Noch keine Vereinbarung mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF)
Argentinien will Devisenreserven nicht antasten

Das einst wohlhabende Argentinien ist mit rund 140 Milliarden Dollar verschuldet. Nur wenige Stunden vor Ablauf der Frist für die Rückzahlung von drei Milliarden Dollar an den IWF hat das Land die Nutzung seiner Devisenreserven für die Schuldentilgung abgelehnt.

HB BUENOS AIRES. Argentinien strebt nach Angaben von Regierungsvertretern eine umfassendere Vereinbarung mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) an, weil die am Dienstag fällige Tilgung von drei Milliarden Dollar fast ein Viertel der Devisenreserven aufzehren würden. „Wir werden nicht aus den Reserven bezahlen, weil wir objektiv nicht dazu in der Lage sind“, sagte Alberto Fernandez, einer der engsten Berater von Präsident Nestor Kirchner, am Dienstag. Kirchner selbst hatte am vergangenen Freitag angedeutet, wenn keine Vereinbarung mit dem Fonds erzielt werde, lasse er die Rückzahlung des am Dienstag fälligen Kredits platzen.

Bislang hat Argentinien einige wichtige Forderungen des Fonds nicht erfüllt. Dazu zählt eine Entschädigung der Banken für deren massive Verluste durch die Freigabe des Wechselkurses der Landeswährung Peso im Januar vorigen Jahres und eine Anhebung der seither eingefrorenen Gebühren für Leistungen der Versorgungsunternehmen. Kirchner hat dagegen argumentiert, Priorität habe für ihn zunächst Hilfe für die verarmten Menschen in seinem Land. Als Folge der schweren Wirtschaftskrise lebt mehr als die Hälfte der etwa 36 Millionen Argentinier in Armut.

Bei den seit Freitag vergangener Woche laufenden Verhandlungen mit dem IWF strebt die Regierung in Buenos Aires keine neuen Kredite an. Sie will aber mehr Zeit für die Rückzahlung der Schulden beim Fonds haben, um nicht die gerade erst beginnende Erholung der drittgrößten Volkswirtschaft Lateinamerikas von der seit mehr als zehn Jahren andauernden tiefen Rezession zu gefährden. Bei den laufenden Gesprächen mit dem Fonds geht es um eine Tilgungsstreckung für Schulden über 12,5 Milliarden Dollar, die innerhalb der nächsten drei Jahre fällig werden, drei Milliarden Dollar davon bis Dienstag um Mitternacht.

Unterstützung für Argentinien hatten am Montag die USA angekündigt und den IWF zu Flexibilität bei den Verhandlungen aufgefordert. Angesichts des politischen Willens der argentinischen Regierung zu Reformen sollte der Fonds etwas Flexibilität zeigen, hatte der Staatssekretär im US-Außenministerium, Roger Noriega, gefordert.

Ein erneuter Zahlungsverzug Argentiniens würde nach Einschätzung des Direktors der IWF-Abteilung Internationale Kapitalmärkte, Gerd Häusler, die Finanzmärkte nicht mehr in Unruhe versetzen. „Das ist kein glücklicher Zustand, aber der Markt hat gelernt, damit zu leben“, sagte er in Paris.

Argentinien ist mit rund 140 Milliarden Dollar verschuldet. Im Januar vergangenen Jahres hatte das einst wohlhabende Land wegen der tiefen Finanzkrise sämtliche Schuldendienste auf Verbindlichkeiten im Volumen von 95 Milliarden Dollar bei privaten Kreditgebern weltweit einstellen müssen. In Mitteleuropa halten private Anleger nach Angaben der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) überfällige Argentinien-Anleihen im Volumen von rund acht Milliarden Euro.

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