Niedrige Preise
Milchbauern protestieren vor Europaparlament

Mit Hupfen, Pfeifen und Traktoren haben europäische Milchbauern bei einer Protestaktion in Brüssel auf ihre Lage hingewiesen: Der Milchpreis könne auf Dauer die Kosten nicht decken. Vor dem Europaparlament entlud sich der Zorn in Handgreiflichkeiten.
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BrüsselEuropäische Milchbauern haben am Montag in Brüssel gegen die ihrer Ansicht nach zu niedrigen Milchpreise protestiert. Es kam zu kleineren Tumulten. Insgesamt 2500 Teilnehmer mit 1000 Traktoren zogen nach Angaben der Veranstalter vom „European Milk Board“ (EMB) hupend durch die Europahauptstadt. Bei einer Protestaktion vor dem EU-Parlament gerieten einige Teilnehmer mit der Polizei aneinander, die Beamten setzten Gummiknüppel und Tränengas ein. Strohballen brannten.

Um den „Brand auf dem Milchmarkt“ zu löschen, versprühten die Teilnehmer 15 000 Liter Milch Richtung Europaparlament. „Milch ist billiger als Wasser“, kommentierte EMB-Präsident Romuald Schaber. Der durchschnittliche Literpreis in Europa liege bei derzeit 30 Cent. Um die Kosten zu decken seien jedoch 40 Cent nötig.

Vor dem Parlament brach die Polizei den Ansturm der empörten Landwirte mit Stacheldraht-Barrikaden. Es kam zu Handgreiflichkeiten: Demonstranten warfen Eier und Feuerwerkskörper, einige versuchten, die Absperrung zu durchbrechen. Die Beamten hielten sie mit Pfefferspray und Gummiknüppeln zurück. Später setzten sie auch Tränengas ein.

Die Teilnehmer waren zum Teil über Tage angereist. 24 Stunden reine Fahrzeit habe ihn die Reise mit dem Schlepper gekostet, sagte Hans Foldenauer aus Irseee im Allgäu. Auch er hält die aktuellen Preise für untragbar. „Man kann gerade so über die Runden kommen, aber keine Rücklagen bilden“, sagte er.

Die Hälfte der Treckerfahrer kam aus Deutschland. Bei ihrem Treffen am Mittwoch und Donnerstag wollen Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) und ihre europäischen Amtskollegen über die Lage auf dem Milchmarkt beraten.

 
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Grund dessen ist das Preisdumping der Handleskonzerne, welche die Produzenten der Reihe nach kaputt machen. Leider ist v.a. das Bundeskartellamt blind. Aldi & Co. verdienen Milliarden, während die armen Bauern ums überleben kämpfen. Der perfekte Markt, bravo!

  • Die Bauern sollten noch mehr Milch produzieren, damit die Milch noch billiger wird.
    Es ist wie mit dem Öl, je mehr desto billiger wird es und je weniger desto teurer ist es.
    Das Problem wird nur in Deutschland so sein, weil die Bauern immer größere Ställe bauen um mehr Milch zu Produzieren.
    Die ganze Agrarpolitik geht in die falsche Richtung.

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