimmungsdemokratie“, sagt Wielenga.

Was sich in den Niederlanden schon seit rund zehn Jahren abzeichne, könnte man auch in Deutschland beobachten, so Wielenga. Beispielsweise bei der Neugründung der AfD oder den schlechten Ergebnissen der FDP. Auch dort gehe es rauf und runter.

Gerade in einer solchen Zeit, so der Niederlande-Experte, habe das Königshaus eine große Bedeutung. „Das Volk erwartet, dass der neue König den Laden zusammenhält.“ Er sei ein Symbol genau der Einheit, die die Holländer so schmerzlich vermissen würden. Vielleicht sei auch das der Grund, weshalb die Niederländer Willem-Alexander einen so großen Vertrauensvorschuss entgegenbringen würden. Weil sie etwas bauchen, an dem sie festhalten können.

Kommentare zu " Niederlande: „Die Bürger zappen durch die Stimmungsdemokratie“"

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  • Friso Wielenga
    ist als ausgesprochener Multikulturalist bekannt.

    Das ganze Zentrums für Niederlande-Studien der Uni Münster, könnte man in vielelei Hinsicht, dass Anti-Niederlande- Studienzentrum nennen, das sich dort einige Forschende zum Ziel gesetzt haben, das niederländische Volk, die niederländische Kultur und alle die sich für ihren Erhalt einsetzen zu verhöhnen.

    Einer der Feindbild des Zentrums bildet dann auch "Gert Wilders und seine antiislamische, europäisch-idenitäre , liberale PVV.

  • Au Backe, dann haben es aber die Bremer, Berliner, Saarländer u.s.w. schwer, wenn die Bayern nicht mehr zahlen und stattdessen ihre Monarchie reanimieren und ihre königliche Familie neu austaffieren.
    Würde sich aber lohnen, denn Touristen in unbekannten Mengen würden Bayern stürmen.
    Nicht auszudenken wenn beim FC Bayern ein König auf der Tribüne sitzt.
    Hoeness kann abdanken, es lebe der König!

  • Ein erneuter Beweis dafür, daß die EU abgeschafft gehört: Er raubt den sehr unterschiedlichen und individuellen Völkern Europas die Identität. Man stelle sich nur vor: Der EU-Parlamentarier-Präsi Martin Schulz wäre König von Europa - die Niederländer würden sofort austreten wollen. Und das mit Recht. Die Deutschen zwar vermutlich auch, aber wir werden ja nicht gefragt. Selbst hier auf dem Handelsblatt gibt es die EU-Trolle, die uns immer noch weismachen wollen, EU/Euro seien die genialsten Errungenschaften seit der Erfindung des Rades.

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