Nordirland
Poker um Paisley-Nachfolge

Ian Paisley, Nordirlands First Minister ist abgetreten. Am Samstag löste ihn Finanzminister Peter Robinson als Parteichef der DPU ab. Noch während Paisley mit feurigen Reden seinen Abschied feierte, liefen zwischen London, Belfast und Dublin die Telefone der Diplomaten heiß. Katholische Nationalisten drohen nämlich damit, die Wahl von Robinson zum Regierungschef zu boykottieren.

LONDON. Beim Abschied ließ sich Ian Paisley, das Urgestein der nordirischen Politik, noch einmal als Friedensstifter feiern: „Wir haben eine wunderbare Umkehr der Dinge erlebt“, sagte der Mann, der als Chef der von ihm 1971 gegründeten DUP jahrzehntelang Blut und Asche gepredigt hatte. „Möge Gott dafür sorgen, dass nun alles Früchte trägt.“ Dann unterstrich Paisley den frommen Wunsch mit einer knallharten Forderung: Die Terrororganisation Irisch-Republikanische Armee (IRA) müsse ihren Armeerat auflösen und so endgültig Frieden nach Nordirland bringen.

Am Samstag löste Nordirlands Finanzminister Peter Robinson – ein hochgeachteter Technokrat, der 30 Jahre lang geduldig Paisleys Stellvertreter war – den 82-Jährigen als Parteichef der DUP ab. Am Donnerstag soll der 59-Jährige vom Parlament auch zu Paisleys Nachfolger als Regierungschef Nordirlands gewählt werden.

Aber während Paisley mit feurigen Reden seinen Abschied feierte, liefen zwischen London, Belfast und Dublin die Telefone der Diplomaten heiß. Sinn Fein, die Gegenpartei der katholisch-nationalistischen Iren, ließ streuen, die Wahl Robinsons könnte boykottiert werden. Denn der „First Minister“ kann nur in einem Doppelakt mit seinem Stellvertreter gewählt werden, der von der „anderen Seite“, den irisch-katholischen Nationalisten kommen muss. Verweigert Sinn Fein die Nominierung ihres Mannes, Martin McGuinness, müsste der britische Nordirlandminister Shaun Woodward Neuwahlen ansetzen oder die Provinz wieder direkt regieren.

Man wolle nur über „offen stehende Fragen“ sprechen, sagte Sinn-Fein-Präsident Gerry Adams. Seit einem Jahrzehnt ans Dauerverhandeln gewöhnt, sieht er in dem Machtwechsel offensichtlich eine Gelegenheit für Nachforderungen.

„Die Vorstellung, dass die Leute jetzt hergehen und das ganze Haus über sich einstürzen lassen, ist absolut lächerlich. Vor allem, wenn wir eine Führung haben, die anstehende Fragen anpacken und Fortschritte erzielen will“, wetterte Robinson. Trotzdem verschob er am Dienstag die Parlamentsvorlage seines letzten Berichts als Finanzminister und hielt sich für den Trip nach London bereit. Sinn-Fein-Chef Adams war schon dort, um mit Premier Gordon Brown die Verhandlungen zu eröffnen.

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