Nordkorea
Kim Jong Il: Ausgezehrt, aber Diktator

Er sah schon einmal besser aus: Auf neuen Fernsehbildern macht Kim Jong Il den Eindruck eines ausgezehrten Mannes. Dass von der Vitalität früherer Tage nichts mehr geblieben ist, hat die Oberste Volksversammlung Nordkoreas indes wenig beeindruckt. Kim ist als Machthaber des kommunistischen Landes erneut bestätigt worden - koste es, was es wolle.

HB SEOUL/PJÖNGJANG. Vier Tage nach dem umstrittenen Raketenstart in Nordkorea ist Kim Jong Il wie erwartet als oberster Machthaber des kommunistischen Landes bestätigt worden. Die Oberste Volksversammlung in Pjöngjang habe Kim als Vorsitzenden der Nationalen Verteidigungskommission wiedergewählt, berichteten die staatlich kontrollierten Medien. Die Kommission ist das mächtigste Staatsorgan, ihr Vorsitz wurde 1998 zum „höchsten Staatsposten“ erklärt. Kims dritte Wiederwahl galt als Formsache. In seinem ersten größeren öffentlichen Auftritt seit seinem mutmaßlichen Schlaganfall im vergangenen August nahm der 67-Jährige den Berichten zufolge an der ersten Sitzung der neu gewählten Volksversammlung teil.

Die Sitzung des nordkoreanischen Parlaments stützt nach Meinung von Beobachtern Kims Machtposition innerhalb des Regimes. Sein Gesundheitszustand wurde als Grund dafür gesehen, warum die Wahl zur Volksversammlung im März zuvor um ein halbes Jahr verschoben worden war. Kim ließ sich dabei als Abgeordneter wiederwählen. Daneben ist er auch Generalsekretär der Arbeiterpartei Nordkoreas und Oberbefehlshaber der knapp 1,2 Mio. Mann starken Volksarmee, die von der Verteidigungskommission kontrolliert wird.

Bei der Parlamentssitzung beschlossen die Abgeordneten den Berichten zufolge auch eine Änderung der „sozialistischen Verfassung der Volksrepublik“. Details wurden zunächst nicht bekannt. Doch gibt es Spekulationen in Südkorea, wonach Kim den Weg für die Machtnachfolge in dem weitgehend abgeschotteten Staat ebnen könnte. Die Nachfolge gilt als ungeklärt. Kim steht seit dem Tod seines Vaters und langjährigen Staatschefs Kim Il Sung im Juli 1994 an der Spitze des Staates.

Die Wiederwahl Kims erfolgte zu einem Zeitpunkt erhöhter Spannungen in der Region. Allen Warnungen zum Trotz hatte Nordkorea am Sonntag wie zuvor angekündigt eine Rakete mit größerer Reichweite gestartet und damit scharfe Kritik weltweit ausgelöst. Nordkorea sprach von einem Satelliten, der auf eine Erdumlaufbahn gebracht worden sei. Nach Angaben Südkoreas und der USA war jedoch kein Satellit in den Orbit gelangt. Verhandlung der fünf Vetomächte im Weltsicherheitsrat mit Japan über eine mögliche UN-Resolution gegen Pjöngjang sind ins Stocken geraten. Vor allem Japan und die USA dringen auf eine scharfe Resolution. China und Russland warnten dagegen vor einer weiteren Eskalation im Raketenstreit.

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