Nordkorea
Außer Kontrolle

Die Krise auf der koreanischen Halbinsel spitzt sich zu. 60 Jahre nach Ende des Korea-Kriegs ruft der Norden erneut den Kriegszustand aus. Der russische Außenminister befürchtet: Die Situation könnte entgleisen.

Offiziell war der Krieg auf der koreanischen Halbinsel nie ganz vorbei. Nur ein Waffenstillstand sorgte seit dem Ende des Korea-Krieges zwischen dem kommunistischen Norden und dem kapitalistischen Süden halbwegs für Frieden. Doch im jüngsten Duell der Kriegsgebärden zwischen beiden Seiten hat Nordkorea eine neue Dimension eröffnet: Nachdem das Land vor wenigen Wochen erst den Waffenstillstand aufgekündigt hatte, erklärte es am Sonnabend sogar den Kriegszustand.

„Von jetzt an werden die Nord-Süd-Beziehungen in den Kriegszustand versetzt“, gab Nordkoreas Nachrichtenagentur KCNA auf ihrer Homepage eine Erklärung von Nordkoreas Regierung, Parteien und anderen Organisationen wieder. „Alle Probleme, die zwischen dem Norden und Süden entstehen, werden mit Regeln des Krieges behandelt.“ Der Zustand, weder Krieg noch Frieden zu haben, sei damit beendet.

Diese Stufe der Kriegsrhetorik rüttelt an der Gewissheit, dass Nordkorea wie in der Vergangenheit nur blufft, um Konzessionen von den USA und Südkorea zu erhalten. Bereits nachdem Nordkorea als Reaktion auf die Ankündigung der USA, erstmals zwei atomar bestückbare B-2-Tarnkappenbomber zu einem Manöver nach Südkorea zu fliegen, seine Raketentruppen in Alarmbereitschaft gesetzt hatten, warnte Russlands Außenminister Sergej Lawrow am Freitag: „Die Lage könnte einfach außer Kontrolle geraten und in einen Teufelskreis rutschen.“

Einen Tag zuvor hatte der US-Verteidigungsminister Chuck Hagel bereits erklärt, dass sich Südkorea und die USA auf alle Möglichkeiten vorbereiten müssen. Er glaube, dass Nordkoreas provokante Aktionen und kriegerische Töne die Gefahr gesteigert hätten, sagte Hagel in einer Pressekonferenz in Washington. „Und wir müssen diese Realität verstehen.“

Auslöser der jüngsten Spirale martialischer Posen waren Nordkoreas Weltraumraketentests im vorigen Jahr. Die Vereinten Nationen haben dem Land derartige Tests verboten, weil technisch Weltraumraketen Langstreckenraketen sind. Dennoch gab Nordkoreas neuer Führer Kim Jong-Un im April 2012 den Start frei.

Die folgenden UN-Sanktionen beantwortete er damit, dass er das Raketen- und Atomprogramm des Nordens massiv beschleunigte. Im Dezember fand der nächste und erste erfolgreiche Test statt. Die nächste Sanktionsrunde der internationalen Staatengemeinschaft konterte er im Februar mit einem Atombombentest, und die verschärften Strafen der UN, die auch von Nordkoreas wichtigstem Alliierten China mitgetragen wurden, mit der Auflösung des Waffenstillstands und Drohungen, Washington und Seoul, aber auch US-Militärstützpunkte in Japan und Guam mit Atomraketen zu beschießen.

Südkorea und die USA wiederum sahen nicht tatenlos zu und warfen sich selbst in provokante Posen. Südkorea drohte bei militärischen Übergriffen harte Vergeltung an. Darüber hinaus begannen sie gleich zwei große Kriegsspiele: Vom 1. März bis Ende April läuft das Manöver „Foal Eagle“, dass Mitte März noch durch die Übung „Key Resolve“ ergänzt wurde.

Dabei kitzelten die Verbündeten Nordkoreas Empfindlichkeiten durchaus über das übliche Maß hinaus. Teilnahme von B-52- und jetzt den Tarnkappen-Bombern soll dem Norden zeigen, dass die USA die Fähigkeit und den Willen haben, Angriffe Nordkoreas zu beantworten.

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