Niedrieger Ölpreis belastet
Russlands Wirtschaft geht in die Knie

Der rapide Verfall des Rubels schränkt die Handlungsfähigkeit der russischen Führung zunehmend ein. Bleibt der Ölpreis niedrig, könnte sich das Haushaltsdefizit 2009 verdoppeln, schätzen regierungsnahe Kreise.

MOSKAU. Koste ein Barrel Rohöl in diesem Jahr im Schnitt 32 Dollar, sei ein Defizit von mehr als 94 Mrd. Euro möglich, schreibt die Agentur Interfax. Das entspreche zehn Prozent der Wirtschaftsleistung. 2008 verzeichnete Russland noch einen Budgetüberschuss von 74 Mrd. Euro.

Der Verfall des Ölpreises setzt auch den Rubel weiter stark unter Druck: Bereits zum fünften Mal in diesem Jahr wertete die Zentralbank die Landeswährung ab – auf ein Zehnjahrestief von 32,23 zum Dollar. Bisher hat die Zentralbank schon rund 160 Mrd. Dollar eingesetzt, um die Währung zu stützen. Die schnellen Abwertungsschritte seien ein Eingeständnis der Währungshüter, dass sie nichts gegen den Trend ausrichten können, erklärten Analysten. Investoren haben seit dem Sommer rund 200 Mrd. Dollar aus Russland abgezogen. „Die Zentralbank kann nicht mehr Unsummen in den Markt pumpen“, sagt ein westlicher Bankmanager. Russland sieht er derzeit bereits in der Rezession.

Der schwache Rubel trübt auch den Konsum – in den vergangenen Jahren ein zunehmend wichtiger Wachstumsmotor. Den Effekt spüren bereits die ausländischen Autohersteller, für die Russland zuletzt einer der Wachstumsmärkte schlechthin war. Zwar wuchs der Absatz der führenden Marken nach Angaben der Association of European Business in Russland 2008 um 26 Prozent zum Vorjahr. Ein Jahr zuvor waren es aber noch 61 Prozent. Martin Jahn, Chef von Volkswagen in Russland, erwartet für 2009 ein Minus von 19 Prozent für die Branche – andere Experten sind noch viel pessimistischer.

Zwar hat die Regierung 2008 ein Rettungspaket von rund 200 Mrd. Dollar geschnürt, das die Auswirkungen der Krise auf Banken und Unternehmen lindern soll. Die Unternehmen klagten aber weiter über „künstlich hohe“ Zinsen, so Jahn.

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