Nigeria
Boko Haram auf dem Vormarsch

Die Terrorgruppe Boko Haram hat in Nigeria jetzt die Stadt Chibok besetzt, aus der sie im April die Schulmädchen entführt hatten. Tausende Bewohner flohen in Todesangst. Die Regierung scheint machtlos zu sein.
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Maiduguri Vor einem guten halben Jahr hat die Terrorgruppe Boko Haram knapp 300 Mädchen aus Chibok entführt - jetzt hat sie die Stadt im Nordosten Nigerias ganz erobert. Lokalpolitiker Bana Lawan sagte der Nachrichtenagentur AP am Freitag, die Extremisten seien am Vortag auf Pritschenwagen in die Stadt gefahren und hätten um sich geschossen.

Tausende Bewohner versuchten in Todesangst, sich in Sicherheit zu bringen. „Niemand kann einem sagen, wie es dort heute ist, weil jeder nur versucht, lebendig rauszukommen“, fügte er hinzu.

Die gut 60 000 Einwohner zählende Stadt Chibok ist eine überwiegend christliche Enklave in der weitgehend muslimischen Region. Die Stadt erlangte mit der Entführung der Mädchen durch Boko Haram im April traurige Berühmtheit.

In den ersten Tagen nach dem Überfall auf ihre Schule entkamen mehrere Dutzend Schülerinnen ihren Entführern. 219 werden aber bis heute vermisst. Boko Haram erklärt, sie seien zum Islam übergetreten und mit Kämpfern verheiratet worden.

Von den damals entkommenen Schülerinnen sei zum Zeitpunkt des jetzigen Überfalls keine in Chibok gewesen, sagte Lokalpolitiker Hussain Monguno. Die Mädchen hätten Stipendien bekommen und gingen nun in Nordnigeria zur Schule.

Das US-Außenministerium verurteilte die Angriffe in Chibok. Die USA unterstützten die Regierung Nigerias im Kampf gegen Extremisten, sagte Außenamtssprecherin Jen Psaki.

In der nordnigerianischen Stadt Kano ging am Freitag eine Bombe hoch und tötete nach Polizeiangaben sechs Menschen. Anwohner berichtete, der Sprengsatz sei gegenüber einer Tankstelle explodiert. Die Druckwelle habe zahlreiche Gebäude ins Wanken gebracht. Polizei, Soldaten und Rettungskräfte riegelten die Gegend ab. Für den Anschlag übernahm zunächst niemand die Verantwortung. Unter den Toten waren auch drei Polizisten.

Boko Haram überzieht seit fünf Jahren den Nordosten Nigerias mit blutiger Gewalt. Tausende wurden getötet, Hunderttausende flohen vor dem Terror. Mitte Oktober verkündete das Militär zwar eine sofortige Feuerpause, doch gingen Attacken und Entführungen durch die Extremisten unvermindert weiter. Boko Haram besetzte weitere Städte und Dörfer in den Staaten Borno und Adamawa und rief nach dem Vorbild des sogenannten Islamischen Staats ein Kalifat aus.

Auf einem Gebiet von 20 000 Quadratkilometern setzen die Islamisten nach Angaben von Bewohnern eine strikte Auslegung islamischen Rechts durch. Angeblichen Plünderern werde die Hand abgeschlagen, für das Rauchen von Zigaretten würden Menschen mit Peitschenhieben bestraft. Boko Haram verdammt vor allem westliche Bildung. Immer wieder richtet sich ihr Terror gegen Schulen und Kirchen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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