Noch „einige Tage" in der Klinik
Ärzte: Chirac erholt sich gut

Frankreichs Präsident Jacques Chirac erholt sich nach Angaben seiner Ärzte gut von einem Bluterguss, der seine Sicht beeinträchtigt hatte.

HB PARIS. Drei Tage nach seiner Aufnahme in ein Militärkrankenhaus sei Chirac auf dem Weg der Besserung. Sein Gesundheitszustand nehme „eine sehr zufrieden stellende Entwicklung“, sagte Chefärztin Anne Robert am Montag. Die „kleine Störung in einem Blutgefäß im Gehirn“ sei „ein kleiner Bluterguss“, dessen klinische Auswirkungen sich zurückbildeten. In „einigen Tagen“ dürfte der Präsident die Klinik wieder verlassen, sagte sie. Die Erkrankung des Staatschefs hat in den Medien Spekulationen ausgelöst, er könne 2007 nicht mehr zur Wahl antreten, und hat den Kampf um seine Nachfolge entfacht.

Chirac war am Freitagabend wegen einer Sehstörung und Kopfschmerzen in die Pariser Klinik gebracht worden. Die Ärzte diagnostizierten eine „kleine“ Störung in einem Blutgefäß im Gehirn und veranlassten Untersuchungen, die eine Woche dauern können. Für diese Zeit hat er alle Termine abgesagt, darunter ein Treffen mit Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Chirac empfing am Krankenbett seine Frau und enge Mitarbeiter. Er übertrug Premierminister Dominique de Villepin die Leitung der Kabinettssitzung und wird auch nicht zum deutsch-französischen Treffen am Dienstag nach Rheinsberg kommen. Ob er zur Uno-Vollversammlung am 14. September nach New York reisen könne, hänge von den Ärzten ab, sagte Villepin.

Angesichts der kargen Ärztebulletins kursieren in Paris Spekulationen über die Schwere der Erkrankung Chiracs und eine mögliche Nachfolge. Oppositionspolitiker wie der frühere Premierminister Laurent Fabius forderten daher mehr Transparenz. „Keine Staatsräson verbietet, die Dinge zu sagen, wie sie sind“, sagte Fabius am Montag. Villepin und Innenminister Nicolas Sarkozy machten deutlich, dass sie für die Nachfolge Chiracs 2007 im Rennen sind.

Die Geheimhaltung um den Vorfall und vage Erklärungen zu der Natur der Erkrankung haben Spekulationen über Chiracs allgemeinen Gesundheitszustand ausgelöst. Der Sozialist Francois Hollande sagte im Hörfunk: „Wenn das Staatsoberhaupt im Krankenhaus liegt, muss es in einer Demokratie zumindest gestattet sein, nach der Ursache zu fragen.“ Die Zeitung „Liberation“ schrieb: „Der Gesundheitszustand des Präsidenten ist neben den Codes für die Atomwaffen das best gehütete Geheimnis der Republik.“ Beobachtern zufolge ist Chirac besonders darauf bedacht, gesund zu erscheinen, weil sein 50-jähriger Rivale Nicolas Sarkozy sich besonders gerne als jugendlich und dynamisch darstellt.

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