Nobelpreisträger Stiglitz
Der Euro spaltet die Europäer

Den Friedensnobelpreis habe die Europäische Union zu Recht bekommen, sagt Joseph Stiglitz. Weniger überzeugt ist der Wirtschaftsnobelpreisträger von der Gemeinschaftswährung: Der Euro sei nicht gut für den Frieden.
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DüsseldorfWirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz hält die Europäische Union für einen würdigen Träger des Friedensnobelpreises. „Die EU ist als Friedensprojekt gegründet worden und hat den Frieden in Europa gesichert. Also bekommt sie den Preis zu Recht“, sagte der US-Amerikaner im Interview mit dem Handelsblatt (Montagausgabe). Das Nobelpreis-Komitee wolle damit „die Botschaft aussenden, dass es sich lohnt, für den Fortbestand des Friedensprojekts EU zu kämpfen“.

Der Euro allerdings fördere nicht gerade die Integration Europas, sagte der Wirtschaftsprofessor von der Columbia University in New York. „Jeder unabhängige Beobachter von außen wird zustimmen, dass der Euro und die Politik zur Rettung des Euro im Moment die Europäer spalten“, sagte er. Extremistische und nationalistische Strömungen bekämen Auftrieb. „Das ist nicht gut für den Frieden.“

Die Lage in der Euro-Zone sei instabil, warnte Stiglitz. Derzeit sei unklar, ob es zu mehr oder weniger Integration kommen werde. „Es ist also möglich, dass die Gründerväter Recht behalten, aber sie haben sich bestimmt eine natürliche Evolution in Richtung politischer Union vorgestellt und nicht eine Zwangsehe zur Vermeidung eines Desasters.“

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom

Kommentare zu " Nobelpreisträger Stiglitz: Der Euro spaltet die Europäer"

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  • @ Rettungswahnsinn, Sie schreiben:
    "Der so hochgelobte Exportüberschuss wurde leider mit Krediten bezahlt"
    Schlimmer noch, dieser "hochgelobte Exportüberschuss" ist auch dafür verantwortlich dass sich die Wirtschaft in den überschuldeten Ländern der EU nicht entwickelt brauchte. Hätte man in diesen Länder eine "Importbremse" gehabt hätte sich dort die Inlandswirtschaft besser entwickelt!
    Leistungsbilanzüberschuss innerhalb einer Währungsunion ist Gift und nutzt nur den Exportfirmen, zahlen tut der Steuerzahler, letztendlich ist es nicht anderes als eine Schleichsubventionierung der deutschen Großkonzerne durch den deutschen Steuerzahler gewesen (dadurch Umgehung des Subventionsverbot aus den EU-Verträge) Als Ergebnis haben wir starke deutsche Konzerne aber auch eine endlose Schuldenkrise die zur Katastrophe führen kann.
    Bedenken muss man auch dass die andere Wirtschaftsblöcke sich das nicht gefallen lassen werden.
    Ob die deutsche Großkonzerne langfristig diesen Vorteil behalten können wage ich deswegen zu bezweifeln. Schummeln und Lügen haben bekanntlich kurze Beine.

  • Eine Stimme der Vernunft. Prof. Stiglitz trifft den nagel auf den Kopf. Es gibt zwar Leute, die behaupten Zwangsehen halten länger als Liebesheiraten, aber im Falle von Europa wird dies nicht zu treffen.
    Wer Europa wirklich zu schätzen weiss, der hätte Europa auch die Zeit gegeben, natürlich zueinander zu finden. Man war ja bereits auf einem guten Weg. Nur die Macht/gier einiger hat dieses korrumpiert und so wird das, was als Ideal meiner Generation galt zu einer Perversität verbogen.
    Es ist schmerzhaft, dies mit ansehen zu müssen bzw. leben zu müssen. Die Angst, dass es Krieg geben wird in Europa wird sich bewahrheiten, wenn man nicht endlich den Ländern den nötigen Spielraum zurückgibt.

  • Der Morgenthau-Plan oder warum Europa verblutet.
    Die Euro- und EU-Verträge, von der deutsch-französische Achse entworfen und durchgesetzt, führen zu eine Art Morgenthau-Plan für die Peripherieländer der Währungsunion.
    Die wirtschaftlich schwache Euro-Länder werden, weil ihre Wirtschaft gegen die stärkere Wirtschaften nicht geschützt ist, immer schwächer. Dies führt dazu dass vielen jungen und gut ausgebildete Menschen aus diesen Länder keine andere Alternative bleibt als Europa den Rücken zu kehren und ihr Glück auf andere Kontinente zu suchen.
    Diese Hämorrhagie ist nicht nur eine menschliche Tragödie aber auch wirtschaftlich nachteilig für Europa. Bedingt durch den permanenten deutschen Leistungsbilanzüberschuss, ist der Euro für die meisten andere Euro-Länder überbewertet und erschwert diesen Ländern Exporte und bremst deren Importe nicht ab. Folge: Wirtschaftlicher Niedergang. Der führt dann zu geringeren Staatseinnahmen, die wiederum zu einer höheren Verschuldung, die wiederum zu höheren Zinsen für das Land und seine Wirtschaft.
    Niemand soll sagen, dass diese Dinge nicht absehbar gewesen seien - dass ist Ökonomie-Grundstudiums-Wissen.
    Was Europa braucht sind Vertragsänderungen die zu einer Wirtschaftskonvergenz innerhalb der Währungsunion führen und zu einer horizontalen Arbeitsteilung, Vertragsänderungen die den natürlichen Standortsnachteile der Peripherieländer berücksichtigen und entgegen wirken.

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