Nordkorea
Kim Jong-Un hat an der Uhr gedreht

Nordkorea hat eine neue Standardzeit eingeführt. Südkorea übt Kritik und fürchtet wirtschaftliche und politische Folgen. Derweil droht Pjöngjang seinem Nachbarn mit dem Beschuss von Lautsprecheranlagen.
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SeoulNach der Wiederaufnahme von Propaganda-Durchsagen durch Südkorea an der Grenze hat Nordkorea mit dem Beschuss der Lautsprecheranlagen gedroht. Das Frontkommando der Volksarmee forderte Südkorea am Samstag auf, die Beschallungsaktion sofort zu stoppen. Nordkorea werde sonst „eine Militäraktion starten, um alle Mittel der anti-nordkoreanischen psychologischen Kriegsführung zu zerstören“, wurde das Kommando von den staatlichen Medien zitiert. Die Durchsagen kämen einer Kriegserklärung gleich.

Südkorea reagierte mit der Wiederaufnahme der Durchsagen nach elfjähriger Unterbrechung auf die schwere Verletzung von zwei seiner Soldaten durch die Explosion von mutmaßlich nordkoreanischen Landminen. Südkorea wirft der Volksarmee vor, die Minen im südlichen Teil der entmilitarisierten Zone (DMZ) zwischen beiden Ländern vergraben zu haben. Das kommunistische Regime in Pjöngjang bestreitet das.

Nordkorea reagiert auf Propaganda, die sich gegen das Regime richtet, in der Regel sehr empfindlich. Am Freitag hatte das Land gedroht, Südkorea in ein „Meer aus Feuer“ zu verwandeln, wenn Propaganda-Flugblattaktionen durch private südkoreanische Organisationen nicht gestoppt würden. Die Gruppen benutzen dabei Ballons, um die Flugblätter über die Grenze zu schicken.

Derweil haben die Menschen in Nordkorea am Freitag Mitternacht gleich doppelt erlebt und sind am Samstag zu einer neuen Uhrzeit aufgewacht. Wie vor gut einer Woche angekündigt ließ die Regierung in Pjöngjang die Uhren eine halbe Stunde zurückdrehen, um damit ein Zeichen gegen die japanische Kolonialzeit zu setzen. Das Staatsfernsehen zeigte mehrere Nordkoreaner in traditioneller Kleidung, die zur Feier der Uhrenumstellung eine riesige Glocke läuteten. Landesweit gingen in Fabriken, auf Schiffen und in Zügen die Sirenen an.

Die Nutzung der sogenannten „Pjöngjang-Zeit“, die nun 30 Minuten hinter der bisherigen Zeit und damit auch hinter der des Nachbarn Südkorea liegt, habe zum Ziel, „alle Spuren der japanischen Kolonialherrschaft zu beseitigen“, verkündete der Fernsehansager. Nordkorea feiert am Samstag das Ende der japanischen Kolonialherrschaft über die Koreanische Halbinsel vor 70 Jahren. Sie dauerte von 1910 bis 1945.

Südkorea hatte die Pläne Nordkoreas kritisiert. Nach Überzeugung von Seoul sind kurzfristig Nachteile für den gemeinsam auf nordkoreanischem Territorium betriebenen Industriekomplex Kaesong zu befürchten. Langfristig würden dadurch auch die Bemühungen zurückgeworfen, die Unterschiede zwischen beiden Staaten abzubauen, was letztlich eine Wiedervereinigung der Halbinsel erschwert. Der Norden wiederum warf dem Süden vor, weiterhin unter Japans Kontrolle zu stehen, weil es an derselben Uhrzeit wie Tokio festhalte.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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