Nordkorea und Atomwaffen
Der Süden zweifelt an Kim Jong Uns Wasserstoffbombe

Nordkorea hat gemeldet, erstmals eins Wasserstoffbombe getestet zu haben. Das kommunistische Regime feiert es als Meilenstein, für den Rest der Welt ist es ein Schock. Im Nachbarland kommen allerdings Zweifel auf.

Seoul/Brüssel/BerlinNach der Verkündung des Tests einer Wasserstoffbombe durch Nordkorea planen die Vereinten Nationen nach Angaben Großbritanniens eine Verschärfung der Sanktionen gegen Pjöngjang.„Wir werden mit anderen an einer Resolution über weitere Sanktionen arbeiten“, sagte der britische UN-Botschafter Matthew Rycroft am Mittwoch vor Journalisten in New York. Um 17.00 Uhr MEZ kommt der UN-Sicherheitsrat zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen.

Nordkorea hatte am Mittwoch den "erfolgreichen" Test eine Wasserstoffbombe vermeldet. Damit gehöre Nordkorea ab sofort zum Kreis der Länder mit fortgeschrittener Kernwaffentechnik, verkündete ein Nachrichtensprecher im staatlichen Fernsehen.

Das international weitgehend isolierte Nordkorea hatte bereits in den Jahren 2006, 2009 und 2013 Atomwaffentests vorgenommen und damit jedes Mal internationale Empörung ausgelöst. Der UN-Sicherheitsrat verschärfte nach jedem Test die Sanktionen gegen das kommunistische Land.

Das Militär und der Geheimdienst in Südkorea zweifeln allerdings stark an den Angaben Nordkoreas. Militärexperten halten es für unwahrscheinlich, dass Nordkorea eine voll entwickelte Wasserstoffbombe (H-Bombe) gezündet habe, wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Seoul am Mittwoch mitteilte. Die Stärke der Explosion in Nordkorea sei dafür zu schwach gewesen.

Südkoreanische Militärs sprachen zwar von einem Atomtest. Doch sei die Explosion im Nordosten von Nordkorea wohl kleiner gewesen als beim Test einer herkömmlichen Atombombe vor drei Jahren, zitierte der Fernsehsender Arirang einen Vertreter der Streitkräfte. Die Explosionskraft einer Wasserstoffbombe sei um das Hundert- oder Tausendfache größer.

Beim jüngsten Atomtest in Nordkorea sei vermutlich eine Sprengkraft von sechs Kilotonnen erreicht worden, zitierte die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap ebenfalls einen Militärvertreter. Die Sprengkraft von bisher getesteten Wasserstoffbomben habe dagegen 20 bis 50 Megatonnen erreicht.

Zuvor hatte schon Südkoreas Geheimdienst vor Abgeordneten Zweifel an Nordkoreas Angaben geäußert. Es sei möglich, dass das künstliche erzeugte Erdbeben nicht von einer H-Bombe ausgelöst worden sei, sagte Yonhap zufolge ein Abgeordneter der Regierungspartei Saenuri. Nach Einschätzung des Geheimdienstes handelte es sich eher um eine Atombombe. Wasserstoffbomben sind zerstörerischer als Atombomben, jedoch viel schwieriger herzustellen. Die Anrainerländer wie China, Japan und Südkorea reagierten empört. Sollte sich ein neuer Atomtest bestätigen, dürften weitere, schärfere internationale Sanktionen gegen Pjöngjang folgen.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat den von Nordkorea bekannt gegebenen Test auf das Schärfste verurteilt. Nordkorea habe damit erneut Resolutionen des UN-Sicherheitsrats verletzt und sich gegen „die Grundsätze der Völkergemeinschaft“ gestellt, erklärte Steinmeier am Mittwoch in Berlin. Die Regierung in Pjöngjang gefährde mit ihrem Verhalten zudem die regionale und internationale Sicherheit.

„Das nordkoreanische Atomprogramm und die wiederholten Atomtests sind ernste Bedrohungen für Frieden und Stabilität auf der koreanischen Halbinsel und ein Angriff auf das weltweite Regime der Nichtverbreitung“, erklärte Steinmeier. Die Bundesregierung forderte Nordkorea daher nachdrücklich auf, sich entsprechend der UN-Resolutionen zu verhalten und zum Verhandlungstisch zurückzukehren. Die internationale Gemeinschaft müsse „entschlossen und deutlich“ auf das Verhalten Nordkoreas reagieren.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin kündigte an, dass eine Einbestellung des nordkoreanischen Botschafters geplant sei. Dies werde voraussichtlich noch am Mittwochnachmittag erfolgen. „Das bisherige Verhalten Nordkoreas zeigt, dass es null Bereitschaft von Seiten Pjöngjangs gibt, sich der klaren Haltung der Völkergemeinschaft unterzuordnen“, sagte der Sprecher.

Zugleich lobte er die Reaktion Chinas, des traditionellen Verbündeten Nordkoreas. Es sei „ganz bemerkenswert, dass auch offizielle Vertreter Chinas sich sehr früh in aller Deutlichkeit zur Verletzung von Resolutionen des Sicherheitsrats geäußert haben“, sagte der Sprecher. Dies wecke „Hoffnungen, dass doch sehr zügig eine geeignete Reaktion der Staatengemeinschaft“ möglich sei. Es sei nicht auszuschließen, dass „die Schraube noch weiter angezogen“ werde. Denkbar seien neue Sanktionen des UN-Sicherheitsrates.

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