Nordafrika
Terroristen greifen algerische Regierung an

Verheerende Anschläge in Algerien haben mindestens 17 Menschen das Leben gekostet. Es scheint auch eine Machtdemonstration gewesen zu sein, die einem Ableger von El Kaida zugeschrieben wird: Den Terroristen gelang es, vor einem der am besten gesicherten Gebäude des Landes eine Bombe zu zünden.

HB ALGIER. Der Zivilschutz des Landes gab die Zahl der Verletzten am Mittwochnachmittag mit 17 an. Die Terroristen zündeten in der Hauptstadt Algier Sprengsätze vor einer Polizeistation und einem Regierungsgebäude, in dem das Amt des Ministerpräsidenten und das Innenministerium untergebracht sind. Die amtliche Nachrichtenagentur APS meldete nach den Detonationen seien Tausende von Menschen auf die Straßen gestürmt.

Neun Tote und 32 Verletzte gab es den Angaben zufolge bei der Explosion einer Autobombe auf das Regierungsgebäude in der Stadtmitte. Augenzeugen berichteten, ein Selbstmordattentäter habe mit seinem Fahrzeug die Polizeiabsperrung vor dem Hochhaus durchbrochen und sei auf den geschützten Parkplatz vorgedrungen, wo er den Wagen zur Explosion gebracht habe. Acht Tote und 50 Verletzte wurden nach einem Bombenanschlag auf eine Polizeistation im Ortsteil Bab Ezzouar gezählt. Die Wucht der Explosionen gegen 11.50 Uhr brachte noch in einem Kilometer Entfernung Fensterscheiben zum Klirren.

Hinter den Anschlägen wird die jüngst aus Terrorgruppen mehrerer nordafrikanischer Länder gebildete Organisation El Kaida des Islamischen Maghrebs vermutet. Der algerische Zweig der islamistisch-fundamentalistischen Extremistengruppe war früher unter dem Namen „Salafisten-Gruppe für Predigt und Kampf“ aktiv. Erst im Januar hatte sich die Gruppe offiziell umbenannt, um ihre Verbindung zur El Kaida von Ossama Bin Laden stärker zu betonen. Die 1998 gegründete Organisation kämpft für die Errichtung eines islamischen Staates in Algerien.

Ministerpräsident Abdelaziz Belkhadem sprach von einer „feigen und kriminellen Tat zu einem Zeitpunkt, in dem das algerische Volk die nationale Aussöhnung möchte“. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte, es gebe keine Hinweise, dass sich unter den Opfern Deutsche befinden.

Die Rebellen des Islamischen Maghreb haben in den vergangenen Monaten Bombenanschläge auf Polizisten oder westliche Ausländer in Algerien verübt. Das Militär versucht seit etwa zweieinhalb Wochen, in einer bergigen Gegend bei Ain Defla östlich der Hauptstadt eine wichtige Basis der Organisation kampfunfähig zu machen. Zuletzt waren nach Medienberichten vom Montag bei Auseinandersetzungen zwischen Regierungstruppen und Anhängern der Gruppe neun Soldaten und mindestens vier Islamisten getötet worden.

Seit dem Abbruch der ersten algerischen Mehrparteienwahl 1992 wurden in dem Untergrundkrieg in Algerien schätzungsweise 200 000 Menschen getötet. Die Streitkräfte hatten die Wahl damals abgebrochen, nachdem sich eine Mehrheit für die Islamische Heilsfront (Fis) abzeichnete. In einem Referendum vom 29. September 2005 sprach sich die algerische Bevölkerung mit überwältigender Mehrheit für einen Plan von Präsident Abdelaziz Bouteflika zur nationalen Versöhnung aus und stimmte damit einer weitgehenden Amnestie für Verbrechen während des Bürgerkriegs zu.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%