Nordkaukasus
Viele Tote bei Anschlag in Inguschetien

Beim schwersten Selbstmordanschlag im Nordkaukasus seit 2005 sind in der Unruhe-Region Inguschetien mindestens 20 Menschen getötet worden. Für die Tat wurden Islamisten verantwortlich gemacht.

HB NASRAN. Weitere 118 Menschen wurden bei dem Anschlag verletzt. Nach Angaben der Behörden raste der Attentäter in einem mit Sprengstoff beladenen Lastwagen am Montag kurz nach Beginn der Morgenschicht gegen das Eingangstor des Polizeihauptquartiers in der Provinzhauptstadt Nasran.

Die Islamisten wollten die russische Oberhoheit über den nördlichen Kaukasus untergraben, hieß es zur Begründung. Präsident Dmitrij Medwedjew wies das Innenministerium in Moskau an, zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen für die an Tschetschenien grenzende Region zu treffen. Als Konsequenz aus dem Anschlag entließ der russische Präsident den inguschetischen Innenminister. „Dieser Terrorakt hätte verhindert werden können“, sagte Medwedew bei einem Besuch in der südrussischen Stadt Astrachan zur Begründung. Die Polizei müsse die Bevölkerung schützen können, aber auch in der Lage sein, sich zu verteidigen.

Über dem angegriffenen Gebäude stand dichter Rauch. Feuerwehrleute waren damit beschäftigt, die Flammen unter Kontrolle zu bringen. In der Staatsanwaltschaft hieß es, die Bombe habe bis zu eine Tonne Dynamit enthalten. Durch die Wucht der Explosion wurden zahlreiche Gebäude und Autos in der unmittelbaren Umgebung zerstört. Die Bombe riss einen vier Meter tiefen Krater in die Erde. Angehörige versammelten sich in einem Krankenhaus und umstanden eine handgeschriebene Liste mit den Namen der Toten. Die Behörden ordneten drei Tage Staatstrauer an.

Die Kaukasus-Region ist in den vergangenen Wochen vermehrt Schauplatz von Gewalttätigkeiten gewesen. So wurde der inguschetische Präsident Junus-Bek Jewkurow im Juni bei einem Selbstmordanschlag schwer verletzt. In den Nachbarrepubliken Dagestan und Tschetschenien waren in der vergangenen Woche bei mehreren Anschlägen zehn Polizisten sowie sieben Sauna-Besucherinnen getötet worden.

Als Hauptursache der Gewalt gelten die große Armut in der Region und Machtmissbrauch. Der von der russischen Zentralregiereung eingesetzte frühere Fallschirmjäger Jewkurow hat angekündigt, sowohl die Rebellenbewegung als auch die Korruption in Inguschetien zu bekämpfen. Das mehrheitlich von Muslimen bewohnte Inguschetien hat mittlerweile Tschetschenien als größten Unruheherd im Süden Russlands abgelöst.

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