Nordkorea und Otto Warmbier
Der Tod eines US-Studenten wird zum Politikum

Kurz nachdem Nordkorea Otto Warmbier aus der Haft entlässt, verstirbt der US-Student. Washington macht das Regime in Pjöngjang dafür verantwortlichen. Es erhöht den Druck auf Kim Jong Un– und spannt dabei auch China ein.
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TokioUS-Präsident Donald Trump lernt Nordkorea im Schnelldurchlauf kennen. Vor kurzem sagte er noch, es wäre ihm eine Ehre, Nordkoreas jungen Führer Kim Jong Un zu treffen. Er nannte den Diktator ein schlaues Kerlchen. Doch nachdem der von Nordkorea vorige Woche ausgelieferte amerikanische Student Otto Warmbier am Montag im Koma gestorben war, sprach der US-Präsident weniger nett über das Regime in Pjöngjang.

Wenigstens habe die Trump-Regierung den 22-Jährigen heim zu seinen Eltern gebracht, die so froh gewesen seien, ihn zu sehen – obwohl Warmbier in einer „sehr schlimmen Zustand war“, sagte Trump in die Kameras. Dann verdammte er Nordkoreas Führung kurz und bündig: „Es ist ein brutales Regime, und wir werden in der Lage sein, es zu bewältigen.“

Wie genau er Nordkorea beikommen will, ließ Trump zwar in der Schwebe. Allerdings verzichtete er anders als zu Beginn seiner Amtszeit darauf, militärisch gegen den Norden Stimmung zu machen. Klar ist nur: Die Spannungen im transpazifischen Säbelrasseln der ungleichen Streithähne werden durch den Fall Otto Warmbier weiter verschärft. Dies stellte bereits Trumps Außenministerium klar.

Außenminister Rex Tillerson habe gesagt, dass die USA weiter Druck auf Nordkorea aufbauen würden, erklärte Susan Thornton, die Leiterin des Referats für Ostasien und den Pazifikraum im Außenministerium. Dabei spinnt Washington auch China mit ein: Wenn sich diese Woche Tillerson und Verteidigungsminister Jim Mattis in Washington mit Chinas Staatsrat Yang Jiechi und dem Stabschef der Volksbefreiungsarmee, Fang Fenghui treffen, werde das Thema Nordkorea höchste Priorität haben, versicherte Thornton.

Die USA wollen die Stimmung offenbar nutzen, um China zu stärkeren Sanktionen von seinem Schützling Nordkorea zu bewegen. So wollen die USA laut Thornton „eine friedliche Lösung für die nordkoreanische Atom- und Raketengefahr“ erreichen.

Überraschend ist Trumps rhetorische Wende nicht. Ihm bleibt gar keine andere Wahl, als den Druck auf Nordkorea zu erhöhen. Zu tragisch erscheint das Schicksal des amerikanischen Studenten in der Öffentlichkeit. Der republikanische Senator John McCain fasste die Stimmung prägnant zusammen: „Lasst uns die Fakten einfach benennen: Otto Warmbier, ein amerikanischer Bürger, ist vom Regime Kim Jong Uns umgebracht worden.“

Der Student der Universität Virginia hatte einen Nordkorea-Trip mit der chinesischen Reiseagentur Young Pioneer Tours gebucht, die laut ihrem Prospekt Budget-Reisen zu Zielen anbietet, „von denen deine Mutter dich lieber fernhalten würde.“ Doch bei der Ausreise wurde er im Januar 2016 festgenommen und nach kurzem Prozess zu 15 Jahren harter Arbeit im Arbeitslager verurteilt.

Seine Missetat: ein „feindlicher Akt gegen den Staat“. Genauer gesagt soll er ein politisches Bannerposter von einem gesperrten Hotelflur gestohlen haben. Nicht einmal eine dramatische Selbstbezichtigung, eine Anklage der US-Regierung und eine Bitte um Ausreise in Nordkoreas Fernsehen stimmten die Richter in dem asiatischen Land gnädig.

Damit wurde der 22-Jährige zu einer von mehreren politischen Geiseln Nordkoreas. Ein Druckmittel, das Pjöngjang gegen die USA ausspielen wollte, meinen Experten. Derzeit sind drei Amerikaner koreanischer Abstammung und mehrere Südkoreaner in Haft. Die Familie Warmbier hielt sich auf Anraten der Regierung unter Barack Obama zunächst im Hintergrund. Als Trump an die Macht kam, schöpfte sie neue Hoffnung. Und tatsächlich: Trump reagierte und setzte das Außenministerium auf die Freilassung Warmbiers an.

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