Nordkorea

Kim Jong Un lässt Verteidigungsminister hinrichten

Die Anklage lautete „Illoyalität und Respektlosigkeit“ gegenüber Nordkoreas Staatschef: Angeblich wurde Verteidigungsminister Hyon Yong Chol deshalb Ende April hingerichtet – offenbar mit Flugabwehrgeschützen.
Update: 13.05.2015 - 07:31 Uhr 15 Kommentare

Kim Jong Un lässt Verteidigungsminister hinrichten

SeoulNordkoreas Staatschef Kim Jong Un hat nach Geheimdienstinformationen seinen Verteidigungsminister Hyon Yong Chol abgesetzt und vor Publikum hinrichten lassen. Der Hinrichtung des Ministers mit Flugabwehrgeschützen hätten am 30. April hunderte nordkoreanische Behördenvertreter zugesehen, sagte der Vize-Chef des südkoreanischen Geheimdienstes NIS, Han Ki Beom, nach Angaben der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap am Mittwoch vor einem Parlamentsausschuss. Hyon war zu Kims engsten Umfeld gezählt worden.

Yonhap berief sich in dem Bericht auf einen Abgeordneten, der an der Ausschusssitzung mit dem Geheimdienstvertreter teilgenommen hatte und südkoreanische Reporter drüber informierte. NIS-Vize Han sagte demnach, mit der Hinrichtung in einer Militärakademie im Norden von Pjöngjang sei Hyon für „Untreue und Respektlosigkeit“ gegenüber Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un bestraft worden. Der Minister sei dabei ertappt worden, wie er bei offiziellen Militärveranstaltungen eindöste. Außerdem habe er Kim Widerworte gegeben. Laut unbestätigten Berichten aus Geheimdienstquellen beging Hyon einen nicht näher spezifizierten Verrat.

Die Exekution in der Militärakademie wurde den Angaben zufolge mit Flakfeuer vollzogen. Unbestätigten Berichten zufolge ist im kommunistischen Nordkorea diese Methode hochrangigen Regierungsvertretern vorbehalten, an denen die Führung ein Exempel statuieren will. Im April hatte die in den USA ansässige Organisation Commitee for Human Rights in Korea Satellitenbilder von Mitte Oktober veröffentlicht, die die Militärakademie zeigten. Zu sehen war eine Schießanlage mit Flugabwehrgeschützen, die offenbar in Vorbereitung einer Hinrichtung aufgereiht waren.

Ende April war aus südkoreanischen Geheimdienstkreisen verlautet, dass Kim 15 Widersacher aus den Reihen der Regierung habe hinrichten lassen, darunter zwei Vize-Minister. Sie hätten sich über Kims Anweisungen beklagt.

Hyon hatte den Posten des Verteidigungsministers erst vor knapp einem Jahr übernommen. Zuletzt wurde er bei Musikaufführungen am 27. und 28. April in der Öffentlichkeit gesehen.

In Nordkorea ist der Verteidigungsminister vor allem für die Logistik und den internationalen Austausch der Armee zuständig. Die Ausrichtung der Verteidigungspolitik obliegt der mächtigen Nationalen Verteidigungskommission und der Zentralen Militärkommission der Kommunistischen Partei.

„Ein unerfahrener Führer“
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15 Kommentare zu "Nordkorea: Kim Jong Un lässt Verteidigungsminister hinrichten"

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  • der Verteidigungsminister muß aber ein harter Knochen sein wenn er nun doch Lebt, und seine Hinrichtung mit dem Flackgeschütz überlebt hat, gell?

  • Kim Jong-un läßt Verteidigungsminister hinrichten
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    Er soll bei einer Jubelfeier eingenickt sein.
    Er wurde mit einer Luftabwehrrakete getötet. Das ist dort so üblich.
    Vorher hatte er auch schon seinen Onkel an die Hunde verfüttert und seine Tante vergiftet.
    Das ist eine "politische Säuberung".

  • "mit Flugabwehrgeschützen"
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    Tatsachenmeldung?, Hintergründe?, ...
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    vielleicht eine standesgemäße Art des gewaltsamen Verscheidens für einen Militär in diesem Absurdisthan von Land. Hat der Verteidigungsmininster mit der seinem Amt eigenen Gesamtschau auf das System dessen Absurdität erkannt und wollte nicht mehr funktionnieren, konnte er nicht ertragen, dass der ihm Nachgebore, dieser Knabe, mächtiger war als er selbst, ...?
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    Wie immer sich das auch verhalte, diese Meldung hebt ins Bewußtsein, was für Menschen den Finger am Drücker von Atomraketen haben. Die Menschen in Hiroshima und Nagasaki haben nie im Traum daran gedacht, dass ihnen eine Gefahr droht.
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    Die atomare Bedrohung ist ein Damoklesschwert, was verdrängt über der Menschheit schwebt, auch durch technisches und menschliches Versagen.

    Dass Russland die vertragliche Zusage, als Gegenleistung für die Aufgabe der Atomwaffen durch die Ukraine deren territoriale Integrität achten werde, diese gebrochen hat, ist sicher alles andere als dienlich für die weltweite Eindämmung der atomaren Gefahr. Ab und an bin ich schon ratlos ob dessen, was hier auf diesem unseren Erdenball sich abspielt.

  • Wenn sich ein ganzes Volk von einem dicken,verwöhnten,verzogenen Kind tyrannisieren lässt,dann hat es nichts Besseres verdient.

  • der kleine dicke Finger hat ja nicht alle Tassen im Schrank; als Vorbild für seine unterernährten Soldaten sollte der große Führernachfolger doch mal dynamisch auf die militärische Sturmbahn; um an der Eskaladierwand wie ein nasser Sack abzuhängen.

    Ich finde die Nordkoreaner sind ein komisches Volk; wirkt jedenfalls so auf mich. Sich von so einem Hampelmann rumkommandieren zu lassen.

  • Ist das nicht der Typ der im letzten Jahr neben Dieter Bohlen in der DSDS Jury gesessen hat?

  • Eine Hinrichtung mittels Flugabwehrgeschützen scheint mir humaner zu sein, als eine mit dem elektrischen Stuhl oder der Giftspritze. Und das was dann noch von der Person übrig bleibt, ist leicht kompostierbar.

  • Die Zerstörung dieser Nation begann bereits bei der Machtergreifung der Kommunisten.

  • da kann man nur froh sein, dass man bei uns eine derart offenherzige und aufrichtige, den bürger über alles informierende informationskultur herrscht. ein ineffizienter untersuchungsausschuß reiht sich an den nächsten, damit der bürger über alle noch so kleinen details seines unbändigen informationsbedürfnisses, ihn selbst betreffend, unterrichtet wird. kleine informationspannen kann man natürlich nie ausschließen.

  • Solche Nachrichten werden selten von Diktatoren bzw. von einem Polizeistaat kommentiert bzw. bestätigt.

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