Nordkorea
Raketentests lösen Panikkäufe aus

In der Stadt Nachodka an der russischen Pazifikküste sorgte der jüngste Streich des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il für Angst und Schrecken. Weil einige Raketen des berüchtigten Regimes im Japanischen Meer vor der Hafenstadt einschlugen, herrscht dort große Aufregung. Weitere Überraschungen könnten folgen – auch an anderen Orten.

HB MOSKAU. Die nahen Rakteneinschläge lösten in der russischen Stadt Panik aus. Binnen kurzer Zeit waren in den Läden Nachodkas Salz und Konserven ausverkauft gewesen, schilderten russische Medien. „Ich glaube zwar nicht, dass wegen dieser Raketen ein Krieg ausbrechen wird. Aber Konserven habe ich mir dennoch für alle Fälle gekauft“, sagte die Einwohnerin Swetlana Bajbakowa der Tageszeitung „Iswestija“.

In Russland deutet alles darauf hin, dass das Militär den Raketenbeschuss in der 200-Seemeilen-Zone verschlafen hat. Die Tageszeitung „Kommersant“ schrieb am Donnerstag unter Berufung auf nicht genannte Quellen, die Militärs hätten selbst nur aus dem Internet von den Starts erfahren. Die russischen Spionagesatelliten seien allein auf das Territorium der USA ausgerichtet. „Es scheint ganz so, als wären wir der Erpressung durch nordkoreanische Atomwaffen schutzlos ausgeliefert“, kritisierte der Journalist Alexander Golz von der Zeitschrift „Jeschenedelny Schurnal“.

Während Japan und die USA in den vergangenen Wochen zunehmend nervöser auf Meldungen über nordkoreanische Raketentest- Vorbereitungen reagierten, wurde eine solche Gefahr in Moskau durchweg verneint. Verteidigungsminister Sergej Iwanow wies noch am 22. Juni derartige Berichte als „Spekulation“ zurück. Ihm lägen keine beunruhigenden Informationen zu nordkoreanischen Plänen vor. Der Berater von Präsident Wladimir Putin, Igor Schuwalow, machte in jenen Tagen nur „Psychotricks“ beim fernöstlichen Nachbarn aus.

Auch nachdem die Raketen vor der russischen Küste eingeschlagen waren, wollte sich Putin nicht der harschen Kritik der westlichen Staaten gegen Nordkorea anschließen. Er sei enttäuscht über die Entwicklung in der Region, sagte der Kremlchef lediglich und fügte dann etwas nebulös hinzu, ein Land dürfe sein Recht nicht auf Kosten anderer Länder durchsetzen.

Die Gelassenheit des Kremls dürfte nicht nur auf die geographische Entfernung zum Tatort zurückzuführen sein. Immerhin liegen zwischen dem Raketenziel und Moskau mehr als 9000 Kilometer. Die russische Führung hat in den seit 2003 andauernden Sechser-Gesprächen zum Verdruss der USA und Japans immer wieder viel Verständnis für die nordkoreanischen Eskapaden aufgebracht.

Sicherheitsexperte: „Pjöngjang könnte sich unberechenbar verhalten“

Nordkorea will seine Raketentests trotz weltweit scharfer Proteste und Sanktionsandrohungen fortsetzen. Einen Tag nach dem Start einer Langstreckenrakete und mindestens sechs anderer Raketen drohte Pjöngjang am Donnerstag zugleich mit Gegenmaßnahmen, falls versucht werden solle, Nordkorea das Recht auf Tests abzusprechen oder Druck auf das Land auszuüben. Nordkorea werde keine andere Wahl haben, als auf „härtere physische Aktionen in anderer Form“ zurückzugreifen, hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums in Pjöngjang.

Von Seiten des US-Außenministeriums in Washington hieß es indes, es gebe keine Erkenntnisse über bevorstehende weitere Tests. Weder stünden Raketen auf der Startrame, noch würden sie dorthin bewegt.

China kündigte an, seinen Chefunterhändler für die festgefahrenen Sechs-Länder-Gespräche über das umstrittene nordkoreanische Atomprogramm, Wu Dawei, am kommenden Montag im Rahmen einer „Mission des guten Willens“ nach Pjöngjang zu schicken. Der südkoreanische Vereinigungsminister Lee Jong Seok sagte in Seoul, er wolle trotz der Raketentests an der geplanten neuen Runde von Versöhnungsgesprächen auf Ministerebene mit Nordkorea in der nächsten Woche festhalten. Der Weltsicherheitsrat wollte noch am Donnerstag über einen Resolutionsentwurf beraten.

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