Nordkorea
Drohung im Gleichschritt

Zum 105. Geburtstag des Staatsgründers Kim Il-sung protzt Nordkorea mit einer Militärparade. Das Regime zeigt unter anderem eine neue Interkontinentalrakete – und verschärft den Ton gegenüber den USA.
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TokioDer Geburtstag von Staatsgründer Kim Il-sung ist der wichtigste nordkoreanische Feiertag. Traditionell marschieren Bevölkerung und Soldaten mit militärischer Präzision in einer farbenprächtigen Parade auf. Doch jene zum 105. Geburtstag des „Ewigen Präsidenten“ am Samstagvormittag war ganz besonders brisant: Nur einen Tag zuvor hatte Chinas Außenminister Wang Yi gewarnt, dass Krieg ausbrechen könne auf der koreanischen Halbinsel. Doch die Parade legte nahe, dass Nordkorea die Lage nicht entspannen will.

Unter den Waffensystemen im militärischen Teil der mehrstündigen, mit militärischer Präsentation inszenierten Feierlichkeiten führte der derzeitige Führer Kim Jong-un nicht nur Festbrennstoffraketen vor, die von U-Booten abgeschossen werden können. Der Star des Tages war eine bisher unbekannte große Rakete, die laut südkoreanischen Militärexperten wie eine Interkontinentalrakete aussah.

Zwar wissen die Experten nicht, ob es sich nur um maßstabsgetreue Modelle ohne Wert handelte. Aber schon diese Waffenschau erklärt, warum US-Präsident Donald Trump in den vergangenen Wochen Nordkorea mit militärischen Schlägen gedroht hat und damit erstmals seit Jahren eine richtige Kriegsangst in der Region ausgelöst hat. Die US-Regierung fürchtet, dass die kleine ostasiatische Atommacht schon in wenigen Jahren die USA direkt mit Atomwaffen angreifen könnte. Und US-Präsident Trump will dies offenbar deutlich entschlossener verhindern als sein Vorgänger Barack Obama.

Obama setzte mit Sanktionen auf eine Politik der „strategischen Geduld“. Trump hat sich derweil für die Strategie „maximaler Druck und Engagement“ entschlossen, berichtet die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf amerikanische Regierungsquellen. Und stärker als Obama es je tat spielt Trump im hochriskanten Spiel um Korea offensichtlich seine militärischen Trumpfkarten aus.

Erst hatte Außenminister Rex Tillerson vor wenigen Wochen auf seiner Antrittsreise nach Ostasien erklärt, dass gegenüber Nordkorea alle Optionen auf dem Tisch lägen, auch militärische. Der jüngste Vergeltungsschlag gegen Syrien nach dem Einsatz von Giftgas gegen Zivilisten wurde dann auch als ein Zeichen an Nordkorea gedeutet, dass Trump auch in Fragen zur Gewalt bereit ist, in denen Obama zurückgezogen hat. Dass er den Angriff während des Gipfeltreffens mit Chinas Staatschef Xi Jinping durchführte, war ein weiteres Zeichen dieser Politik.

Doch das militärische Pokerspiel ging weiter: Kaum war Xi abgereist, beorderte Trump auch noch den Flugzeugträger USS Carl Vinson zur koreanischen Halbinsel. Und Regierungsquellen steckten den Medien Geschichten über mögliche Militäraktionen, sollte Nordkorea wie befürchtet in den nächsten Tagen oder Wochen einen sechsten Atombombentest oder neue Raketenstarts durchführen.

Auch der Einsatz der größten Bombe der Welt gegen Tunnelsysteme des islamistischen ISIS in Afghanistan wurde in Ostasien aufmerksam verfolgt. Schließlich hat Nordkorea viele Atom- und Militäranlagen eingegraben.

Kurz vor den nordkoreanischen Feierlichkeiten stieg auch noch General Dave Goldfein, der Stabschef der US-Luftwaffe, in die psychologische Kriegsführung gegen Kim und Genossen ein. Am Samstagmorgen ostasiatischer Zeit postete er ein Foto mit 20 Kampfjets und mehreren Bombern von der US-Luftwaffenbasis Kadena in Japan. Sein schriftlicher Rat: Schaut euch die beängstigend-beeindruckende Schau der Schlagkraft an. Der Kampf beginne.

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