Nordkorea-Gesprächsrunde: Neues aus der „Angler-Laube“

Nordkorea-Gesprächsrunde
Neues aus der „Angler-Laube“

Seit Tagen beraten in Peking Delegationen aus China, Japan, Südkorea, Russland und den USA mit Nordkorea über eine Ende des Atomwaffenprogramms. Nachdem die Hoffnungen auf einen großen Durchbruch verschwunden sind, ist das Verhältnis zwischen den einzelnen Parteien abgekühlt – und eine Verlängerung des Treffens ist kaum denkbar. Eine Analyse der Stimmung vor Ort.

PEKING. Es ist der wärmste Winter seit mehr als hundert Jahren in Peking. Doch vor dem Tor des streng bewachten Diaoyutai, dem Staatsgästehaus der Regierung in West-Peking, kommt am Montagmittag keine rechte Frühlingsstimmung auf. Seit Stunden warten Kamerateams auf einen O-Ton, ein Bild oder wenigstens ein Gerücht. „Das wird doch wieder nichts“, murrt ein Fotograf und stampft sich die Füße warm.

Ob er seine Bilderausbeute meint oder den Ausgang der Nordkorea-Gesprächsrunde, die seit Tagen hinter den grau getünchten Mauern läuft, lässt er offen. Knapp eine Woche haben in der „Angler-Laube“ (so die Übersetzung von Diaoyutai) Delegationen aus China, Japan, Südkorea, Russland und den USA mit dem Nordkorea über eine Beendigung des Atomwaffenprogramms beraten. Der heutige Montag soll der letzte Tag sein.

Die Hoffnungen über den großen Durchbruch, den Agenturen schon vor Tagen sahen, sind wieder geschwunden. Zwischen den Verhandlungsseiten ist die Stimmung unterkühlt. Allerdings ist am Morgen noch mal Bewegung aufgekommen: US-Unterhändler Christopher Hill und sein chinesischer Kollege Wu Dawei trafen sich getrennt mit Nordkoreas Vizeaußenminister Kim Kye Gwan, um noch irgendwie ein Ergebnis zu zimmern.

Die Zeit drängt, denn die Koffer sind gepackt. China will das nahende Neujahrsfest in aller Ruhe feiern. Und die Nordkoreaner müssen schnellstens nach Pjöngjang zurück. Ihr Führer Kim Jong-il feiert am Freitag mit viel Massenjubel und noch mehr Paraden seinen angeblich 65. Geburtstag. Der einzige Linienflug ab Peking geht vorher nur noch am Dienstag. Und eine Sondermaschine hat die nordkoreanische Delegation nicht.

Nordkorea will Strom und Öl für einen Stopp des Atomprogramms. Doch der Teufel liegt im Detail, hatte Hill am späten Sonntag in der Pekinger Hotel-Lobby müde vor Journalisten erklärt. Schon im Dezember, als man ohne jedes Ergebnis aus Peking abreiste, war der Amerikaner sichtlich genervt von der nordkoreanischen Mauertaktik gewesen. Auch jetzt sind die Nerven angespannt. Doch Hill ist der einzige Unterhändler, der in den Pekinger Verhandlungsrunden auch mal Fragen der Presse beantwortet.

Und so setzte sich in den vergangenen Tagen abendlich ein Medien-Pulk Richtung Innenstadt in Bewegung. Zielpunkt: Das Pekinger St. Regis Hotel. Hier hält der US-Unterhändler jeden Abend und jeden Morgen für ein paar Minuten Hof. Zumindest, wenn die Handys piepsen und die US-Botschaft in perfekter PR-Manier die Auskunftsfreude ihres Unterhändlers durchgibt. „Hill will go to Hotel later, he will speak“, leuchtet es dann auf dem Display.

Denn der smarte Amerikaner mit dem freundlichen Lächeln lässt kein Mikrofon aus, auch wenn er inhaltlich nicht viel mitzuteilen hat. Aber da sonst kaum Informationen aus den Gesprächen kommen, ist die „Christopher Hill Show“ heiß begehrt. Heute abend dürfte es zum Abschluss dieser Sechs-Parteien-Gespräche besonders spannend werden. Und spät.

Doch irgendwann wird die automatische Drehtür summen und sich langsam in Bewegung setzen. Dann wird Hill in die Kameras lächeln und seine Sätze sagen. Am Morgen klang das allerdings wenig euphorisch: „Ich denke, wir haben alles auf den Tisch gelegt.“ Auf gut Deutsch: Schluss aus, Ende. Auf dem dem See vor dem Diaoyutai ist in den vergangenen Tagen das Eis gebrochen. Nun ruht das Gewässer wieder still, die Weltpresse zieht ab. Bis zur nächsten Nordrkorea-Runde. Dann wird es schon Frühling in peking sein, wenn wieder vor der „Angler-Laube" nach neuen Schlagzeilen gefischt wird.

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