Nigeria
Plünderer lassen Öl-Pipeline explodieren

Bei der Explosion einer Pipeline in der Nähe der nigerianischen Metropole Lagos sind nach Angaben der Polizei zwischen 150 und 200 Menschen getötet worden. Diebe hatten die Ölpipeline zuvor angezapft.

HB ABUJA/NAIROBI. „Es sind die Leichen zu sehen. Einige sind zu Asche verbrannt“, sagte der örtliche Polizeichef. Ein Sprecher des Roten Kreuzes sagte, Plünderer hätten die Pipeline angezapft, um Öl zu stehlen. Dabei sei die Leitung explodiert sowie 500 Kanister voll Öl in Flammen aufgegangen. „Wir haben keine Überlebenden oder Verletzten entdeckt. Wir suchen weiter.“

An den Ölmarkten hatte die Explosion keine Auswirkungen: Der Preis für ein Barrel der europäischen Sorte Brent fiel am heutigen Handelstag leicht auf 72,02 Dollar. Grund: In Nigeria ist es in den vergangenen Monaten häufig zu Angriffen auf Anlagen der Ölindustrie gekommen. Davon sind auch ausländische Konzerne wie Royal Dutch Shell und Agip betroffen. Dahinter stecken oft Gruppen von Aufständischen, die eine größere Beteiligung der Region an dem Ölreichtum fordern. Durch die Angriffe haben sich die Ölexporte des weltweit achtgrößten Förderlandes um ein Viertel reduziert.

Erst am Mittwoch wurden in der Ölförderstadt Port Harcourt drei ausländische Arbeiter einer italienischen Ölfirma entführt. Sie wurden wieder freigelassen. Die Entführer hatten eine Entschädigung für Schäden durch eine Ölpipeline gefordert, die die Firma durch das Dorf verlegt hatte.

Die heute zerstörte Pipeline gehört der staatlichen Ölfirma NNPC und verläuft direkt unter dem Strand von Inagbe in der Bucht von Lagos, der größten Stadt des Landes. Die Ölleitung war ausgegraben worden und an mehreren Stellen waren Bohrlöcher zu sehen. „Das ist die Folge von Hunger und Habgier“, sagte ein Regierungsvertreter. Wer ohne Arbeit und hungrig sei, nehme jede Gelegenheit wahr, um seine Familie zu ernähren. „Jeder, der so ein Risiko eingeht, ist verzweifelt.“

In der verfallenen Hafenstadt Lagos leben schätzungsweise 13 Millionen Menschen. Im Jahr 2000 starben im Süden Nigerias rund 1000 Menschen, als in der Stadt Jesse eine Pipeline in Brand geriet. Auch dieses Feuer war durch Plünderer ausgelöst worden.

Nigeria ist der größte Ölproduzent in Afrika und der achtgrößte Öl-Exporteur weltweit. In dem Land führen Tausende Kilometer Ölleitungen durch das Land.

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