Nordkorea-Abkommen: Kims großer Coup

Nordkorea-Abkommen
Kims großer Coup

Die Einigung bei den Atomgesprächen mit Nordkorea wird gefeiert. Von einem „ersten guten Schritt“ ist die Rede. Doch bei genauerem Hinsehen entpuppt sich Pjöngjang als eigentlicher Sieger. Die Drohkulisse, die Machthaber Kim Jong Il durch Atomwaffen- und Rakentest aufbaute, hat ihre Wirkung nicht verfehlt. Nordkorea wird vom Westen mit seinem teuersten Gut belohnt.

co DÜSSELDORF. Vier Monate nach seinem ersten Atomwaffentest will Nordkorea die Beendigung seines umstrittenen Nuklearprogramms einleiten. Bei den Sechs-Länder-Gesprächen in Peking sagte Pjöngjang zu, die Atomanlage in Yongbyon innerhalb von 60 Tagen „mit dem Ziel einer letztendlichen Aufgabe zu schließen und zu versiegeln“. Ausländische Atominspekteure werden wieder ins Land gelassen.

Doch auch Nordkorea geht nicht leer aus. Im Gegenzug erhält der verarmte, stalinistisch geprägte Staat massive Energie- und Wirtschaftshilfen. Die USA und Japan sagten direkte Verhandlungen über eine Normalisierung der Beziehungen zu. Washington leitete zudem ein Ende von Handelshemmnissen und sogar die Streichung Nordkoreas von der Liste der Staaten ein, die den Terrorismus unterstützen. Die Politik der Drohungen, die Nordkorea mit einem Raketentest und schließlich mit einem Atombombenversuch am 9. Oktober vorigen Jahres demonstrierte, zahlt sich nun aus.

Eine Million Tonnen Rohöl

Für die Schließung des Atomreaktors und der Anlage zur Wiederaufbereitung in Yongbyon, wo waffentaugliches Plutonium hergestellt wird, fließen innerhalb von 60 Tagen 50 000 Tonnen Rohöl als Soforthilfe. Hilfen in einem Umfang von 950 000 Tonnen Rohöl sollen folgen, wenn „alle Nuklearprogramme offen gelegt und alle bestehenden nuklearen Einrichtungen untauglich gemacht sind“.

Die Last der Wirtschafts- und Finanzhilfen für Nordkorea soll gleichwertig auf die anderen fünf Teilnehmerländer verteilt werden. „Das System erlaubt Nordkorea, sein eigenes Tempo festzulegen. Falls es sämtliche 950 000 Tonnen binnen eines Jahres erhalten will, muss es den Abbau (des Atomprogramms) in einem Jahr abschließen. Falls es das Land in zwei Jahren unternimmt, wird es mit der Menge in zwei Jahren beliefert“, zitierte die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap ein Mitglied der südkoreanischen Delegation.

Die Teilnehmer der zähen Sechser-Gespräche gaben sich trotz dieser zahlreichen Zugeständnisse euphorisch. Das Nordkorea-Abkommen ist nach den Worten des US-Unterhändlers Christopher Hill ein „guter erster Schritt“ hin zu einer „vollständigen nuklearen Abrüstung“ Pjöngjangs. Die Gespräche drohten am Wochenende noch wegen noch höherer Forderungen Nordkoreas zunächst zu scheitern. An den seit Jahren andauernden Verhandlungen nahmen neben Nordkorea, den USA und Japan auch Südkorea, China und Russland teil.

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