Nordkorea Arbeiterpartei wählt neue Führung

Kim Jong Un hat keinen sichtbaren Rivalen. Die Arbeiterpartei soll nun bestätigen, dass die Führung in seiner Hand bleibt. Nordkoreas Machthaber lässt auf dem Kongress sich und seine Atomtests feiern.
Update: 07.05.2016 - 13:55 Uhr
spricht auf dem ersten Parteitag seiner Partei seit 36 Jahren. Nordkoreas weitgehend isoliertr Führer baut an einem neuen Image als internationaler Staatsmann. Quelle: Reuters
Staatchef Kim Jong Un

spricht auf dem ersten Parteitag seiner Partei seit 36 Jahren. Nordkoreas weitgehend isoliertr Führer baut an einem neuen Image als internationaler Staatsmann.

(Foto: Reuters)

PjöngjangDas nach Atomwaffen strebende Nordkorea hat die Wahl einer neuen Führungsriege der herrschenden Arbeiterpartei angekündigt. Einen Tag nach dem Beginn des ersten Parteikongresses des Landes seit 1980 berichteten die Staatsmedien am Samstag über erste Programmdetails. Demnach sollen die mehr als 3400 Delegierten in Pjöngjang auch über die Bestätigung des Machthabers Kim Jong Un an der Spitze der Partei beraten. Unterdessen berichteten US-Experten über neue Anzeichen, dass Nordkorea einen neuen Atomtest vorbereiten könnte.

Beobachter gehen davon aus, dass Kim mit der Bestätigung als Parteichef seine Stellung als oberster Machthaber zementieren wird. Ob Kim neue Titel erhält oder den des ersten Parteisekretärs behält, war zunächst unklar. Seinem Ende 2011 gestorbenen Vater ist aus Pietät der Titel des „ewigen Generalsekretärs“ vorbehalten.

Zudem sollen beim laufenden Kongress das zentrale Führungsorgan der Partei gewählt und die Parteisatzung geändert werden. Die Arbeit des Zentralkomitees und des Rechnungsausschusses der Partei würden überprüft, hieß es. Wie lange die Konferenz dauert, war unklar.

Pjöngjang – Tristesse in Grau
Bauklotz-Tristesse
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Wie unsortiert aufgestellte Bauklötze ragen die Hochhäuser in Pjöngjang in die Luft. Viele von ihnen sind trotz den frischen Anstrichen heruntergekommen, einige wirken gar verwahrlost.

Bunt und doch verwahrlost
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Knapp 2,9 Millionen Nordkoreaner leben in der Hauptstadt Pjöngjang, die zugleich auch die größte Stadt des Landes ist. Viele von ihnen leben unter der Armutsgrenze.

Ungepflegte Häuser sind normal
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Betrachtet man die Häuser aus der Nähe, sieht man, wie ungepflegt die Wohnblöcke aussehen. Umgerechnet gerade einmal 100 Euro verdient ein durchschnittlicher Arbeiter. Zu wenig, um das eigene Zuhause zu renovieren.

Besserung in kleinen Schritten
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Dabei sieht die Stadt heute moderner und oftmals gepflegter aus als noch vor zehn Jahren. In diesem Viertel etwa leben besser verdienende Schichten, wie etwa Wissenschaftler und Ingenieure. Vereinzelt sind auch Autos zu sehen. Ein Bild, das die Verantwortlichen vermutlich gerne nach außen dringen lassen.

Im Netz
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Seit einigen Jahren gibt es in der Diktatur sogar Zugänge zu Computern und auch dem Internet. Knapp 7.000 Menschen surfen regelmäßig, weniger als 50 Internetadressen sind verfügbar.

Prunk nach außen
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Besonders stolz ist die Regierung in Nordkorea auf die modernen sauberen Metrostationen in Pjöngjang. Die Metro gilt als eine der tiefsten der Welt.

Grau, Grauer, Pjöngjang
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Abseits der Propagandabilder von Metrostationen und moderner Technik bietet sich das wahre Bild von Pjöngjang: Graue Tristesse, eingehüllt in grau-weißen Smog, der sich über die Plattenbauten der Stadt legt. Im Mittelpunkt des Fotos: Das Monument der Parteigründung.

Ein Rätsel ist auch, warum erstmals nach 36 Jahren wieder das Format des Parteikongresses gewählt wurde. Beobachter spekulierten, Kim wolle den Parteiapparat als politisches Machtinstrument aufwerten. Sein Vater führte die sogenannte „Songun“-Doktrin ein, nach der das Militär absoluten Vorrang haben sollte.

Der Kongress findet inmitten zunehmender Spannungen wegen Nordkoreas Atomprogramm statt. Kim hatte in seiner Eröffnungsrede am Freitag seine Atompolitik gepriesen und den vierten Nukleartest des Landes im Januar sowie einen Satellitenstart im Februar als „historische Meilensteine“ gefeiert. Der UN-Sicherheitsrat hatte die Sanktionen gegen das kommunistische Regime Anfang März verschärft. Nordkoreas Machthaber hatte - den Sanktionen zum Trotz - neue Atom- und Raketentests angekündigt.

Beobachter erwarten, dass der Kongress die Ende März 2013 beschlossene Doppelstrategie im Prinzip bekräftigen wird, nach der der Aufbau einer Atomstreitmacht und die Entwicklung der Wirtschaft parallel betrieben werden sollen.

Nordkorea ist nach Einschätzung Südkoreas technisch in der Lage, seine Drohung mit neuen Atomversuchen jederzeit wahr zu machen. Die Einschätzung wird von Experten des US-Korea-Instituts an der Johns-Hopkins-Universität bestärkt. Jüngste Aufnahmen von Satelliten hätten gezeigt, dass Nordkorea „sich vermutlich auf einen Nukleartest in naher Zukunft vorbereitet“, hieß es auf der Website 38 North des Instituts. Es seien Fahrzeuge beobachtet worden, die als „Kommandozentrum“ dienen könnten. Solche Fahrzeuge seien in der Vergangenheit nur dann zu sehen gewesen, wenn ein Test vorbereitet worden sei.

  • dpa
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