Nordbanken
Jan Kvarnström, der Mann für den Müll

Alle reden von der Gründung einer "Bad Bank", er hat schon einmal eine geleitet: Jan Kvarnström verwaltete jahrelang die faulen Kredite der Nordbanken und weiß, wie toxische Anlage zu handhaben sind. Als "Mr. Bad Bank" ist er in der Krise gefragter denn je.

STOCKHOLM. Mit einem spitzen Bleistift konnte er immer schon gut umgehen. Der Schwede Jan Kvarnström leitete immerhin in den 90er-Jahren den weltgrößten Büromaterialhersteller Esselte. Doch diese Aufgabe war es nicht, die den heute 61-Jährigen in den vergangenen Wochen vor allem außerhalb Schwedens bekannt gemacht hat.

Vielmehr ist es seine Funktion als „Mr. Bad Bank“. Der in Trollhättan an der schwedischen Westküste geborene Kvarnström hat selbst nichts gegen diese Bezeichnung, hebt sie ihn doch von all den Experten ab, die derzeit nach dem Für und Wider solcher Resteverwertungsgesellschaften ins Wanken gekommener Banken befragt werden.

Kvarnström leitete zwischen 1994 und Mitte 1997 Securum, die Bad Bank der schwer angeschlagenen Nordbanken. Es sei eine „unwiderstehliche Aufgabe“ gewesen, sagt er heute stolz. Damals gelang es ihm und seinem Team tatsächlich, die durch leichtsinnige Kreditvergabe in Kombination mit einer schweren Wirtschaftskrise schwer angeschlagene Nordbanken zu retten, indem die unsicheren Kredite in die eigens für dieses Institut gegründete Securum überführt wurden. Securum war neben Diligentia, der Bad Bank der SEB, und Retriva (Gota Bank) die dritte Auffanggesellschaft für ausfallgefährdete Assets.

„Er setzt sich an einen gedeckten Tisch“, schrieb damals Schwedens größte Wirtschaftszeitung „Dagens Industri“. Tatsächlich übernahm Kvarnström Securum von Lars Thunell, der im staatlichen Auftrag die faulen Kredite und unsicheren Forderungen unter dem Securum-Dach zusammengefasst und neu verhandelt hatte und dabei einige abschrieb. Kvarnström wurmte, dass man nicht ihn, sondern seinen Vorgänger als den eigentlichen „Mr. Bad Bank“ ansah. Er konterte mit scharfer Zunge: „Wenn der Tisch schon gedeckt war, dann habe ich mich halt durchgefuttert und hinterher abgewaschen.“

Der Schwede, der mit seiner zweiten Frau seit Jahren in Hamburg lebt, ist ein guter Promoter in eigener Sache. Derzeit versucht der passionierte Golfer zusammen mit drei Geschäftspartnern, die Beratungsfirma ERC aufzubauen. Sie will deutschen Banken beim Aufbau eigener Bad Banks mit Rat und Tat und viel Erfahrung zur Seite stehen. Kvarnström hält von einer nationalen Bad Bank in Deutschland gar nichts. Vielmehr solle jede Bank eine eigene Restrukturierungssparte aufbauen, sagte er kürzlich.

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