Nordkorea-Konflikt
Das Raketen-Arsenal des Kim Jong-Un

US-Präsident Donald Trump droht Nordkoreas Diktator mit „Feuer und Wut“. Wenig später reagiert Kim Jong-Un – und kündigt einen Angriff auf die US-Pazifikinsel Guam an. Doch wie ausgereift sind Kims Raketen eigentlich?
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Nordkorea prüft nach eigenen Angaben einen militärischen Schlag gegen Guam im Westpazifik. Die Streitkräfte zögen eine solche Attacke „auf Guam ernsthaft in Erwägung“, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Mittwoch. Der Plan zum Angriff könne „jederzeit“ ausgeführt werden, sobald Machthaber Kim Jong-Un die Entscheidung dazu treffe, sagte ein Militärsprecher. Die USA sollten ihre „rücksichtslosen militärischen Provokationen“ unterlassen, so dass man nicht „gezwungen“ sei, eine „unvermeidliche militärische Entscheidung“ zu treffen.

Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump den gefährlichen Konflikt mit Nordkorea durch seine Drohung mit „Feuer, Wut und Macht“ weiter angefacht. Mit der extremen Wortwahl des US-Präsidenten wächst die Sorge, dass sich beide Kontrahenten weiter aufschaukeln. Beobachtern in Seoul fiel auf, dass die Drohung Nordkoreas mit einem Angriff auf die Pazifikinsel Guam zumindest gemessen an der üblichen, wilden Kriegspropaganda fast differenziert wirkte.

Die Drohung war auch keineswegs neu und schon früher ähnlich geäußert worden. Das US-Außengebiet liegt rund 3400 Kilometer von der koreanischen Halbinsel entfernt. Experten nehmen an, dass Pjöngjang im Besitz mehrerer Raketen ist, die Guam potenziell erreichen könnten. Unklar ist jedoch, ob die Raketen in Guam auch tatsächlich Schaden anrichten könnten. Ein Überblick über Raketentypen, die möglicherweise fähig sind, die Insel zu erreichen.

Hwasong-12

Das nordkoreanische Militär erklärte am Mittwoch, dass es einen Angriff auf Guam prüfe, bei dem die Insel in „Feuer gehüllt“ werden sollte. Dafür wolle die Armee die ballistische Mittelstreckenrakete Hwasong-12 verwenden, die Nordkorea erstmals im Mai dieses Jahres erfolgreich getestet hatte. Die Rakete wird mit Flüssigtreibstoff betrieben und kann von mobilen Bodenstationen abgeschossen werden. Nordkorea hatte in der Vergangenheit bereits gedroht, mit einer Rakete dieses Typs Alaska oder Hawaii erreichen zu können. Flugdaten des Tests im Mai legten nahe, dass die Hwasong-12 zwischen 4000 und 7000 Kilometer weit fliegen könnte. Im Juli testete Nordkorea dann die Hwasong-14, eine interkontinentale ballistische Rakete. Experten nehmen an, dass ein Großteil des US-Festlandes in Reichweite dieser Raketen liegt, wenn das System ausgereift ist.

Musudan

Analysten sagen, die mit Flüssigtreibstoff betriebene Rakete hat das Potenzial, bis zu 3500 Kilometern weit zu fliegen – was einen großen Teil Asiens und Inseln im Pazifik zu Zielen machen könnte. Nordkorea scheiterte mit mehreren Starts des Raketentyps, bevor im Juni vergangenen Jahres ein erfolgreicher Abschuss gelang. Zuvor war die Rakete jedoch bereits bei Militärparaden präsentiert worden. Der nordkoreanische Machthaber Kim Jon Un sagte damals, seine Nation sei fähig, die Pazifik-Einsätze der Amerikaner anzugreifen.

Pukguksong-2

Die ballistische Mittelstreckenrakete befindet sich derzeit in Entwicklung. Im Februar dieses Jahres war der mit Festbrennstoff betriebene Raketentyp erstmals erfolgreich getestet worden. Drei Monate später gab Pjöngjang bekannt, dass die Land-Variante der eigentlich von U-Booten abgeschossenen Rakete so weit ausgereift sei, dass sie nach einem weiteren erfolgreichen Start in Massenproduktion gehen könnte. Experten sagen, dass die militärischen Fähigkeiten Nordkoreas mit der Pukguksong-12 gestiegen seien, weil Raketen, die festen Brennstoff nutzen, schneller und geheimer abgeschossen werden können als die mit Flüssigbrennstoff. Diese müssen vor dem Abschuss aufgefüllt und per Lkw transportiert werden, was möglicherweise von Überwachungssatelliten registriert werden könnte.

Nordkorea nennt die Pukguksong-12 eine „strategische Mittel- bis Langstreckenrakete“, den gleichen Begriff nutzt es auch für die Hwasong-12. Einige südkoreanische Experten sagen, die Rakete sei fähig, Guam zu erreichen. Mitarbeiter des südkoreanischen Verteidigungsministerium erklärten nach dem Test der Rakete im Mai jedoch, dass die Reichweite bei etwa 2000 Kilometern läge, was genug sei, um US-Stützpunkte in Japan zu erreichen, nicht aber Guam.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • @Herr Helmut Metz

    Mit Ihren Ausführungen ist Ihnen ein guter informativer Kommentarbeitrag gelungen.

    Folgt man der nicht als abwegig zu bezeichnenden Logik, wonach sich ein atomar bedrohtes Land gegen Vorgänge in einem Nachbarland wehren wird, folgt für mich daraus, dass es ein Wunschtraum (von mir) ist, dass die USA ihre in Deutschland, jüngst erst modernisierten stationierten Kernwaffen nach Polen verlegen sollen.

    Legt man dem Handeln Russlands weiter zugrunde, dass die USA maßgeblich mit finanziellen Mitteln den Umsturz in der Ukraine herbeigeführt haben, passt das Sicherheitsdenken Russlands.

    In Sachen Maidan ist es auch bezeichnend, dass die ukrainische Regierung seit Jahren keinen präsentiert, der für die Heckenschützen verantwortlich zeichnet. Meine Meinung ist, die könnten dies, wollen es aber nicht.

  • (Nachtrag)
    "In dem Moment, wo eine Seite ernsthaft Bemühungen anstellen würde, dieses atomare Abschreckungsszenario zu durchbrechen, stünde der Atomkrieg unmittelbar vor der Tür..."

    Genau das ist auch jenseits aller Propaganda der EIGENTLICHE GRUND, weshalb Russland 2014 in der Ukraine reagieren musste: die Alternative zum Handeln damals wäre nämlich schlicht und ergreifend ein Atomkrieg gewesen!!!
    "Als man dann Richtung Osten marschierte, um diese Gebiete (Krim und
    Ostukraine) offiziell militärisch zu besetzen und sogar atomar zu bewaffnen,
    setzte der russische Selbsterhaltungstrieb ein. Feindliche Atomwaffen in diesen
    herznahen Gebieten?
    Die Vorwarnzeiten für die russische Abwehr im Falle eines Angriffs wären viel zu
    kurz gewesen. Moskau und Petersburg, wie auch entscheidende militärische
    Anlagen, wären bereits pulverisiert gewesen bevor WK III überhaupt richtig
    begonnen hätte. Sobald aber die «Nationale Sicherheit» (ein Begriff, der in den
    USA fortlaufend für die höchst fragwürdigsten Maßnahmen gebraucht und auch
    angewendet wird), ins Spiel kommt, hören alle Politspäßchen auf.
    Die Russen handelten blitzartig. Sie werden sich auch aus diesen beiden Gebieten niemals wieder zurückziehen, eben wegen der nationalen Sicherheit und den Vorwarnzeiten. Würden Nuklearwaffen an ihre Grenzen geschafft, würden sie notgedrungen diese Waffen mit allem militärischem Nachdruck beseitigen, gleich was die globalen Folgen wären. Bevor die eigene Auslöschung droht, wehrt man sich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Sollte der Westen dieses eine tödliche Tabu verletzen, hätte WK III begonnen."
    http://www.profbocker.ch/own_docs/pdf/Kalter_Krieg_II_Teil_2.pdf

  • @ Joachim Sels
    "Russiche und amerikanische Atomraketen scheinen ja jeweils durch die beidseitig installierten Raketenabwehrsysteme neutralisierbar zu sein. Und da soll irgendein Zwergenstaat wie Nordkorea wirklich ernsthaft in der Lage sein, mit seinen sicher eher zweitklassigen Interkontinentalraketen speziell die USA erbsthaft zu bedrohen ?"

    Nein, Interkontinentalraketen sind ZUM GLÜCK nicht durch die gegnerische Seite neutralisierbar. Genau darauf beruht nämlich das atomare Abschreckungsszenario. In dem Moment, wo eine Seite ernsthaft Bemühungen anstellen würde, dieses atomare Abschreckungsszenario zu durchbrechen, stünde der Atomkrieg unmittelbar vor der Tür - weil die gegnerische Seite dann einen Erstschlag vorziehen würde, um später nicht selber ausgelöscht zu werden. Glauben Sie mir: genau darauf sind ein großer Teil der Geheimdienstressourcen der Atommächte gerichtet.
    Wie wichtig dieses "Gleichgewicht des Schreckens" für das Überleben der Menschheit ist, hatte übrigens als einer der ersten der sowjetische Atomphysiker, Dissident und (verdienter!!) Friedensnobelpreisträger Andrei Sacharow erkannt (obwohl später bei ihm in diesem Punkt ein Umdenken stattfand):
    "Er war davon überzeugt, wie er in seinen Memoiren schrieb, dass ein nukleares Gleichgewicht die Welt vor der Zerstörung bewahren könne..."
    https://de.wikipedia.org/wiki/Andrei_Dmitrijewitsch_Sacharow

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