Nominierung von Harriet Miers
Bush will eigene Anwältin in den Obersten Gerichtshof berufen

US-Präsident George W. Bush hat seine ehemalige Rechtsanwältin aus Texas für einen Posten am Obersten Gerichtshof nominiert. Dabei hat Harriet Miers (60), Rechtsberaterin im Weißen Haus, keinerlei Richtererfahrung.

HB WASHINGTON. „Sie ist ein Pit Bull-Terrier mit Schuhgröße 36“, sagte Bush nach Medienberichten vor neun Jahren bei einer Preisverleihung über die Juristin. Am Montag war er zurückhaltender: „Sie hat ihr Leben dem Gesetz und der Gerechtigkeit verschrieben“, sagte er im Weißen Haus über die unverheiratete Juristin.

Die Demokraten zeigten sich reserviert. „Wir müssen eine ganze Menge mehr über ihre juristische Philosophie wissen“, sagte Senator Chuck Schumer. Miers muss vom Senat bestätigt werden. Das Weiße Haus betonte, dass immer wieder Juristen für den Gerichtshof nominiert worden sind, die keine Richter waren, darunter William Rehnquist, der 1972 berufen wurde und Chefrichter wurde. Er starb Anfang September.

Obwohl Miers nicht als stramme Konservative gilt, dürfte Bush die politische Ausrichtung des Obersten Gerichts mit ihrer Nominierung nach rechts rücken. Miers soll Sandra Day O'Connor ersetzen, die bei vielen Urteilen die entscheidende Stimme abgab und teils mit den liberalen, teils mit den konservativen Kollegen stimmte.

Miers ist eine enge Vertraute von Bush, die ihre Wochenenden häufig mit der Präsidentenfamilie auf dem Wochenendsitz Camp David bei Washington verbringt. Die Zusammenarbeit begann 1994, als Bush zum Gouverneur von Texas gewählt wurde. Sie wechselte mit Bush 2001 ins Weiße Haus, wo sie zuletzt als Rechtsberaterin arbeitete. Miers leitete die Kommission, die einen Nachfolger für O'Connor suchen sollte. Sie stand mehrfach auf der Liste der 100 einflussreichsten Anwälte der renommierten Zeitschrift „National Law Journal“.

Miers stammt aus Texas, wo sie als Industrieanwältin unter anderem die Firmen Microsoft und Walt Disney vor Gericht vertrat. 1985 wurde sie als erste Frau Präsidentin des Juristenverbandes in Dallas, 1992 Präsidentin des Juristenverbandes von Texas.

Am Montag begann auch die Amtszeit des neuen Chefrichters John Roberts. Er trat die Nachfolge von Rehnquist an. Weil Rehnquist selbst zum konservativen Lager gehörte, änderte die Nominierung des konservativen Katholiken als Nachfolger die politische Gewichtung des Gerichts nicht.

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