Nordkorea-Konflikt

Chinas Präsident Xi mahnt Trump zu Zurückhaltung

Chinas Präsident Xi hat in einem Telefonat mit US-Präsident Trump zur Mäßigung im Nordkorea-Konflikt aufgerufen. Man sei sich aber einig, dass Pjöngjang sein „provokatives und eskalierendes Verhalten“ beenden müsse.
Update: 12.08.2017 - 16:57 Uhr Kommentieren

„Für eine gute militärische Lösung in Nordkorea ist es zu spät“

„Für eine gute militärische Lösung in Nordkorea ist es zu spät“

PekingChina hat im Konflikt um Nordkorea sowohl Washington als auch Pjöngjang zur Zurückhaltung aufgerufen. In einem Telefonat mit US-Präsident Donald Trump mahnte Staats- und Parteichef Xi Jinping „die betreffenden Parteien, Bemerkungen und Aktionen zu vermeiden, die die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel eskalieren könnten“, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Auch der französische Präsident Emmanuel Macron appellierte „an die Verantwortung aller, jede Eskalation der Spannungen zu verhindern“.

Japan hat unterdessen Raketenabwehrsysteme stationiert. Es reagierte damit auf nordkoreanische Drohungen, Raketen in Richtung der Pazifikinsel Guam, einem US-Außengebiet, abzuschießen. Die Boden-Luft-Raketen vom Typ Patriot wurden quer zur möglichen Flugbahn nordkoreanischer Geschosse in vier westjapanischen Präfekturen aufgestellt, wie die Nachrichtenagentur Kyodo am Samstag meldete. Die japanische Regierung sagte, man wolle sich auf die Möglichkeit vorbereiten, dass Pjöngjangs Flugkörper über Japan versagen sollten.

Das Telefonat mit Xi war von Trump ausgegangen. China ist ein Verbündeter und Handelspartner Nordkoreas, hatte aber vor einer Woche im UN-Sicherheitsrat für verschärfte Sanktionen gegen Pjöngjang wegen des Atom-und Raketenprogramms gestimmt. Das Weiße Haus stellte das Telefonat am Freitagabend (Ortszeit) positiver für die USA dar als die chinesische Seite. Demnach waren sich beide Staatschefs darin einig, dass Pjöngjang „sein provokatives und anheizendes Verhalten beenden muss“.

Beide Präsidenten stimmten auch darin überein, dass die jüngste UN-Resolution mit scharfen Sanktionen „ein wichtiger und notwendiger Schritt“ sei, um Frieden und Stabilität auf der koreanischen Halbinsel wiederherzustellen, hieß es in Washington weiter. Das Weiße Haus hob zudem hervor, dass das Verhältnis zwischen Trump und seinem chinesischen Amtskollegen „extrem eng“ sei und „hoffentlich zu einer friedlichen Lösung des Nordkorea-Problem führen wird“.

Xinhua zufolge bekräftigte Xi in dem Telefonat, dass China bereit sei, mit den USA zusammenzuarbeiten, um die Probleme „angemessen zu lösen“. Allerdings will Trump nach Medienberichten jetzt offiziell Chinas Handelspraktiken untersuchen lassen. Das könnte die Beziehungen zwischen beiden Staaten belasten und eine Kooperation zur Lösung des Nordkorea-Konflikts erschweren.

Trump werde die Untersuchung, bei der es hauptsächlich um den China zur Last gelegten massiven Diebstahl geistigen Eigentums gehen solle, voraussichtlich am Montag in Washington bekanntgeben. Xi habe er in dem Telefonat darüber informiert, hieß es unter Berufung auf Regierungsbeamte weiter. Das sei auch der Anlass von Trumps Anruf gewesen. Xi sei dann auf Nordkorea zu sprechen gekommen und habe Trump zur Mäßigung aufgerufen.

Die Spannungen zwischen Washington und Pjöngjang hatten sich nach Nordkoreas jüngsten Tests von Langstreckenraketen verschärft, die potenziell die USA erreichen könnten. Danach reagierte Pjöngjang wütend auf den Sanktionsbeschluss des UN-Sicherheitsrates, der auf Drängen der USA zustande kam.

Seitdem hat sich die kriegerische Rhetorik zwischen Nordkorea und den USA immer stärker hochgeschaukelt. So hatte Trump Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un zuletzt am Freitag gewarnt, dass die USA militärisch „voll einsätzfähig“ seien.

Neben den USA spielt China eine Schlüsselrolle in dem Konflikt und bei der Umsetzung der Sanktionen. Mehr als 80 Prozent des nordkoreanischen Handels fließt über den großen Nachbarn. Die USA wollen, dass Peking den Druck auf Pjöngjang verschärft. Chinas Führung hofft hingegen, dass die USA auf Nordkorea zugehen und dessen Sicherheitsbesorgnisse ernst nehmen. China hat vorgeschlagen, dass die USA ihre Manöver mit Südkorea einstellen, während Nordkorea sein Atom- und Raketenprogramm aussetzt, um Verhandlungen aufzunehmen.

Die Bedeutung der Insel Guam
Die US-Stützpunkte auf Guam
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Auf Guam gibt es zwei bedeutende Militärstützpunkte, den Luftwaffenstützpunkt Andersen im Norden der Insel und eine zur Marine gehörende Basis im Süden. Zwischen ihnen liegt der Touristenbezirk Tumon mit Hotelanlagen und Resorts. Der Marine-Stützpunkt kann bis zum Jahr 1898 zurückverfolgt werden, als die USA Guam von Spanien nach dem Spanisch-Amerikanischen-Krieg übernahmen.

Luftwaffenbasis seit dem zweiten Weltkrieg
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Die Basis der Luftwaffe wurde 1944 während des Zweiten Weltkriegs gebaut, als die USA sich darauf vorbereiteten, Bomber nach Japan zu schicken. Der Andersen-Stützpunkt hält heute eine Hubschrauberstaffel und Langstreckenbomber, die zwischen Guam und dem US-Festland hin- und herfliegen. Am Marine-Stützpunkt befinden sich vier nuklear betriebene U-Boote zum Schnellangriff und zwei U-Boot-Begleitschiffe.

Die Bewohner von Guam
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Auf Guam sind 7.000 Einsatzkräfte des US-Militärs stationiert, die meisten davon Soldaten der Luftwaffe oder der Marine. Die Armee plant, zusätzlich Tausende Marinesoldaten von Okinawa im Süden Japans nach Guam zu verlegen. Die Gesamtbevölkerung der Insel liegt bei rund 160.000. Die Einwohner des US-Überseegebiets im Pazifik haben Angst, dass sie in die Schusslinie des Atomstreits zwischen Nordkorea und den USA geraten könnten.

Geostrategische Bedeutung
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Die Insel hat große strategische Bedeutung: Guam liegt nur einen kurzen Flug von der Koreanischen Halbinsel entfernt, ebenso von anderen potenziellen Krisenherden in Ostasien. Seoul liegt rund 3.200 Kilometer nordwestlich von Guam, Tokio 2.400 Kilometer nördlich und Taipeh 2.700 Kilometer westlich. Da Guam Außengebiet der Vereinigten Staaten ist, können die USA jederzeit Kräfte von dort einsetzen, ohne dass das Land Sorge haben müsste, dass eine Gast-Nation möglicherweise Einwände gegen die Aktionen des US-Militärs haben könnte.

U-Boote auf Guam
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Die U-Boote des Marinestützpunktes sind wichtig, um Informationen in der Region - etwa von der Koreanischen Halbinsel und aus dem Südchinesischen Meer - zu sammeln. In Letzterem hat China Militärstützpunkte auf künstlichen Inseln aufgebaut.

US-Militär auf Guam
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Im Jahr 2004 haben die USA damit begonnen, Langstreckenbomber der Typen B-2, B-1 und B-52 wechselweise zum Stützpunkt Andersen zu schicken. Ziel war die Kompensation von Streitkräften, die aus dem asiatisch-pazifischen Raum für Kämpfe im Nahen Osten abgezogen wurden. Zudem hatte Nordkorea damals seine Bemühungen um die Entwicklung seines Atomwaffenprogramms erhöht. 2013 schickte die US-Armee das Raketenabwehrsystem THAAD nach Guam, das ballistische Raketen in ihrer finalen Flugphase zerstören kann.

Bevölkerung und Regierung
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Die Insel wurde erstmals vor rund 4.000 Jahren von den Vorfahren des Volks der Chamorro besiedelt. Die Chamorro machen auch heute noch die größte ethnische Gruppe der Insel aus. Die Hauptstadt Guams ist Hagatna, die größte Stadt ist mit rund 45.000 Einwohnern jedoch Dededo. Die Hauptsprachen sind Englisch und Chamorro. Auf der Insel gibt es populäre Bewegungen, die entweder mehr in Richtung Eigenverwaltung oder hin zum US-Beitritt tendieren. In den 1980er-Jahren gab es zudem einen Versuch, Guam zu einem US-Freistaat nach Vorbild Puerto Ricos zu machen. Der Versuch scheiterte jedoch.

Nordkoreas Propagandaorgan „Rodong Sinmun“ berichtete, dass seit der Verhängung der Sanktionen vor einer Woche rund 3,5 Millionen Nordkoreaner einen Antrag gestellt hätten, sich dem Militär anschließen zu können. Das 25 Millionen Einwohner zählende Nordkorea hat mit mehr als 1,1 Millionen aktiven Soldaten die zahlenmäßig größte Armee der Welt. Allerdings führen die Streitkräfte auch viele zivile Tätigkeiten aus, etwa im Straßenbau oder der Feldarbeit. Jeder männliche Nordkoreaner ist verpflichtet, einen zehnjährigen Wehrdienst abzuleisten.

Auf Warnungen vor einer Eskalation der Krise von Bundeskanzlerin Angela Merkel will Trump nicht näher eingehen. „Lasst sie für Deutschland sprechen“, sagte Trump am Freitag. Merkel hatte nach den gegenseitigen Drohungen der USA und Nordkoreas erklärt: „Ich bin der festen Überzeugung, dass die Eskalation der Sprache nicht zu einer Lösung des Konflikts beitragen wird.“ Auch sehe sie keine militärische Lösung. Wichtig sei die internationale Abstimmung, besonders zwischen den USA und China, aber auch mit Südkorea und Japan.

Experte: Nordkorea kann USA kaum gefährden
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