Nobelpreis für Obama
„Ich habe keine Lösung für das Problem Krieg dabei“

Sichtlich gerührt hat US-Präsident Barack Obama den Friedensnobelpreis im Osloer Rathaus entgegengenommen. In seiner Nobel-Rede versuchte er den Spagat zwischen einem Nobelpreisträger, der sich für den Frieden einsetzt, und einem Präsidenten, der gerade die Aufstockung der amerikanischen Truppen in Afghanistan beschlossen hat.
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STOCKHOLM. Unter einem massiven Sicherheitsaufgebot nahm US-Präsident Barrack Obama den Friedensnobelpreis an. Er hatte den Preis überraschend für seinen „außergewöhnlichen Einsatz zur Stärkung der internationalen Diplomatie und der Zusammenarbeit zwischen den Völkern“ erhalten, wie das norwegische Nobel-Komitee seine Wahl im Oktober begründete. Vor allem Obamas Vision einer atomwaffenfreien Welt hatte das Komitee gewürdigt.

Er nehme den Preis mit „tiefer Dankbarkeit und großer Demut“ an, sagte Obama. Die Auszeichnung spreche die höchsten Bestrebungen der Menschen an. „Ungeachtet aller Grausamkeiten und Mühsal in unserer Welt sind unsere Handlungen doch von Bedeutung, wir sind nicht nur Gefangene unseres Schicksals.“

Obama ging auf die zum Teil heftigen Diskussionen ein, die die Verleigung des Friedenspreises an ihn ausgelöst hatte. Ein wichtiger Streitpunkt sei, dass er als Oberkommandierender einer Nation im Krieg ausgezeichnet worden sei, sagte Obama in Anspielung auf die Kriege in Afghanistan und im Irak. Einer davon nähere sich dem Ende, der andere sei einer, den Amerika sich nicht ausgesucht habe. „Dennoch sind wir im Krieg, und ich bin verantwortlich für die Stationierung von Tausenden junger Amerikaner, in in einem fernen Land kämpfen,“ sagte Obama. „Einige werden töten. Andere werden getötet.“ Er sei sich der schwierigen Beziehung zwischen Krieg und Frieden bewusst.

Der US-Präsident erklärte: „Krieg, in der einen oder anderen Form, gibt es seit Beginn der Menschheit“. Anfangs sei die moralische Berechtigung der Kriege nicht infrage gestellt worden. Das Konzept des „gerechten Kriegs“ wurde in der Geschichte meist befolgt. Auch wenn es einen gerechten Grund für den Zweiten Weltkrieg gegeben habe, in dem das „Dritte Reich“ vernichtet worden sei, so seien dabei mehr Zivilisten ums Leben gekommen als Soldaten.

Der US-Präsident erklärte: „Ich habe heute keine endgültige Lösung für das Problem Krieg dabei“. Was er aber wisse sei, dass „diese Herausforderung nur mit der gleichen Vision, harten Arbeit und Hartnäckigkeit“ zu bewältigen sei, wie sie früher Friedenskämpfer an den Tag gelegt hätten. „Wir müssen der harten Wahrheit ins Gesicht sehen, dass ein Menschenleben nicht ausreicht, um gewaltsame Konflikte auszurotten“, sagte der Präsident.

Er sehe sich in der Tradition von Friedensaktivisten wie Martin Luther King. „Aber als Staatsoberhaupt, das geschworen hat, sein Land zu schützen und zu verteidigen, kann ich nicht mich allein an ihrem Vorbild orientieren“. Eine gewaltlose Bewegung hätte weder Adolf Hitler bezwungen, noch könne sie El-Kaida-Anführer zur Aufgabe bewegen. „Daher spielt das Instrument des Krieges eine Rolle dabei, um den Frieden zu erhalten.“ Die Anwendung von Gewalt sei manchmal gerechtfertigt.

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  • Etwas Lächerlicheres habe ich noch nie gehört. Einer der größten Krieger, der gleich mehrere Angriffskriege führt, bekommt den Friedensnobelpreis. Für mich ist das ab sofort der Kriegsnobelpreis.

  • @ bernhard

    "...den Friedensnobelpreis an den frueheren bundeskanzler Gerhard Schroeder "

    Heiliger Strohsack!!

    Schröder hat heuchlerisch und populistisch den irakkrieg verteufelt, aber gleichzeitig die bW für G.W. bush nach Afghanistan geschickt. Er ist somit für viele tote deutsche Soldaten verantwortlich.

    Ausserdem ist er, u.a. wegen der Hartz4-Gesetze, für den Niedergang der SPD und das parallele Erstarken der demokratie- und verfassungsfeindlichen Linkspartei verantwortlich.

    Und drittens hat er unsere nationalen interessen geschadet und uns in die Gasabhängikeit von Russland zu verkaufen versucht. Wofür er jetzt Millionen kassiert.

    Dieser Mann hat D geschadet wie kein Zweiter.

  • Es mag nicht die beste Wahl gewesen zu sein, Obama diesen Preis zu verleihen. Doch wem sonst?
    Weit und breit ist zumindest keine öffentliche Person in Sicht, die geeignet erscheinen würde.
    Schröder? Das wäre absurd. Ein Mann der nach der damaligen informationslage noch von der realen bedrohung des iraks ausgehen musste? Dann könnte man auch gleich ausnahemslos jeden Fahnenflüchtigen zum Friedensaktivisten küren.
    Was Obama in seiner Rede sagte trifft ziemlich gut den Kern der Sache. Ein Umstand der von den schärfsten Kritikern dieser Preisvergabe ebenso notorisch ignoriert wird, wie sie die Preisverleihung kritisieren.

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