Niemand verletzt
Ricin in Gebäude des US-Senats entdeckt

Es wurde zwar niemand verletzt, dennoch ist die Aufregung in Washington groß: Im Gebäude des US-Senats in Washington ist das tödliche Gift Ricin gefunden worden. Die Polizei schickte rund 16 Menschen, die sich in der Nähe des Fundorts aufhielten, zur Entgiftung.

HB WASHINGTON. Es sei aber niemand zu Schaden gekommen, teilte sie in der Nacht zum Dienstag mit. An den Finanzmärkten weckte der Giftfund neue Befürchtungen über Anschläge und setzte den Dollar unter Druck. Am deutschen Aktienmarkt wirkte sich der Giftfund nach Händlerangaben kaum aus. Das Gift sei als weißes Pulver in einem Postraum des Gebäudes entdeckt worden, sagte Terrence Gainer, der Chef der für das Parlament zuständigen Polizei. Die drei Büro-Gebäude des Senats blieben geschlossen, der Senat selbst sollte wie geplant am Dienstagmorgen zu seiner Sitzung zusammenkommen.

Mehrere Tests hatten nach Gainers Worte bestätigt, „dass es sich um Ricin handelt“. Gegen Ricin - ein äußerst giftiges Protein aus dem Samen der Rizinuspflanze - gibt es kein Gegenmittel. Ist ein Mensch einer beträchtlichen Menge ausgesetzt, tritt der Tod Experten zufolge innerhalb von 36 bis 72 Stunden ein.

„Niemand ist verletzt worden, und allen geht es gut“, sagte Bill Frist, Mehrheitsführer im Senat und Arzt, auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Gainer. „Es gibt keinen Grund für einen Alarm.“ Das gefundene Pulver hätte theoretisch eingeatmet werden können, sagte Frist. Es gebe aber keinerlei Hinweis darauf, dass dies jemand getan habe, der sich in dem Büro oder dem Flur, wo das Ricin gefunden wurde, aufgehalten hatte.

Die Polizei machte keine Angaben zur Menge des gefundenen Pulvers und in welcher Konzentration es Ricin enthielt. Es war zunächst auch unklar, wie das Pulver in den Raum gelangt war. Möglicherweise habe ein Päckchen oder ein Brief das Pulver enthalten, sagte Gainer. Die drei Büro-Gebäude des Senats sollten so lange geschlossen bleiben, bis alle Postsendungen überprüft sind. Das Kapitol, der Sitz des Kongresses, bleibe geöffnet, allerdings würden alle öffentlichen Führungen abgesagt, sagte ein Sprecher von Frist.

2001 war unter anderem der Kongress Ziel mehrerer Briefe, die Milzbrand-Spuren enthielten. An den auch als biologische Waffe einsetzbaren Krankheitserregern starben mindestens fünf Menschen, darunter zwei Postmitarbeiter.

Im Oktober des vergangenen Jahres war ein Fläschchen mit Ricin an ein Postverteilzentrum in Greenville im US-Bundestaat South Carolina geschickt worden. In einem beiliegenden Brief wurde die Verbreitung des Giftes angedroht, wenn nicht bestimmte neue Vorschriften für Fernfahrer geändert würden. Die US-Behörden setzten im Januar eine Belohnung von 100 000 Dollar zur Ergreifung des Täters aus.

Der Euro stieg nach dem Giftfund um rund einen US-Cent auf 1,2545 Dollar. „Auslöser der jüngsten Dollarschwäche waren Berichte, wonach in einem Gebäude des US-Senats Pulver gefunden worden ist, welches später als das Gift Ricin identifiziert wurde“, sagte Carsten Fritsch von der Commerzbank in Frankfurt. Der Anstieg des Euro und die Sorge vor neuen Anschlägen haben am Dienstagmorgen auch die europäischen Staatsanleihen gestützt. Der Bund-Future kletterte um 18 Ticks auf 114,14 Punkte.

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