Nordkorea-Krise
Neue Töne aus Pjöngjang

Nordkorea gibt sich offenbar versöhnlich: Eine südkoreanische Nachrichtenagentur berichtet, Machthaber Kim Jong Il habe China versprochen, keine weiteren Atomtests durchzuführen. Doch die USA wollen an den Sanktionen gegen Pjöngjang festhalten.

HB PEKING. Nordkoreas Staatschef Kim Jong Il habe erklärt, keine weiteren Atomtests zu planen, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf Kreise chinesischer Diplomaten nach einem Besuch von Chinas Gesandten Tang Yiaxuan in Nordkorea. Eine offizielle Bestätigung für die Aussage gab es zunächst nicht. Die Meldung bestärkte aber den Optimismus, den Tang nach seinem Besuch verbreitet hatte.

China und die USA forderten Nordkorea unterdessen zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf und bekräftigten, die nach Nordkoreas Atomtest verhängten Sanktionen der Vereinten Nationen müssten durchgesetzt werden. US-Außenministerin Condoleezza Rice wies bei ihrem Besuch in Peking Nordkoreas Forderung zurück, vor einer Wiederaufnahme der Gespräche die US-Sanktionen gegen das kommunistisch regierte Land aufzuheben. Die Gespräche sind seit November 2005 unterbrochen.

Nach Nordkoreas Atomtest vor knapp zwei Wochen hatte auch die Uno Sanktionen gegen Nordkorea verhängt. Chinas Außenminister Li Zhaoxing mahnte auf einer Pressekonferenz mit Rice aber einen zurückhaltenden Umgang mit Nordkorea an. In Nordkorea bejubelten am Freitag auf einer Großdemonstration in Pjöngjang rund 100 000 Menschen den Atomtest ihres Landes vom 9. Oktober.

„Ich habe es so verstanden, dass er (Nordkoreas Kim) klar gesagt hat, dass es keinen Plan zur Durchführung von (weiteren) Atomtests gibt“, zitierte Yonhap chinesische Diplomatenkreise nach dem Besuch Tangs. China ist ein traditioneller Verbündeter Nordkoreas. Chinas Präsident Hu Jintao hatte Tang zu Wochenbeginn zu Gesprächen nach Nordkorea geschickt.

Tang selbst äußerte sich öffentlich nicht konkret zu dem Ergebnis seines Nordkorea-Besuchs. „Glücklicherweise war meine Reise nicht vergebens“, sagte er allerdings zum Auftakt des Treffens mit US-Außenministerin Rice, die er über seinen Besuch informierte. Die südkoreanische Zeitung „Chosun Ilbo“ berichtete unter Berufung auf diplomatische Kreise Chinas, Kim habe die Bereitschaft zur Rückkehr an den Verhandlungstisch geäußert. Zugleich habe er es bedauert, dass sein Land China durch den Atomwaffen-Test in eine schwierige Lage gebracht habe.

Rice sagte in Peking, ein weiterer Atomtest Nordkoreas wäre eine „ernsthafte Provokation“, die eine Bedrohung des Friedens und der Sicherheit vor allem in Ostasien darstellte. Nach ihren Worten sind die USA in dem Atom-Streit zur Wiederaufnahme der Sechser-Gespräche bereit, würden aber die Strafen gegen Nordkorea aufrechterhalten. Der Weg zu einer Entspannung müsse über die Gespräche führen, an denen neben Nord- und Südkorea China, Japan, Russland und die USA beteiligt sind.

Chinas Außenminister Li sagte, er hoffe, dass alle Beteiligten einen kühlen Kopf bewahrten, sich zurückhielten und damit den Weg zu einer diplomatischen Lösung freimachten. Ein hochrangiger US-Vertreter sagte, Ziel der Reise von Rice sei unter anderem, Bedenken Chinas gegen Teile der Uno-Sanktionen zu zerstreuen. China befürchtet vor allem, dass Kontrollen des Schiffverkehrs zu militärischen Konflikten führen könnten. China ist außerdem besorgt, dass Engpässe bei der Lebensmittel- und Energieversorgung einen Flüchtlingsstrom aus Nordkorea auslösen und am Ende zum Zusammenbruch des Nachbarlandes führen könnten.

Dessen ungeachtet haben Branchenkreisen zufolge einige Banken Chinas ihre Geschäftsbeziehungen mit Nordkorea beendet. Die „New York Times“ berichtete unter Berufung auf chinesische Experten, China sei bereit, wirtschaftlichen Druck auf Nordkorea auszuüben, um es zur Wiederaufnahme von Gesprächen zu zwingen.

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