Nordirland
IRA kündigt endgültige Entwaffnung an

Die irische Untergrundorganisation IRA will ihren bewaffneten Kampf endgültig beenden. Ihre Ziele werde die Irisch-Republikanische Armee künftig auf politischem Wege verfolgen, hieß es in einer Erklärung. Eine vollständige Auflösung der IRA soll es jedoch nicht geben.

HB BELFAST/LONDON. "Die Führung der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) hat offiziell das Ende der bewaffneten Kampagne angewiesen. Alle IRA-Einheiten müssen die Waffen niederlegen", hieß es in der Erklärung. Alle Mitglieder der Organisation seien aufgerufen, sich an dem politischen Prozess mit rein friedlichen Mitteln zu beteiligen.

Die IRA habe einen Vertreter ernannt, der mit einer unabhängigen Kommission bei der Entwaffnung zusammenarbeiten solle. Auf diese Weise solle das Vertrauen der Öffentlichkeit gestärkt und die Entwaffnung so rasch wie möglich abgeschlossen werden. Einen Zeitrahmen nannte die IRA allerdings nicht. Je ein unabhängiges Mitglied der katholischen und der protestantischen Kirche sollten die Entwaffnung überprüfen.

Der britische Premierminister Tony Blair begrüßte den Gewaltverzicht als beispiellosen Schritt. Die Politik löse den Terror in der britischen Provinz ab. Die USA nannten die Erklärung ermutigend. Die großen pro-britischen Parteien Nordirlands reagierten dagegen zurückhaltender. Bis zu einer Einigung über die Wiedereinsetzung der Selbstverwaltung sei es noch ein weiter Weg. Sie forderten von der IRA, den Worten nun Taten folgen zu lassen.

Das Ende des bewaffneten Kampfes der IRA gilt als Schlüssel, die in eine Sackgasse geratenen Gespräche über die Zukunft der britischen Provinz wiederzubeleben, auch wenn ein wirklicher Frieden zwischen den pro-britischen Unionisten und den pro-irischen Republikanern noch in weiter Ferne liegt.

Nach dem Karfreitagsabkommen von 1998 sollten sich protestantische Unionisten, die für eine anhaltende Zugehörigkeit zu Großbritannien eintreten, und katholische Republikaner, die eine Vereinigung mit Irland anstreben, die Macht in der Provinz teilen. Die britische Regierung hatte im Oktober 2002 die Selbstverwaltung Nordirlands jedoch ausgesetzt, nachdem es Streit über eine Entwaffnung der IRA gegeben hatte.

Im vergangenen Dezember waren Gespräche über eine Wiedereinsetzung der Selbstverwaltung gescheitert, nachdem die größte Unionisten-Partei DUP Fotos als Beweis für eine Entwaffnung gefordert hatte. Die IRA hatte dies als Demütigung abgelehnt.

Die IRA klammerte in ihrer Erklärung den Streit über ein Abschwören von der Kriminalität aus. Die Gruppe hatte zwar 1997 nach fast drei Jahrzehnten des bewaffneten Kampfes einen Waffenstillstand erklärt, in Form von Schlägereien, Messerstechereien und Schießereien setzte sich die Gewalt jedoch fort.

Zuletzt wurde die Organisation für mehrere Verbrechen verantwortlich gemacht, darunter ein großer Bankraub und einen Mord in Belfast. Dies führte dazu, dass auch die der IRA nahestehende Sinn-Fein-Partei die Untergrundorganisation zu einem Gewaltverzicht aufgerufen hatte. Im Nordirland-Konflikt sind in den vergangenen Jahrzehnten 3600 Menschen getötet worden, davon rund die Hälfe durch die IRA.

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