Nordkorea
USA wollen Atom-Verhandlungen wieder anschieben

Ein Sonderbeauftragter der US-Regierung ist am Dienstag zu Gesprächen über das umstrittene Atomprogramm in Nordkorea eingetroffen. Bei seinem dreitägigen Besuch will Stephen Bosworth die kommunistische Führung dazu bewegen, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren, den sie vor rund einem Jahr verlassen hat.
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HB SEOUL. Der US-Gesandte Stephen Bosworth und seine Delegation seien am Dienstag mit dem Flugzeug in Nordkorea eingetroffen, hieß es in einer knappen Meldung der staatlichen Medien des kommunistischen Landes. Bosworth war von einem US-Luftwaffenstützpunkt in Südkorea gestartet. Dort hatte er sich vorher mit der Regierung in Seoul über das weitere Vorgehen im Atomstreit mit Nordkorea abgestimmt.

Bosworth führt im Auftrag Washingtons die ersten formellen Gespräche der USA mit Nordkorea seit dem Antritt von Präsident Barack Obama. Ziel ist es, die Führung in Pjöngjang zur Rückkehr zu den abgebrochenen Sechs-Länder-Gesprächen über ein Ende ihres Atomprogramms zu bewegen. Auch soll Bosworth dem weitgehend isolierten Regime das Versprechen abringen, die bei den Sechser-Gesprächen getroffenen Abrüstungsvereinbarungen vom September 2005 einzuhalten. Teil der Abmachungen damals waren auch Wirtschaftshilfe und umfangreiche Energielieferungen für Nordkorea.

Der wichtigste Gesprächspartner von Bosworth in Pjöngjang wird voraussichtlich der erste nordkoreanische Vizeaußenminister Kang Sok Ju sein, der bereits Unterhändler seines Landes bei Atomverhandlungen mit den USA in den 90er Jahren war. Der US-Diplomat wird für Donnerstag wieder in Südkorea zurückerwartet.

Nach Angaben von Regierungsbeamten in Seoul könnten beim Besuch von Bosworth in Pjöngjang auch die Aufnahme von Gesprächen über einen Friedensvertrag und die Einrichtung eines Verbindungsbüros der USA in der nordkoreanischen Hauptstadt erörtert werden. Bedingung sei jedoch das Versprechen Pjöngjangs, zu den Atomgesprächen zurückzukehren.

Nordkorea hatte im September seine Bereitschaft zum Wiedereinstieg signalisiert. Doch machte das Land die Rückkehr vom Verlauf direkter Verhandlungen mit den USA abhängig. Pjöngjang hatte im April nach Kritik des Weltsicherheitsrats an einem Raketentest des Landes die Sechser-Gespräche verlassen, an denen noch China, Südkorea, Russland und Japan teilgenommen hatten. Im Mai unternahm Nordkorea einen zweiten unterirdischen Atomtest, auf den der Weltsicherheitsrat mit einer Verschärfung von Sanktionen reagierte.

Seoul zu Hilfe gegen Grippe in Nordkorea bereit

Nach Berichten über angebliche Todesfälle durch die Schweinegrippe in Nordkorea hat sich Südkorea unterdessen zu schneller Hilfe für das weitgehend isolierte Nachbarland bereit gezeigt. Präsident Lee Myung Bak habe am Dienstag das Kabinett angewiesen, die Berichte zu überprüfen und Wege zu finden, wie Nordkorea nötigenfalls schnell mit Medikamenten gegen die Grippe versorgt werden könne, teilte das Präsidialamt in Seoul mit. "Es besteht die Sorge, dass sich die Schweinegrippe rasch ausbreiten kann", wurde Lee zitiert.

Nordkorea hat bisher keine Fälle von Schweinegrippe gemeldet. Die buddhistische Hilfsorganisation "Good Friends" in Südkorea hatte am Montag jedoch berichtet, die Grippe breite sich in dem kommunistischen Nachbarland rasch aus. Etwa ein Dutzend Jugendliche sei an den Folgen einer Infektion mit dem H1N1-Virus gestorben. Als eine Schutzmaßnahme sei der Beginn der Winterschulferien bereits auf den 4. Dezember vorverlegt worden. "Good Friends" ist nach eigenen Angaben über die Vorgänge in Nordkorea durch Informanten in dem Land unterrichtet.

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