Nordkorea-Konflikt „Feuer und Zorn“-Warnung war laut Trump wohl nicht genug

US-Präsident Donald Trump setzt im Konflikt mit Nordkorea weiterhin nicht auf Deeskalation. Im Gegenteil: Zu seiner „Feuer und Zorn“-Warnung sagte er nun, diese Aussage sei vielleicht nicht hart genug gewesen.
Update: 11.08.2017 - 00:13 Uhr Kommentieren

BridgewaterUS-Präsident Donald Trump hat Nordkorea ein weiteres Mal vor militärischen Maßnahmen gegen die USA, insbesondere gegen das Pazifik-Außengebiet Guam gewarnt. „Wir bereiten uns auf eine Menge verschiedener Optionen vor“, sagte Trump am Donnerstag nach einem Sicherheitsbriefing in seinem Urlaubsquartier in Bedminster (New Jersey). „Wenn er etwas in Guam unternimmt, dann wird es ein Ereignis sein, wie es noch niemand zuvor gesehen hat, was in Nordkorea passiert“, sagte Trump an die Adresse Kim Jong Uns.

Der US-Präsident verwies erneut darauf, dass das US-Atomwaffenarsenal in einem guten Zustand sei. „Es ist in Tip-Top-Verfassung“, sagte er. „Niemand, das gilt auch für Nordkorea, sollte uns mit irgendetwas bedrohen“, betonte er. Er kündigte auch an, dass die USA ihre Raketenabwehr aufstocken werden. Er werde dafür einen signifikanten Milliardenbetrag bereitstellen, sagte Trump.

Insgesamt sei es sein Ziel, die gesamte Welt von Atomwaffen zu befreien, sagte der US-Präsident weiter. Die nukleare Bedrohung sei die größte in der Welt. Das gelte nicht nur für Nordkorea, sondern auch für alle anderen Atommächte. Solange dies aber nicht erreicht sei, würden die USA die stärkste und schlagkräftigste Atommacht bleiben.

„Nordkorea sollte sich zusammenreißen, sonst wird es große Probleme geben“

„Nordkorea sollte sich zusammenreißen, sonst wird es große Probleme geben“

Schon vor der Konferenz hatte Trump eine neue Drohgebärde in Richtung Nordkorea losgelassen. „Nordkorea kriegt besser die Kurve oder sie werden in Schwierigkeiten sein, wie es wenige Nationen jemals gewesen sind“, sagte Trump am Donnerstag in seinem Golfclub im US-Staat New Jersey. Zu seiner „Feuer und Zorn“-Warnung in Richtung Pjöngjang sagte er, vielleicht sei diese Aussage nicht hart genug gewesen.

Der Präsident weilt seit einigen Tagen in seinem Golfclub. Er sprach kurz mit Reportern, ehe das Sicherheits-Briefing mit seinen Topberatern anstand.

Der Konflikt zwischen den USA und Nordkorea hatte sich zuvor am Donnerstag weiter hochgeschaukelt. Das nordkoreanische Militär erklärte, ein Angriff auf das US-Außengebiet Guam könnte bereits innerhalb einer Woche von Staatschef Kim Jong Un angeordnet werden. Die angedrohten Raketen sollten zwar nicht die westpazifische Insel selbst treffen, sondern im Meer einschlagen. Es wäre aber dennoch der bisher provokativste Raketeneinsatz Nordkoreas. Japan und Südkorea versprachen für einen solchen Fall Vergeltung.

In einer Mitteilung, die das nordkoreanische Militär am Donnerstag über die staatliche Nachrichtenagentur KCNA verbreitete, hieß es, der Plan, vier Raketen vom Typ Hwasong-12 Richtung Guam abzufeuern, sei beinahe fertiggestellt. Demnach sollen die Raketen über Japan hinwegfliegen und 30 bis 40 Kilometer vor der Küste Guams im Meer einschlagen. Ob es tatsächlich dazu komme, sei aber eine Entscheidung Kims.

Die Tatsache, dass der vorgestellte Plan so spezifisch ist, deutet darauf hin, dass Nordkorea tatsächlich einen Raketenstart vorbereitet. Die Raketen würden die japanischen Präfekturen Shimane, Hiroshima und Koichi überfliegen und nach 1065 Sekunden vor der Küste Guams einschlagen, hieß es.

Sollte Nordkorea diesen Drohungen auch tatsächlich Taten folgen lassen, würden die USA mit Sicherheit versuchen, die Raketen abzufangen. Der Konflikt würde damit eine bisher nie da gewesene Eskalationsstufe erreichen.

Viele Beobachter vermuten hinter der Drohung lediglich einen weiteren rhetorischen Konter der Regierung in Pjöngjang, nachdem ihr Trump martialisch mit „Feuer und Zorn“ gedroht und die Fähigkeit seines Atomwaffenarsenals herausgestellt hatte.

Für den Fall, dass der Norden den Angriff aber tatsächlich durchziehen sollte, drohte die Regierung in Südkorea mit harten Konsequenzen. Der japanische Verteidigungsminister Itsunori Onodera kündigte an, ebenfalls auf Seiten der USA einzugreifen, weil bei einem solchen Angriff auch die Existenz Japans bedroht sei.

Die Bedeutung der Insel Guam
Die US-Stützpunkte auf Guam
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Auf Guam gibt es zwei bedeutende Militärstützpunkte, den Luftwaffenstützpunkt Andersen im Norden der Insel und eine zur Marine gehörende Basis im Süden. Zwischen ihnen liegt der Touristenbezirk Tumon mit Hotelanlagen und Resorts. Der Marine-Stützpunkt kann bis zum Jahr 1898 zurückverfolgt werden, als die USA Guam von Spanien nach dem Spanisch-Amerikanischen-Krieg übernahmen.

Luftwaffenbasis seit dem zweiten Weltkrieg
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Die Basis der Luftwaffe wurde 1944 während des Zweiten Weltkriegs gebaut, als die USA sich darauf vorbereiteten, Bomber nach Japan zu schicken. Der Andersen-Stützpunkt hält heute eine Hubschrauberstaffel und Langstreckenbomber, die zwischen Guam und dem US-Festland hin- und herfliegen. Am Marine-Stützpunkt befinden sich vier nuklear betriebene U-Boote zum Schnellangriff und zwei U-Boot-Begleitschiffe.

Die Bewohner von Guam
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Auf Guam sind 7.000 Einsatzkräfte des US-Militärs stationiert, die meisten davon Soldaten der Luftwaffe oder der Marine. Die Armee plant, zusätzlich Tausende Marinesoldaten von Okinawa im Süden Japans nach Guam zu verlegen. Die Gesamtbevölkerung der Insel liegt bei rund 160.000. Die Einwohner des US-Überseegebiets im Pazifik haben Angst, dass sie in die Schusslinie des Atomstreits zwischen Nordkorea und den USA geraten könnten.

Geostrategische Bedeutung
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Die Insel hat große strategische Bedeutung: Guam liegt nur einen kurzen Flug von der Koreanischen Halbinsel entfernt, ebenso von anderen potenziellen Krisenherden in Ostasien. Seoul liegt rund 3.200 Kilometer nordwestlich von Guam, Tokio 2.400 Kilometer nördlich und Taipeh 2.700 Kilometer westlich. Da Guam Außengebiet der Vereinigten Staaten ist, können die USA jederzeit Kräfte von dort einsetzen, ohne dass das Land Sorge haben müsste, dass eine Gast-Nation möglicherweise Einwände gegen die Aktionen des US-Militärs haben könnte.

U-Boote auf Guam
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Die U-Boote des Marinestützpunktes sind wichtig, um Informationen in der Region - etwa von der Koreanischen Halbinsel und aus dem Südchinesischen Meer - zu sammeln. In Letzterem hat China Militärstützpunkte auf künstlichen Inseln aufgebaut.

US-Militär auf Guam
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Im Jahr 2004 haben die USA damit begonnen, Langstreckenbomber der Typen B-2, B-1 und B-52 wechselweise zum Stützpunkt Andersen zu schicken. Ziel war die Kompensation von Streitkräften, die aus dem asiatisch-pazifischen Raum für Kämpfe im Nahen Osten abgezogen wurden. Zudem hatte Nordkorea damals seine Bemühungen um die Entwicklung seines Atomwaffenprogramms erhöht. 2013 schickte die US-Armee das Raketenabwehrsystem THAAD nach Guam, das ballistische Raketen in ihrer finalen Flugphase zerstören kann.

Bevölkerung und Regierung
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Die Insel wurde erstmals vor rund 4.000 Jahren von den Vorfahren des Volks der Chamorro besiedelt. Die Chamorro machen auch heute noch die größte ethnische Gruppe der Insel aus. Die Hauptstadt Guams ist Hagatna, die größte Stadt ist mit rund 45.000 Einwohnern jedoch Dededo. Die Hauptsprachen sind Englisch und Chamorro. Auf der Insel gibt es populäre Bewegungen, die entweder mehr in Richtung Eigenverwaltung oder hin zum US-Beitritt tendieren. In den 1980er-Jahren gab es zudem einen Versuch, Guam zu einem US-Freistaat nach Vorbild Puerto Ricos zu machen. Der Versuch scheiterte jedoch.

Guam liegt Schätzungen zufolge gerade noch in Reichweite der Hwasong-12-Raketen, die Nordkorea bei einer Militärparade im April erstmals öffentlich präsentiert hatte. Sie kann von mobilen Rampen abgefeuert werden, was es schwierig macht, sie noch am Boden zu zerstören. Ein Abschuss während des Fluges nach Guam ist nicht nur schwierig, weil es gleich vier Raketen abzufangen gälte. Er birgt auch die Gefahr, dass der Norden den Einsatz der Abwehrwaffen als Angriff der USA interpretieren und seinerseits noch Städte wie Tokio oder Seoul angreifen könnte.

Die Kriegsrhetorik im Streit mit Pjöngjang hatte dramatisch zugenommen, nachdem der UN-Sicherheitsrat am Samstag einstimmig neue Sanktionen gegen Nordkorea beschlossen hatte. Die EU kündigte am Donnerstag an, dass sie diese Strafmaßnahmen nun umgesetzt habe. Unter anderem betreffen die Maßnahmen neun Einzelpersonen aus Nordkorea und Institutionen wie die staatliche Außenhandelsbank.

  • ap
  • dpa
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