Nordkorea-Krise Diplomatische Zwischentöne machen Hoffnung auf Entspannung

Es ist ein vorsichtiges Zeichen der Entspannung: In der Nordkorea-Krise setzen die USA laut Rex Tillerson auf einen Dialog mit Pjöngjang. Auch Kim Jong Un macht Hoffnung auf eine Entspannung.
Update: 15.08.2017 - 19:16 Uhr 1 Kommentar

„Der dicke Führer" – So lacht China über Kim Jong Un

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Seoul/WashingtonIn der vom Säbelrasseln beider Seiten aufgeheizten Lage im Nordkorea-Konflikt hat es am Dienstag Zwischentöne gegeben, die Hoffnung auf eine Entspannung machten. Laut US-Außenminister sind die USA weiterhin an einem Dialog mit dem nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Un interessiert. Tillerson erklärte am Dienstag vor Journalisten im State Department, zunächst müsse jedoch ein Signal aus Pjöngjang kommen.

Die Äußerungen von Kim Jong Un, die Planungen für einen Raketentest in der Nähe der Pazifikinsel Guam seien abgeschlossen, wollte Tillerson nicht kommentieren. Kim Jong Un erklärte zuvor, der Test werde vorerst nicht stattfinden. Er werde noch eine Weile „das dumme Verhalten der Yankees“ beobachten, bevor er einen weiteren Raketentest anordne, sagte er nach einer Meldung der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA.

Die Bedeutung der Insel Guam
Die US-Stützpunkte auf Guam
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Auf Guam gibt es zwei bedeutende Militärstützpunkte, den Luftwaffenstützpunkt Andersen im Norden der Insel und eine zur Marine gehörende Basis im Süden. Zwischen ihnen liegt der Touristenbezirk Tumon mit Hotelanlagen und Resorts. Der Marine-Stützpunkt kann bis zum Jahr 1898 zurückverfolgt werden, als die USA Guam von Spanien nach dem Spanisch-Amerikanischen-Krieg übernahmen.

Luftwaffenbasis seit dem zweiten Weltkrieg
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Die Basis der Luftwaffe wurde 1944 während des Zweiten Weltkriegs gebaut, als die USA sich darauf vorbereiteten, Bomber nach Japan zu schicken. Der Andersen-Stützpunkt hält heute eine Hubschrauberstaffel und Langstreckenbomber, die zwischen Guam und dem US-Festland hin- und herfliegen. Am Marine-Stützpunkt befinden sich vier nuklear betriebene U-Boote zum Schnellangriff und zwei U-Boot-Begleitschiffe.

Die Bewohner von Guam
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Auf Guam sind 7.000 Einsatzkräfte des US-Militärs stationiert, die meisten davon Soldaten der Luftwaffe oder der Marine. Die Armee plant, zusätzlich Tausende Marinesoldaten von Okinawa im Süden Japans nach Guam zu verlegen. Die Gesamtbevölkerung der Insel liegt bei rund 160.000. Die Einwohner des US-Überseegebiets im Pazifik haben Angst, dass sie in die Schusslinie des Atomstreits zwischen Nordkorea und den USA geraten könnten.

Geostrategische Bedeutung
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Die Insel hat große strategische Bedeutung: Guam liegt nur einen kurzen Flug von der Koreanischen Halbinsel entfernt, ebenso von anderen potenziellen Krisenherden in Ostasien. Seoul liegt rund 3.200 Kilometer nordwestlich von Guam, Tokio 2.400 Kilometer nördlich und Taipeh 2.700 Kilometer westlich. Da Guam Außengebiet der Vereinigten Staaten ist, können die USA jederzeit Kräfte von dort einsetzen, ohne dass das Land Sorge haben müsste, dass eine Gast-Nation möglicherweise Einwände gegen die Aktionen des US-Militärs haben könnte.

U-Boote auf Guam
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Die U-Boote des Marinestützpunktes sind wichtig, um Informationen in der Region - etwa von der Koreanischen Halbinsel und aus dem Südchinesischen Meer - zu sammeln. In Letzterem hat China Militärstützpunkte auf künstlichen Inseln aufgebaut.

US-Militär auf Guam
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Im Jahr 2004 haben die USA damit begonnen, Langstreckenbomber der Typen B-2, B-1 und B-52 wechselweise zum Stützpunkt Andersen zu schicken. Ziel war die Kompensation von Streitkräften, die aus dem asiatisch-pazifischen Raum für Kämpfe im Nahen Osten abgezogen wurden. Zudem hatte Nordkorea damals seine Bemühungen um die Entwicklung seines Atomwaffenprogramms erhöht. 2013 schickte die US-Armee das Raketenabwehrsystem THAAD nach Guam, das ballistische Raketen in ihrer finalen Flugphase zerstören kann.

Bevölkerung und Regierung
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Die Insel wurde erstmals vor rund 4.000 Jahren von den Vorfahren des Volks der Chamorro besiedelt. Die Chamorro machen auch heute noch die größte ethnische Gruppe der Insel aus. Die Hauptstadt Guams ist Hagatna, die größte Stadt ist mit rund 45.000 Einwohnern jedoch Dededo. Die Hauptsprachen sind Englisch und Chamorro. Auf der Insel gibt es populäre Bewegungen, die entweder mehr in Richtung Eigenverwaltung oder hin zum US-Beitritt tendieren. In den 1980er-Jahren gab es zudem einen Versuch, Guam zu einem US-Freistaat nach Vorbild Puerto Ricos zu machen. Der Versuch scheiterte jedoch.

Dazu wurde ein Foto veröffentlicht, dass Kim an einem Tisch mit einer Karte sitzend zeigte, auf der eine direkte Linie von Nordkorea nach Guam - über Japan hinweg - eingezeichnet war. Der Entwurf seiner Militärs sei gut, lobte Kim.

Dass Kim eine abwartende Haltung signalisierte, wurde von Beobachtern als Chance für die Diplomatie in der internationalen Krise um das nordkoreanische Atom- und Raketenprogramm gewertet. Auch aus Seoul und von US-Seite kamen Entspannungssignale: Der südkoreanische Präsident Moon Jae In sagte, die USA und Südkorea seien sich darin einig, dass der Konflikt mit Pjöngjang „absolut friedlich“ gelöst werden müsse. Auch US-Generalstabschef John Dunford sagte am Montag bei einem Besuch in Südkorea, die USA wollten die Spannungen mit Pjöngjang friedlich lösen. Sie seien aber zugleich bereit, im Falle einer Provokation die „volle Bandbreite“ ihrer militärischen Möglichkeiten einzusetzen.

US-Verteidigungsminister James Mattis machte klar, was das wäre: Ein nordkoreanischer Raketenangriff auf Guam könnte Krieg bedeuten, sagte er.

Am Montag beginnen jährliche amerikanisch-südkoreanische Manöver, die von Pjöngjang seit Jahren als Vorbereitung einer Invasion eingestuft und mit heftiger Kriegsrhetorik begleitet werden.

Moon betonte, es könne keine militärischen Schritte der USA ohne das Einverständnis Südkoreas geben. Seine Regierung werde alles dafür tun, einen Krieg auf der koreanischen Halbinsel zu verhindern. Wenn Nordkorea sein Atomwaffen- und Raketenprogramm beende, könnten Bedingungen für Gespräche entstehen, erklärte er.

Mattis wollte sich indes zum Umgang mit Nordkorea im Falle weiterer Raketentests nicht eindeutig äußern. Er brauche angesichts dessen eine gewisse Mehrdeutigkeit, sagte er. So werde verhindert, dass Nordkorea die genauen US-Pläne kenne.

  • ap
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1 Kommentar zu "Nordkorea-Krise: Diplomatische Zwischentöne machen Hoffnung auf Entspannung"

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  • Na klar, USA und diplomatische Lösung. Sehr glaubhaft im Angesicht von Amerikanischen Todesschwadronen, die um und über Nordkorea Kriegsvorbereitungen treffen und eines Amerikanischen Verteidigungsministers, der damit droht, das Nordkoreanische Volk auszulöschen.

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