Nordkorea
Kim Jong-Un und sein „atomarer Joker“

Die Sorgen über Nordkoreas Atomprogramm sind groß. Sanktionen und mahnende Worte halfen bislang nichts. Ein Experte glaubt, dass das abgeschottete Land bis Ende des Jahres über 20 Atombomben verfügen könnte.

SeoulNordkorea könnte bis Ende des Jahres über genug Material für bis zu 20 Atombomben verfügen. Dies geht aus einem Bericht von Waffenexperten der Johns Hopkins Universität hervor. Das abgeschottete Land habe den Prozess der Urananreicherung derart beschleunigt, dass es zusammen mit seinem Vorrat an Plutonium etwa sechs Atombomben pro Jahr herstellen könne, erklärte darin am Montag Siegfried Hecker, ehemaliger Leiter der US-Forschungseinrichtung Los Alamos. Am Freitag hatte Nordkorea ungeachtet internationaler Sanktionen zum fünften Mal einen Atomtest unternommen und damit international für Aufregung gesorgt.

Die Experten schätzen die jährliche Produktionsmenge Nordkoreas auf bis zu 150 Kilogramm Uran und den Plutonium-Vorrat auf bis zu 54 Kilogramm. Beide Stoffe können zum Bau von Atomwaffen genutzt werden. Zwar können die Plutoniumvorräte Nordkoreas mit Hilfe von Satellitenbildern vergleichsweise genau geschätzt werden. Dagegen können westliche Experten nicht erkennen, wie fortgeschritten das Uranprogramm ist. Jeffrey Lewis vom kalifornischen Middlebury Institute of International Studies sagte, Nordkorea könne wahrscheinlich an zwei Standorten hochangereichertes Uran für den Bombenbau produzieren. Hecker nannte die Uranproduktion Nordkoreas „neuen atomaren Joker“.

Parallel dazu arbeitet Nordkorea an der Entwicklung ballistischer Trägerraketen. Südkoreanischen Geheimdiensterkenntnissen zufolge hat der Norden Fortschritte bei der Verkleinerung von atomaren Sprengköpfen erzielt, so dass sie mit derartigen Waffen eingesetzt werden können.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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