Nordafrika
Tote bei Sturm auf spanische Exklave Ceuta

Hunderte von Afrikanern haben am Donnerstag den Grenzzaun der spanischen Exklave Ceuta in Marokko gestürmt. Mindestens zwei Immigranten kamen dabei zu Tode. Entgegen erster Berichte wurden sie aber nicht erschossen.

HB CEUTA. Ein Sprecher der spanischen Präfektur in der Stadt an der Meerenge von Gibraltar sagte am Donnerstag, im Moment gehe man von zwei Toten aus und nicht von sechs, wie zunächst gemeldet worden war. Die Beamten hätten irrtümlicherweise angenommen, mehrere am Boden liegende Immigranten seien tot, sagte der Sprecher. Er schloss jedoch nicht aus, dass es auf marokkanischer Seite der Grenze weitere Opfer gab.

Einer der Afrikaner sei beim Überklettern des Grenzzauns zu Tode gekommen, verlautete aus Kreisen der spanischen Guardia Civil, die den Grenzzaun bewacht. Das zweite Opfer sei möglicherweise gestürzt und von der nachfolgenden Menge zu Tode getrampelt worden.

Etwa 500 Menschen hatten nach Angaben der Präfektur versucht, von Marokko aus die Grenzanlagen in die spanische Stadt zu überklettern. Die Regierungschefs von Spanien und Marokko wollen im Laufe des Tages in Südspanien auf einem Gipfeltreffen über den Zustrom illegaler Immigranten beraten. Konservative Politiker in Spanien warfen der marokkanischen Regierung vor, nichts zu unternehmen, um den Zustrom zu stoppen.

Erst in der Nacht zum Mittwoch hatten etwa 1000 Immigranten aus verschiedenen afrikanischen Staaten versucht, in die spanische Schwester-Exklave Melilla vorzudringen. Etwa 200 von ihnen gelang es, den doppelten Grenzzaun zu überwinden. 45 von ihnen wurden verletzt. Die Madrider Regierung ordnete daraufhin eine stärkere Absicherung der Grenze an. Das Innenministerium kommandierte eine Sondereingreiftruppe von 40 Beamten nach Melilla ab.

Entlang der zehn Kilometer langen Grenze sollen die Sperrzäune von drei auf sechs Meter erhöht werden. Die Arbeiten seien bis Februar 2006 abgeschlossen, teilte Staatssekretär Antonio Camacho mit. Die Polizeigewerkschaft verurteilte die Maßnahmen als völlig unzureichend. Die Afrikaner hatten für das Eindringen nach Melilla eine Stelle gewählt, an der die Zäune noch nicht erhöht wurden.

Beobachter vermuteten, dass die Erhöhung der Grenzzäune den jüngsten Zustrom ausgelöst haben könnte. Viele Afrikaner wollten möglicherweise die „letzte Chance“ nutzen, in die Exklaven zu gelangen. In Marokko halten sich nach Schätzungen des Innenministeriums in Rabat etwa 20 000 Menschen aus Ländern südlich der Sahara auf, die nach Spanien gelangen wollen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%