Nordkorea
Nichts zu essen, aber mehr Atomwaffen

Die UN ruft zu Spenden für hungernde Nordkoreaner auf. Pjöngjang bezeichnet die Lösung der Ernährungsprobleme als eine Aufgabe für 2015. Trotzdem soll weiterhin Geld für neue Atomwaffen ausgegeben werden.
  • 5

Seoul/New YorkUngeachtet großer Versorgungsprobleme und seiner maroden Industrie will Nordkorea weiter Atomwaffen bauen. Wichtig sei es, die strategische Linie der Partei umzusetzen, gleichzeitig den wirtschaftlichen Aufbau und den Ausbau einer Nuklearstreitmacht voranzutreiben, hieß es am Donnerstag in einem Bericht von Premierminister Pak Pong Ju bei einer Sitzung des Parlaments in Pjöngjang. Machthaber Kim Jong Un fehlte nach Berichten südkoreanischer Medien bei der Sitzung.

Als Hauptaufgabe für dieses Jahr nannte es Pak zugleich vor der Obersten Volksversammlung, „das Nahrungsproblem für die Menschen durch Landwirtschaft, Viehzucht und Fischerei zu lösen“. Zudem müsse die Stromerzeugung und die Metallindustrie gefördert werden, wurde er von den nordkoreanischen Staatsmedien zitiert.

Die Vereinten Nationen hatten am Mittwoch an die internationale Gemeinschaft appelliert, für die Versorgung hungernder Nordkoreaner zu spenden. Es sollten rund 111 Millionen Dollar zusammenkommen. Das Geld solle die Kosten von Projekten in Bereichen wie Ernährung, Landwirtschaft und Gesundheit decken. Millionen Menschen bräuchten fortlaufend Unterstützung.

Nach UN-Angaben gilt die Lebensmittelversorgung von 70 Prozent der 24,6 Millionen Nordkoreaner nicht als gesichert und ausgewogen.

Wie im vergangenen Jahr sollen auch dieses Jahr 15,9 Prozent des Staatshaushalts für die Verteidigung ausgegeben werden, berichtete Pak auf der Sitzung. 2014 sei „ein Jahr glänzender Siege gewesen“.

Warum der seit Ende 2011 herrschende Kim Jong Un an der Sitzung nicht teilnahm, war zunächst unklar. Auf Bildern des nordkoreanischen Staatsfernsehen sei zu erkennen gewesen, dass Kim am rechten Handgelenk verletzt sei, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap.

Die im Ausland auch als Scheinparlament bezeichnete Oberste Volksversammlung ist nominell das höchste Machtorgan. Sie tritt aber normalerweise nur ein- oder zweimal jährlich zusammen. Dabei werden weitgehend Beschlüsse der Staatsführung ratifiziert, wie etwa Budgetvorlagen und Personalentscheidungen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Nordkorea: Nichts zu essen, aber mehr Atomwaffen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Nicht aufregen, Leute, bloß nicht aufregen. Am besten schnell wieder vergessen, wie immer.

    Und am allerbesten gar nicht erst drüber berichten. Killt nur die Stimmung, genauso wie die ganzen unästhetischen Bilder aus den unzähligen "Krisenregionen", mit denen wir täglich aufs Neue zwangskonfrontiert werden, wenn wir nicht schnell genug umschalten... Reicht doch alles schon, schließlich haben wir schon mehr als genug "Wichtiges" zu tun, als dass wir uns auch noch mit so was befassen könnten. Machen können "wir" alle ja angeblich doch nichts (wirklich??), die "Politik" offensichtlich sowieso nicht, was soll man sich da die Laune verderben lassen (jetzt mal im Ernst: Soll man ja auch gar nicht - bringt absolut gar nichts, im Gegenteil - man - also jeder, der dazu in der Lage ist - soll sich bloß informieren und dann überlegen, was man tun(!!) könnte).

    Nordkorea liegt für die meisten von uns doch längst unterhalb unserer Wahrnehmungsschwelle, so sehr haben wir uns an dieses ausgeklügelte und aufs Perfideste perfektionierte Ein-Mann-Terrorsystem gewöhnt (mit "Wir" meine ich hier im "Westen"; unter regierungs"verantwortlichen" Politikern diverser anderer Staaten wird der Typ ja offenbar nicht mal wirklich als Problem gesehen).

    Übrigens genauso gewöhnt wie an den "Klassiker" unter den Dauerkrisen im Nahen Osten (Pal./Isr.) und die vielen anderen "Dauerbrenner" in den verschiedenen Erdteilen.

    IS / AQ in diversen Staaten / Al-Shabaab / Boko Haram und ähnliche Neu- (bzw. Folge) erscheinungen eines sklerosierten politischen Systems unter den Terrorszenarien beunruhigen uns da schon um einiges mehr.

    Zumal wir da selbst "gefühlt" viel näher dran sind...

  • in den USA und vielen anderen Ländern, einschliesslich Länder in der EU, die zwar grosse Probleme haben bedingt durch die Krise, aber weiterhin massiv Geld in das Militär stecken.

  • Zwar ein höheres Niveau, aber: in den USA leben viele Familien von food stamps.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%