Nieto sagt Treffen mit Trump ab: Die eine Demütigung zu viel

Nieto sagt Treffen mit Trump ab
Die eine Demütigung zu viel

US-Präsident Trump plant eine 3200 Kilometer lange Grenzmauer – und will die Mexikaner dafür bezahlen lassen. Ihr Präsident Enrique Pena Nieto sagt nun seinen USA-Besuch ab. Es droht ein schwerer diplomatischer Konflikt.
  • 31

Mexiko-StadtDie Beziehungen zwischen den USA und Mexiko sind schon eine Woche nach dem Amtsantritt von Donald Trump auf einem Tiefpunkt angelangt. Offener Konflikt ersetzt Kooperation. Präsident Enrique Peña Nieto sagte am Donnerstagvormittag sein für Dienstag geplantes Treffen mit dem neuen US-Präsidenten in Washington ab. Dieses Mal wählte der Staatschef nicht die Ansprache an die Bevölkerung per Fernsehen, es reichte eine kurze Mitteilung über den Kurznachrichtendienst Twitter. „Heute Morgen haben wir das Weiße Haus davon informiert, dass ich nicht zu dem Arbeitsbesuch am kommenden Dienstag reisen werde“. Die Entscheidung, die eine tiefe diplomatische Krise zwischen den beiden Staaten einläutet, ist eine Zäsur im Verhältnis der Nachbarn.

Die Entscheidung hatte sich abgezeichnet, nachdem Trump am Mittwoch nicht nur das Dekret zum Mauerbau unterzeichnet, sondern auch vollmundig erklärt hatte, Mexiko werde für die Mauer bezahlen. Daraufhin war der Druck in der Heimat auf den mexikanischen Präsidenten stark gestiegen, das Treffen abzusagen. Zumal der Affront aus mexikanischer Sicht besonders groß war, denn während Trump das Dekret firmierte, befanden sich gerade die Minister für Äußeres und Wirtschaft, Luis Videgaray und Ildefonso Guajarado, zu Gesprächen mit Trumps Beratern quasi im Büro nebenan. Das war die eine Demütigung zu viel.

Die Entscheidung stellt nun alle Abkommen in Frage, die Mexiko in den Bereichen Handel, Grenzsicherheit, Migration und Drogenbekämpfung geschlossen haben. Insbesondere die Zukunft der 23 Jahre alten Nordamerikanischen Freihandelszone NAFTA ist düster. Genau über dieses Handelsabkommen, das die Basis für Mexikos Wirtschaft ist, wollten Trump und Peña Nieto am 31. Januar eigentlich sprechen.

„Eine würdevolle Haltung Mexikos kann eigentlich nur bedeuten, den Besuch abzusagen“, hatte zuvor schon der einflussreiche Linkspolitiker und Ex-Senator Cuauhtémoc Cárdenas gesagt. Die Ehefrau des früheren Präsidenten Felipe Calderón und mögliche Präsidentschaftskandidatin für die Rechtspartei PAN, Margarita Zavala, schrieb über den Kurznachrichtendienst Twitter: „Die Ankündigung der Mauer vor dem Besuch von Peña Nieto ist eine Beleidigung für Mexiko. Man sollte den Besuch überdenken.“ Mit dem Dekret zum Mauerbau habe Trump eine rote Linie überschritten, war der allgemeine Tenor.

In einer Fernsehansprache an seine Bevölkerung nach Trumps Anordnung hatte Nieto seinen geplanten Besuch in Washington noch nicht erwähnt. Allerdings bedauerte er die Entscheidung des US-Staatschefs, die Grenzanlagen wirklich bauen zu wollen. „Mexiko glaubt nicht an Mauern“, betonte Peña Nieto und ergänzte: „Ich habe bereits mehrfach gesagt, dass wir für keine Mauer aufkommen werden.“

Nach diesen Äußerungen schien auch Donald Trump kein gesteigertes Interesse mehr an dem Treffen gehabt zu haben. Trump hatte zuvor immer wieder betont, dass das Nachbarland für den Grenzwall bezahlen werde, auch wenn die USA das bis zu zwölf Milliarden Dollar teure Bauwerk zunächst aus der Staatskasse finanzieren müssten.

Wenn Mexiko aber nicht bereit sei, die dringend benötigte Mauer zwischen beiden Staaten zu finanzieren, dann sollte er auf das Treffen verzichten, schrieb Trump über den Kurznachrichtendienst Twitter. Trump erklärte weiter, die USA hätten ein 60-Milliarden-Dollar-Defizit im Handel mit Mexiko. Das Freihandelsabkommen Nafta – in dem Mexiko, Kanada und die USA eingebunden sind – sei von Anfang an einseitig gewesen. Die USA hätten in großer Zahl Firmen und Jobs verloren.

Kommentare zu " Nieto sagt Treffen mit Trump ab: Die eine Demütigung zu viel"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Sergio Puntila27.01.2017, 09:30 Uhr
    Der Chefdemokratenfresser als Oberkommentator des HB sondert in gewohnt langweiliger Manier, klingt schon fast andressiert, was Sie hier tagtäglich vor sich hingeifern, werter MH"

    Ich geifere nicht, ich kommentiere. Ich gebe mir den ganzen Tag große Mühe, jeden, aber auch wirklich jeden Artikel zu kommentieren,
    um die Leute von der grün-sozialistischen Murkselregierung zu warnen.

    Ja, ich bin ein Fan von Trump und Putin, das sind wenigstens noch zwei echte Kerle mit eigener Meinung, nicht wie unser sprechender Hosenanzug!

    Ja, ich bin ein Anhänger der AFD, denn nur diese Partei kann unser Reich noch retten!

    Nein, ich bin nicht arbeitslos und habe deshalb soviel Zeit Kommentare zu schreiben, ich bin arbeitssuchend!
    Danke

  • @Herr Martin Zuehlke27.01.2017, 10:24 Uhr
    ......Oder sie programmieren mal so einen Button " Beitrage von Hofmann M., Spiegel, Ina Ingwer pauschal löschen.

    Dem kann ich mich vorbehaltlos anschließen.

  • Es ist ja durchaus ehrenhaft vom HB die Kommentarfunktion beizubehalten. Allerdings erschließt sich mir der Sinn nicht mehr. Hier wird ja nicht diskutiert. Das Forum dient als Müllhalde für den geistigen Dünnschiss einer handvoll Verschwörungstheoretiker, Spinner und Trolle. Von daher kann man es auch bleiben lassen. Oder sie programmieren mal so einen Button " Beitrage von Hofmann M., Spiegel, Ina Ingwer pauschal löschen". Dann ist zwar das Forum leer, aber die Qualität würde schlagartig steigen und sich wenigstens dem Niveau ihrer Printausgabe annähern. Aber so ist es nur noch ein Trauerspiel...

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%