Nordkorea testet Atombombe: Kim Jong-Un stellt den Westen bloß

Nordkorea testet Atombombe
Kim Jong-Un stellt den Westen bloß

Nordkorea hat einen „erfolgreichen“ Atomtest unternommen. Er sei „Teil von Maßnahmen zum Schutz nationaler Sicherheit“. Der Rest der Welt sieht das anders – bis auf China. Verliert Nordkorea seinen letzten Verbündeten?
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PjöngjangNordkorea verdarb seinen Nachbarn am Dienstag Mittag den Appetit: Um 11:58 Uhr zeichneten die Seismographen in aller Welt in nur ein Kilometer tiefe ein künstliches Erdbeben der Stärke 5,1 im Nordosten des Landes auf. Der Schluss lag nahe: Nordkorea hat zum dritten Mal seit 2006 und 2009 eine Atombombe getestet. Denn in der Region des Epizentrums liegt Nordkoreas Atomtestzentrum Punggye-ri.

Die erste Auswertung der Erdstöße bestätigte den Verdacht: „Das Vorkommnis zeigte klare explosionsähnliche Charakteristika und die Position ist ähnlich wie bei den Atomtests 2006 und 2009“, sagte Tibor Toth von der Atomaren Teststopp-Organisation (CTBTO). Damals bebte die Erde mit der Stärke 4,1 und 4,5 auf der Richter-Skala. Südkoreans Verteidigungsministerium schätzte daher, dass die Sprengkraft der Bombe dieses Mal sechs bis sieben Kilotonnen TNT entsprach. Zum Vergleich: Die Bombe, die 1945 über Hiroshima gezündet wurde, hatte eine Sprengkraft von 13 bis 16 Kilotonnen.

Mittlerweile hat die amtliche Nachrichtenagentur KCNA den Test bestätigt. Nordkorea habe einen „erfolgreichen“ Atomtest unternommen. Dieser sei unterirdisch erfolgt und „Teil von Maßnahmen zum Schutz unserer nationalen Sicherheit und Souveränität“. Diese würden vor allem von den USA bedroht.

Unerwartet kommt Nordkoreas Test keineswegs. Experten gilt Nordkoreas Atomprogramm schon lange nicht mehr als verhandelbar. Denn die Erbdiktatur sieht in der Bombe eine Sicherheit gegen eine militärische Intervention der USA. Das Novum ist, dass der junge Führer Kim Jong-Un den Test öffentlich und selbstbewusst ankündigte: Bereits im Januar drohte er offen mit einem weiteren Test.

Sein Regime antwortete damit auf verschärfte Sanktionen, die die Vereinten Nationen (Uno) nach Nordkoreas Test einer Weltraumrakete im Dezember verhängt hatten. Am Montag zogen sich dann Nordkoreas Militärs gut sichtbar für die Satelliten der Nachbarn von der Testseite zurück. Und das Regime gönnte sich sogar noch die Genugtuung, die Nachbarn vorab von der Explosion zu informieren. Wenigstens erhielt Südkoreas Regierung so nach eigener Aussage die Botschaft vorab.

Ob es sich wie in den Tests zuvor um eine Plutoniumbombe oder einen höherentwickelten Sprengkopf aus angereichertem Uran handelt, ist noch offen. Klar ist allerdings, dass sich damit die militärische Bedrohung in Asien und um den Pazifik erhöht. Erstens wird es nach dem erfolgreichen Weltraumraketentest im Dezember immer wahrscheinlicher, dass Nordkorea wenigstens theoretisch über die Fähigkeit verfügt, die Westküste der USA atomar zu bombardieren. Zweitens steigt das Risiko militärischer Zusammenstöße auf der hochmilitarisierten koreanischen Halbinsel, warnt Bruce Klingner, Ostasiensexperte der konservativen Heritage-Stiftung in den USA, auf eine Frage des Handelsblatts.


„Der Raketen- und der Atombombentest sind bedeutende Schritte vorwärts“, so Klingner. Sie stärkten das Selbstbewusstsein des nordkoreanischen Militärs. „Es könnte vermehrt zu konventionellen Angriffen auf Südkorea kommen, weil Nordkoreas Führer mit ihren verbesserten Fähigkeiten sich sicherer sind, dass Südkorea und die USA keine Gegenmaßnahmen ergreifen,“ warnt Klingner.

Die Aussicht ist beunruhigend. Nordkorea hat selbst in der jüngeren Vergangenheit nicht davor zurückgeschreckt, südkoreanische Kriegsschiffe zu torpedieren oder Stellungen mit Artillerie zu beschießen. Und die Test der vergangenen Monate zeigten, dass der junge Führer Kim Jong-Un nicht weniger kriegerisch ist als sein Vater Kim Jong-Il oder sein Großvater Kim Il-Sung, so Klingner.

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  • schon Mist ...

    Man stelle sich folgendes vor:
    Der erste Steinzeitmensch macht sich das erste Steinmesser. Der Nachbar hat seine Haare statt nach rechts nach links gekämmt. Deshalb erschlägt der erste Steinzeitmensch den Nachbarn als dieser versucht sich auch ein Steinmesser zu machen.

    Wäre es so gewesen würden wir heute alle die Haare nur nach rechts gekämmt tragen.

    Zum Glück war der erste Steinzeitmensch tolerat - toleranter als heutige Demokratien.

  • @ Hardie67

    Zitat : A-Waffen auf den Kopf werfen, wenn wir deren Banken nicht mehr retten wollen ?

    Ich wollte noch einen vorsichtigen Optimisten abgeben,
    also einen realistischen Pessimisten :-)

  • "Wer sagt uns denn, dass das friedliche Frankreich morgen keine Atomwaffen auf die Wüstenstaaten wirft ?"

    Und wer sagt uns vor allem, dass die uns morgen keine A-Waffen auf den Kopf werfen, wenn wir deren Banken nicht mehr retten wollen ?

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