Nippon als Investitionsstandort: Immer mehr Firmen holen ihre Produktion zurück ins Land
„Made in Japan“ ist wieder da

Zwischen den grünen Hügeln mit Bambuswald am Rande der Stadt Kameyama steht der Stolz der japanischen Präfektur Mie: Für umgerechnet mehr als 1,1 Mrd. Euro hat Elektronikhersteller Sharp hier, drei Stunden westlich von Tokio, das weltweit größte Werk für LCD-Fernseher gebaut und die erste Fertigungslinie vor wenigen Monaten eröffnet. Mit Subventionen von knapp 68 Mill. Euro hat die Präfektur die Mammutinvestition angezogen – und für landesweites Aufsehen gesorgt, denn so viel Geld hat zuvor noch niemand in Japan zur Investitionsförderung in die Hand genommen.

KAMEYAMA/TSU/TOKIO. Nippons Regionen sind eingestiegen in den weltweiten Kampf um Firmeninvestitionen. Und angesichts der besseren Wirtschaftslage entdeckt die japanische Industrie ihr eigenes Land als Investitionsstandort wieder. „Wir haben damals auch mit vielen anderen Ländern über die Investition gesprochen“, meint Sharp-Präsident Katsuhiko Machida. „Aber dann dachten wir, die Technologie, die Zulieferer – eigentlich haben wir das alles auf höchstem Niveau in Japan. Wenn wir mit all dieser Technik ins Ausland gehen, was bleibt dann noch?“

Machida ist nicht der einzige, der sich jüngst für eine Großinvestition in Japan entschieden hat. Matsushita und Toray bauen für mehr als 700 Mill. Euro das weltweit größte Werk für Plasmafernseher in der Hyogo-Präfektur. Toshiba errichtet zwei Halbleiterfabriken für 300-mm-Wafer auf der südlichen Insel Kyushu und in Mie, wohin es auch Fujitsu mit seiner neuen Fabrik zieht. „Die japanische Produktion kommt zurück nach Hause, fasst das Nomura Forschungsinstitut den Trend zusammen.

Trotz des Investitionsbooms in China sind die Direktinvestitionen Japans ins Ausland insgesamt in den vergangenen zwei Jahren gefallen. In Japan hingegen ziehen sie wieder an. Der Anteil der inländischen an den Gesamtinvestitionen der japanischen Firmen steigt.

Die Gründe für den Trend: Viele Unternehmen sind mittlerweile international aufgestellt und haben den Nachholbedarf der 90er Jahre gedeckt. Dank der Konjunkturerholung in Japan steigen nun die Umsätze im Inland in etwa auf gleichem Niveau wie im Ausland. Zudem liegt die Profitabilität nach den Firmensanierungen in den vergangenen Jahren mittlerweile bei den Industrie-Operationen in Japan höher als bei den ausländischen Niederlassungen. Durch den Trend zu höherwertigen Gütern der digitalen Unterhaltungselektronik lohne sich eine Produktion in Japan immer mehr trotz der hohen Lohnkosten, argumentiert Nomura. Nicht zuletzt haben japanische Firmen zunehmend Angst vor Ideenklau und halten die neuesten Technologien lieber im Land.

Gleichzeitig hat ein Umdenken bei vielen japanischen Präfekturen eingesetzt. Sie versuchen sich in der Ansiedlung auf bestimmte Branchen zu spezialisieren und werben aggressiver um Investitionen. „Wir konkurrieren nicht nur mit anderen Präfekturen im Inland, sondern auch international, etwa mit China“, meint der Gouverneur der Präfektur Mie, Akihiko Noro, in seinem Büro in der Präfekturhauptstadt Tsu.

Sharp, Fujitsu, Toshiba und andere – rund 500 Mrd. Yen oder 3,8 Mrd. Euro an Investitionen sind jüngst nach Mie geflossen. „Wir werden beneidet“, meint Noro. Allein das Sharp-Werk bringt 3 400 Arbeitsplätze, zieht reihenweise Zulieferer an. „Die Regionen werden für die Unternehmen interessanter", meint Ökonom Martin Schulz vom Fujitsu Research Institut. Auch einengende Bauregulierungen hätten abgenommen. Und über lokale Sonderwirtschaftszonen dürfen die Regionen weitere Deregulierungen ausprobieren. So wird regionales Engagement gefördert, das bislang im Keim erstickt worden war.

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