Niederländische Parlamentswahl: Wilders wirkt größer, als er ist

Wahl in den Niederlanden 2017

Niederländische Parlamentswahl
Das Zünglein an der Urne

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Wilders wirkt größer, als er ist

Dabei meidet Wilders Interviews und meist auch TV-Debatten und, obwohl seine Anhänger solche Momente gern per Selfie festhalten, zeigt er sich nur selten in der Öffentlichkeit. Das ist nicht nur Masche: Der 53-Jährige, der seine politische Laufbahn im Gemeinderat von Utrecht begann und seit 1998 dem Parlament angehört, steht seit zwölf Jahren unter Polizeischutz. Wilders, der mit einer Ungarin verheiratet ist, wird von Islamisten mit dem Tod bedroht.

Zugleich treibt seine PVV die anderen Parteien vor sich her, das zeigt diese Aktion von Premier Rutte: Der richtete kürzlich in mehreren Zeitungen einen offenen Brief „an alle Niederländer“: „Verhalte Dich normal oder geh weg.“ Es gebe ein wachsendes Unwohlsein, wenn Menschen wegen der Freiheit in die Niederlande kämen, diese aber dann missbrauchten. Der scharf formulierte Appell offenbarte, wie sehr sich auch die VVD an der Stimmung orientiert. Sie hat jedoch - wie alle anderen großen Parteien auch - eine Koalition mit der PVV ausgeschlossen.

„Eigentlich passiert in den Niederlanden das, was auch in anderen europäischen Ländern passiert: Es gibt eine Wählergruppe von vielleicht 20 Prozent, für die Einwanderung und Sorgen um die eigene Identität ein wichtiges Thema sind“, sagt der Politikwissenschaftler Koen Vossen, der ein Buch über Wilders geschrieben hat.

Was allerdings schon anders als in Deutschland bei der AfD sei: Wilders vertrete seine Themen in aller Deutlichkeit durch seine Person und dadurch, dass er immer wieder provoziere. „Dabei bekommt der extrem große Beachtung durch die Medien – was angesichts seiner Bedeutung eigentlich übertrieben ist“, findet Vossen. Und weil es in den Niederlanden keine großen Parteien mehr gebe, wirke Wilders größer, als er sei.

Eine Folgen haben der Aufschwung der PVV und das zersplitterte Parteiensystem auf jeden Fall: Die Regierungsbildung wird nicht ganz einfach. Vier, womöglich fünf Parteien müssen sich zusammenfinden. Zwar gab es in den Niederlanden schon in den vergangenen Jahren Koalitionen aus mehreren Parteien, doch meist unter Führung einer wirklich starken Kraft. Die wird es 2017 fehlen.

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  • Na Herr Rutte, Sie verbergen und verschweigen doch das Thema MH 17. Wer sind die Schuldigen?

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